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07.10.2011

12:53 Uhr

Sozialversicherung

Besserverdiener zahlen 2012 mehr Abgaben

VonKatharina Schneider

Für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Wegen neuer Bemessungsgrenzen können bis zu 264 Euro auf dem Konto fehlen.

Durch den Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze erhöhen sich 2012 auch die Kosten für die Krankenversicherung. dpa

Durch den Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze erhöhen sich 2012 auch die Kosten für die Krankenversicherung.

DüsseldorfBesserverdiener müssen im kommenden Jahr mehr Sozialabgaben zahlen. Ab ersten Januar 2012 will die Bundesregierung die Bemessungsgrundlagen für die Renten- Kranken-, Pflegeversicherung sowie die Arbeitslosenversicherung hoch setzen. Dadurch verlieren Arbeitnehmer im nächsten Jahr bis zu 264 Euro. Diese Summe gilt für alle, die monatlich mehr als 5.600 Euro verdienen.

Die Bemessungsgrundlage wird jedes Jahr neu festgelegt und orientiert sich an der Entwicklung der Löhne und Gehälter. Für die Berechnung im Jahr 2012 sind die Einkommen aus dem Jahr 2010 relevant. Da die Löhne in jenem Jahr relativ stark gestiegen sind – um 2,09 Prozent in den alten Bundesländern und 1,97 Prozent in den neuen Ländern – macht auch die Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherung einen größeren Sprung nach oben. Das ist für Arbeitnehmer besonders bitter, denn von 2010 auf 2011 war sie sogar zum ersten Mal in der Geschichte gesunken. Die neuen Grenzen wurden von der Bundesregierung vorgelegt, im kommenden Monat muss noch der Bundesrat zustimmen.

Für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung soll die Beitragsbemessungsgrenze 2012 in ganz Deutschland von 44.550 auf 45.900 Euro pro Jahr steigen. Gesetzlich Versicherte zahlen einen Prozentbetrag ihres Bruttoeinkommens an die Kasse. Der Beitrag für die Krankenversicherung liegt bei 15,5 Prozent, für die Pflegeversicherung gehen 1,95 Prozent ab, plus 0,25 Prozent für Kinderlose. Auf das Gehalt oberhalb der Bemessungsgrenze müssen keine Beiträge gezahlt werden. Für Arbeitnehmer, deren Einkommen über der alten Grenze liegt, entstehen dadurch Mehrkosten von bis zu 127 Euro.

Außerdem erhöht sich die Grenze für die Versicherungspflicht von 49.500 auf 50.850 Euro.

Übersicht der Sozialabgaben

Krankenkassenbeitrag

Der Beitragssatz für die Krankenkasse liegt derzeit bei 15,50 Prozent – davon zahlen Arbeitnehmer 8,2 Prozent und Arbeitgeber 7,3 Prozent.

Pflegeversicherung

In die Pflegeversicherung gehen 1,95 Prozent des Einkommens – Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich den Beitrag.

Aufschlag für Kinderlose

Wer keine Kinder hat, zahlt in die Pflegeversicherung zusätzlich 0,25 Prozent seines Einkommens ein.

Rentenversicherung

Für die Rentenversicherung werden 19,9 Prozent des Gehalts fällig, die Hälfte zahlt der Arbeitgeber.

Arbeitslosenversicherung

Der Beitrag in die Arbeitslosenversicherung liegt bei drei Prozent – auch hier machen Arbeitgeber und –nehmer Hälfte-Hälfte.

Kosten für den Arbeitnehmer

Ingesamt zahlen gesetzlich versicherte Arbeitnehmer 9,175 Prozent ihres Einkommens für die Kranken- und Pflegeversicherung – Kinderlose zusätzlich 0,25 Prozent. Dazu kommen 11,45 Prozent für die Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Gesamtabgaben

Zusammengerechnet müssen Arbeitnehmer 20,625 Prozent ihres Bruttogehalts an Sozialabgaben zahlen. Für Kinderlose sind es 20,875 Prozent.

Auch bei der Rentenversicherung entstehen höhere Kosten – hier wird allerdings zwischen Arbeitnehmern in Ost- und Westdeutschland unterschieden. Im Westen Deutschlands soll die Beitragsbemessungsgrenze künftig bei 5.600 Euro pro Monat liegen – 2011 waren es 5.500 Euro. Im Osten bleibt sie unverändert bei 4.800 Euro pro Monat. Bei einem Beitragssatz von 19,9 Prozent für die Rentenversicherung und drei Prozent für die Arbeitslosenversicherung – wovon die Hälfte der Arbeitgeber trägt – entstehen für den Arbeitnehmer bis zu 11,45 Euro höhere Kosten im Monat.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

07.10.2011, 13:25 Uhr

Wie wäre es mal mit der Abschaffung des Solidaritätszuschlags? Sogar öffentliche Studien belegen, dass Menschen im Osten zwar ein niedrigeres Gehalt beziehen aber auch niedrigere Lebenshaltungskosten haben, sodass ihnen nach Abzug aller Kosten sogar mehr übrig bleibt jemandem vergleichbaren im Westen. Aber so wie man es in Deutschland kennt, würde der Soli nicht abgeschafft werden, sondern im Osten auch eingeführt werden und dann "griechischer Solidaritätszuschlag" heißen.

karstenberwanger

07.10.2011, 13:42 Uhr

Ob Besserverdiener oder nicht, die Bemessungen sind gemessen an den LEbenshaltungskosten absolut pervers. Das Steuersystem bleibt nach wie vor ein Horror hoch 10 und Arbeit lohnt sich ebenso nach wie vor nicht mehr für jene die mehr tun möchten. Weiter so... da ist eh nichts mehr zu retten.

sirrobin

07.10.2011, 14:23 Uhr

Mein Gott, bei Themen von denen man keine Ahnung hat könnte man sich ja mal etwas in Zurückhaltung üben.

1. Wurde der Soli sowohl im Osten als auch im Westen eingeführt (soviel zu deiner Befürchtung). Soll heißen, jeder Arbeitnehmer in D darf den blechen, egal ob Sachse oder Bayer.

2. Wie jede Steuer ist der Soli nicht zweckgebunden und fließt somit entgegen der Vermutung einiger Unwissender nicht direkt in die Infrastruktur der neuen Bundesländer sondern wird für alles mögliche genutzt.

Ich würde hier mal einigen Usern empfehlen sich zu informieren, bevor sie ihren Senf in die Welt hinausschreien.

Im Übrigen bin ich Wessi (bevor ich hier in ne Schublade gesteckt werde) und wäre auch für eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags, allerdings würden wir die Zahlungen dann mit Sicherheit in Form einer höheren MwSt oder Einkommenssteuer ebenfalls an den Staat abführen.

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