Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2011

10:38 Uhr

Sparbuch, Tages- und Festgeld

Wie die Inflation das Vermögen auffrisst

VonJens Hagen

Eine Analyse zeigt, wie die Inflation die Guthaben von Millionen Sparer reduziert. Selbst bei Top-Offerten für Tages-, Festgeld oder Sparbüchern schwindet das Vermögen. Wie sicherheitsbewusste Anleger ihr Geld retten.

Vermögen in Gefahr: Die Inflation wirkt schon heute bei Sparern. Quelle: dpa

Vermögen in Gefahr: Die Inflation wirkt schon heute bei Sparern.

Die Angst vor Inflation geht um den Globus. Ausufernde Staatsverschuldung, schwache Währungen und steigende Energiepreise treiben den Geldanlegern die Sorgenfalten ins Gesicht. Im Euro-Raum verteuerten sich die Energiepreise um knapp elf Prozent, der Verkehr um 5,3 Prozent und Nahrungsmittel um 2,7 Prozent. 

In der Eurozone liegt die Inflation bei 2,7 Prozent und damit weit von der von der EZB gesetzten Obergrenze von zwei Prozent entfernt. Die Zentralbanker warnen vor mittelfristig steigenden Sätzen und Zweitrundeneffekten bei Preisen und Löhnen. In Deutschland lag die Inflationsrate bei 2,3 Prozent, in Italien laut Eurostat bei 3,0 und in Estland sogar 4,9 Prozent. 

Selbst US-Notenbankchef Ben Bernanke, sonst eher für expansive Währungsstrategien bekannt, kann die Inflation nicht mehr ignorieren. Die Preissteigerungen inzwischen „höher“ und „näher“ am informellen Zielbereich der Zentralbank als noch im Vorjahr, orakelt Bernanke und gab einer erneuten Lockerung der Geldpolitik entgegen früherer Aussagen auch deshalb eine Absage. 

Inflation vernichtet das Vermögen von Millionen Sparern

Bei den deutschen Sparern ist die Inflation längst angekommen. Eine aufwändige Untersuchung der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt, wie die Vermögen von Millionen deutschen Sparern aktuell schwinden. 

Wer im vergangenen Jahr 10.000 Euro als Festgeld mit einer Laufzeit von einem Jahr beim besten Anbieter Big Bank zu drei Prozent anlegte, erzielte nach Abzug der Inflationsrate von 2,3 Prozent nur einen bereinigten Ertrag von 70 Euro. Der Profit bleibt aber nur auf dem ersten Blick. Denn Vermögende müssen noch Abgeltungssteuer abführen. Bei einem Satz von 26,38 Prozent für Singles blieben von 10.000 Euro nur 9991 Euro übrig. 

Die wenigsten Anleger dürften allerdings das beste Festgeld-Angebot auf dem Markt ausgewählt haben. „Aktuell verringert sich das Vermögen von Millionen Sparern durch die Inflation in einem rasanten Tempo“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Im Schnitt von 80 Banken betrug der Zins für Festgeld im vergangenen Jahr nur 1,25 Prozent. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro bleiben inflationsbereinigt beim Festgeld im Schnitt nur 9895 Euro übrig. Nach Steuern sank das reale Vermögen auf  9862 Euro. 

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Kommentare (29)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pbberlin

20.07.2011, 11:14 Uhr


Preise bei Aldi und Netto: 13 Prozent.
http://de.preiszeiger.eu/news-studien/warenkorb-index/

Mieten in Berlin: 8 Prozent
http://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2011/detailansicht/article/steigerung-der-bestandsmieten-in-berlin-um-durchschnittlich-834.html

Wann werden Sie die offizielle Inflations-Statistik mal analysieren?

Curley

20.07.2011, 11:29 Uhr

Inflaton von 2,3 Prozent ? Das schreiben doch auch nur die von der Politik und der Wirtschaft "gekauften" Experten bzw. die manipulierte Presse. Durch eine hedonische Beerchnung und einen fragwürdigen Warenkorb, aus dem teuer gewordene Sachen entfernt und durch billige ersetzt werden, kann man die Inflationszahlen schön nach unten drücken. Man muss nur genügend Elektroartikel wie PC, Fernseher, Waschmaschinen etc. listen, dann fällt die Inflation gewaltig. Man kauft ja auch jeden Tag eine Waschmaschien oder einen PC.

Hier wird geschönt/gefälscht/manipuliert, wie in allen Dingen. Grund ist der, dass man bei niedrig ausgewiesen Inflationszahlen auch nur niedrige Löhne zahlen muss. Steigt die offiziell angegebene Inflation um 2,3 Prozent und man zahlt dem Arbeitnehmer nun 2,5 Prozent mehr Lohn - so will man ihm weis machen, dass er ja einen Einkommenszuwachs von 0,2 Prozent bekommen hat.
Kein Mensch glaubt diese gefälschten Zahlen, meine Freunde und Bekannte fangen an sich totzulachen, wenn man diese Zahlen nennt. Gefälschte Inflationszahlen verbunden mit niedirgen Lohnerhöhungen - deswegen verarmen immer mehr Menschen ! Unabhängige Experten schätzen die wahre Inflation auf 6-8 Prozent jährlich !!!

Skyjumper

20.07.2011, 11:46 Uhr

Das ist eben eine der Folgen davon, wenn man einer öffentlich-rechtlichen Institution die Festsetzung der Zinshöhe überlässt. Da die Kapitalkosten heutzutage einen zunehmenden Anteil an den Produktionskosten ausmachen, niedrige Kapitalkosten also ein Plus an Produktion und Produktivität bedeuten, haben Politik und Notenbanken eben ein gesteigertes Interesse daran den Preis des Geldes (Zinsen) niedriger zu halten als eigentlich angemessen.

Im Gegensatz zu früher hat der Sparer auch keine Möglichkeit mehr sich dem zu verweigern. Gibt er sein Geld für die niedrigen Sätze nicht her, drucken die Damen und Herren Banker (mit dem Segen der Politik) eben einfach zusätzliches neues Geld.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×