Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2013

15:34 Uhr

Sparer brauchen Ausdauer

Die Eichhörnchen-Strategie

VonJens Hagen

Das Zinstief verlangt von den Sparern Ausdauer. Wie ein Eichhörnchen gilt es, einen Vorrat nach und nach anzusammeln. Ein Vergleich zeigt, welche Strategie und welche Sparpläne die höchsten Renditen bringen.

Sparschwein: Ausdauer macht sich bezahlt. dpa

Sparschwein: Ausdauer macht sich bezahlt.

Große Vermögen entstehen in kleinen Schritten. Die Reimanns brauchten mehr als 150 Jahre, um mit dem Waschmittelkonzern Reckitt Benckiser ein Vermögen von mehr als acht Milliarden Euro anzuhäufen. Die Quandts brauchten für den Aufbau ihres Milliardenimperiums 120 Jahre, fast ebenso lange wie die Kaffeedynastie Jacobs oder die Oetkers.

„Wirklich große Vermögen entstehen über Generationen, mittlere über viele Jahrzehnte und kleine in mehreren Jahren“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius Mademann und Partner, der zahlreiche wohlhabende Kunden betreut.

Was für Superreiche gilt, hat auch für Kleinanleger Bestand. Wer etwa jeden Monat tausend Euro spart, erzielt bei einem konstanten Zins von fünf Prozent nach 40 Jahren knapp 1,5 Millionen Euro. Über so lange Laufzeiten wirkt der Zinseszinseffekt, denn der Sparer müsste in diesem Beispiel „nur“ 480.000 Euro einzahlen, um gut eine Million Euro Zinsrendite zu ergattern.

Natürlich sieht die Praxis ein wenig anders aus. Kaum ein Sparer kann über so lange Zeiträume so hohe Summen anlegen. Und wer kein glückliches Händchen bei der Fondsauswahl besitzt, dürfte im aktuellen Zinstief Renditen von fünf Prozent pro Jahr bei klassischen Sparprodukten vergeblich suchen. Anbieter am unteren Ende von Zinsvergleichen wie etwa die PSD Bank Köln oder die Sparda Bank West bietet ihren Kunden selbst für Sparpläne mit einer Laufzeit von 15 Jahren nicht einmal einen Zins von einem Prozent.

„Langfristige Sparer müssen sich zwar bescheiden, sollten sich trotzdem nicht vom Zinstief vor dem Vermögensaufbau abhalten lassen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Für sicherheitsbewusste Anleger, zu denen nach einer Umfrage im Auftrag der Gothaer Asset Management mehr als 60 Prozent der Deutschen zählen, lohnen für Laufzeiten von fünf bis 20 Jahren vor allem Banksparpläne.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Sie sind flexibler und kostengünstiger als vergleichbare Produkte wie etwa Lebensversicherungen. Aktuell liegen die Renditen von einigen Bankprodukten sogar deutlich über dem Garantiezins von 1,75 Prozent. Die Deutsche Bank garantiert nach einem Vergleich der FMH-Finanzberatung Sparern bei einer Laufzeit von 15 Jahren etwa einen Zins in Höhe von 2,5 Prozent, die VTB Bank bietet ähnlich Konditionen auch (siehe Ende des Artikels).

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

marvelmaus

22.04.2013, 15:39 Uhr

Die Reimanns haben bestimmt nicht Millarden, weil sie sich von den Bank mit 1,x% Zinsen haben abzocken lassen... was für ein dummer Artikel.

Republikaner

22.04.2013, 15:43 Uhr

Bei der aktuellen Geldentwertung macht keine auch ein Eichhörnchen-Strategie keinen Sinn. Schon mal die neuen Preise für neues Obst und Gemüse in einem Supermarkt gesehen?

Account gelöscht!

22.04.2013, 15:44 Uhr

wer spart in Deutschland noch auf einem Konto ?
wer glaubt an ein großen Gewinn beim Festgeld ?
wer will hier für Kapitalertrag Steuern zahlen ?

Mensch die Menschen lassen sich nicht mehr veräppeln!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×