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28.07.2012

15:08 Uhr

Sparbuch und Tagesgeld

Beliebt, aber nicht ungefährlich

VonKerstin Leitel, Christian Panster

Sparbücher, Tages- und Festgeld galten lange als völlig veraltete Finanzprodukte. In der Krise besinnen sich die Anleger wieder auf Altes. Doch die Strategie ist gefährlich. Und viele sind sich dessen nicht bewusst.

Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch. gms

Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch.

FrankfurtDie Deutschen sind Sicherheitsfanatiker: Der Arbeitsplatz muss in erster Linie sicher sein, im Auto schnallt man sich klaglos einen Gurt um Bauch und Schulter und im Reisekoffer finden sich jede Menge Tabletten gegen Kopfschmerzen und Durchfall. Da ist es nur konsequent, dass die Deutschen auch beim Geld auf Nummer sicher gehen. Und das tun sie: Seit Jahrzehnten legen die deutschen Bundesbürger immer mehr Geld auf Sparbücher, mittlerweile lagern dort rund 600 Milliarden Euro. Das ist das Dreifache dessen, was die Deutschen in Aktien investiert haben. Noch mehr Geld steckt sogar in Sparschweinen oder liegt auf dem Sparbuch.

Doch das viele Geld bringt so manchen ins Schwitzen. Schließlich muss man sich heutzutage gut überlegen, wo man sein Geld investiert, damit es nicht weniger wird. Auf dem Sparbuch macht sich schließlich angesichts der niedrigen Zinsen schon die Inflation negativ bemerkbar.

Doch was sind die Alternativen? Aktien waren einmal das Gesprächsthema auf jeder Party, doch nachdem die Blase am Neuen Markt platzte, hat auch das Vertrauen in stetig steigende Aktienmärkte einen tiefen Knacks bekommen. Durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der als einer der Auslöser der Finanzkrise gilt, und durch die Schuldenkrise in Europa hat das Vertrauen der Privatanleger weitere Risse bekommen. Es überrascht daher nicht, dass die Zahl derer, die Aktien kaufen, kaum wächst.

Zwar heißt es immer, an Aktien komme keiner mehr vorbei, doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur rund zwölf Prozent der Deutschen über 14 Jahren sind Aktionäre. Und momentan macht der Dax nicht eben Werbung für sich. Das Aktienbarometer aus Frankfurt hat seit Jahresanfang zwar über neun Prozent zugelegt, doch die heftigen Schwankungen dürften so manchen Kleinanleger vergrault haben.

Sind Anleihen eine Alternative? Auch festverzinsliche Wertpapiere haben ihre Tücken, mussten viele Investoren vermeintlich sicherer Staatsanleihen zuletzt erleben. Und Papiere, die immer noch als fast risikolos gelten, sind mittlerweile extrem teuer. Wer sein Geld in eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit steckt, bekommt aktuell nur noch eine Rendite von 1,24 Prozent. Bei Fonds haben die letzten Jahre ebenfalls Spuren hinterlassen. Jeder dritte Anleger spare weniger als noch vor einem Jahr, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Asset Management Holding kürzlich. „Einmalanlagen werden mit Blick auf die Staatsschuldenkrise derzeit lieber ausgesetzt.“

Kommentare (51)

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28.07.2012, 16:15 Uhr

Geld ist Papier, buntbedruckt mit Symbolen, die auf naive Gemüter einwirken und bestimmte Assoziationen wecken sellen (Unterschrift->Verantwortung/Vertrauen, Gebäude/Architektur->Stabilität, Historische Größen->Vertrauen). Guthaben bei Banken sind virtuelle, elektronische, flüchtige Zustände auf zentralen Rechnern und Servern der Finanzintermediäre die einen Anspruch auf Papier reflektieren. Lebensversicherungen & Co sind ... Versprechen. Langsam begreift es jeder. Und noch NIE in der Geschichte hat eine Währung, egal welche, überlebt. Aber DIESMAL ist ja alles anders. Wir sind so viel schlauer als all die vorher, wir wissen so viel mehr, wir machen doch alles richtig - DIESMAL. Die Zeit der Stürme und Zusammenbrüche..sie ist vorbei - vor allem für uns, die wir im Nachkriegs-Sturmauge aufgewachsen sind. Ein Schwarzweißfilm aus gruseligen Tagen.

Das Gegenteil ist richtig. Globalisierung, Privatisierung, Liberalisierung, die totale Abkopplung und Enthemmung der Finanzmärkte. Was sich geändert hat ist die Gewalt und die Größenordnung in einem Finanzsystem das durch die ganze bekannte Geschichte noch NIE stabil war. Der kommende Zusammenbruch wird alles je Dagewesene bei Weitem in den Schatten stellen. Es ist halt einfach zu groß, zu unvorstellbar als dass man es sich vorzustellen könnte. Deswegen verdrängt man den Gedanken daran, es ist menschlich; ein wenig nervöse Unruhe für die etwas Gebildeteren, mehr geht nicht. Lesetipp: "DIESMAL ist alles anders" von Rogoff et Aliae. Danach ist man geheilt und man ist reif um für alles Kommende vorzusorgen. Mögen die anderen, die Schafe & Lemminge, sich weiterhin mit RTL und Fußball zuknallen...die Hälfte der Deutschen hat ja statistisch ohnehin weniger als 15.000 EUR Vermögen. Insofern...Brot und Spiele..yippie...let´s get reade to rruuuummbblllleeeeeee

Banker

28.07.2012, 16:15 Uhr

Traurig.. Die Zinsangaben sind völliger quatsch!

Mazi

28.07.2012, 16:31 Uhr

Wie ist es eigentlich mit der seinerzeitigen Garantie für Spareinlagen von Merkel und Steinbrück?

Gibt es diese überhaupt oder ist das wieder so ein Spruch wie "die Renten sind sicher".

Kritiker führten damals fort: "deshalb fangen wir jetzt an zu kürzen." Dass die Regierung dies aber mit einem verspäteten Renteneintrittsalter umsetze würde, damit hatten die Kritiker damals aber nicht gerechnet.

Wenn es eine Garantie gäbe, welche Anlagen würden denn überhaupt darunter fallen? Draghi hat ja schon damit gedroht auch die Gläubiger für die Sicherheit deren Einlagen haften zu lassen.

Letzteres ist dann so, als wolle man die Gefängnisse auf offenen Vollzug umstellen und würde die Straftäter unterschreiben lassen, dass sie nie mehr straffällig werden. So kann man auch das Problem angehen.

Ob Draghis Strategie zielführend ist, wird sich erst zeigen wenn's gescheitert ist.

Dass Herr Weidmann überhaupt noch die EZB betritt, verwundert mich total. Der Mann glaubt immer noch an Prinzipien und das in einem Gremium, dass schon lange keine mehr kennt, vielleicht auch noch nie gekannt hat.

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