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11.10.2012

15:45 Uhr

Sparer-Umfrage

Wohin das Geld der Deutschen fließt

Die Deutschen gehen gerne auf Nummer sicher. Bei der Geldanlage vertrauen sie auf Immobilien, wie eine Umfrage zeigt. Außerdem haben sie eine gefährliche Vorliebe für Zins-Anlagen. Irritierend ist ihre Meinung zu Gold.

Einzelne Euromünze: Wie sicher ist das Geld? dpa

Einzelne Euromünze: Wie sicher ist das Geld?

FrankfurtFest- und Termingeld sowie Immobilien bleiben die beliebtesten Geldanlagen der Deutschen. Dies ergibt sich aus einer Umfrage der von Sparkassen und Genossenschaftsbanken unterhaltenen Deutschen WertpapierService Bank (dwpbank). Demnach wollen 29 Prozent der Befragten mehr Kapital in Fest-, Tages- oder Termingeldkonten stecken. 24 Prozent planen zusätzliche Investitionen in Immobilien.

Gleichzeitig seien Anleger nicht mehr so zurückhaltend gegenüber Aktien und Fonds wie bisher. "So wollen nur noch 32 Prozent (2011: 38 Prozent, 2010: 34 Prozent, 2009: 56 Prozent) der Privatanleger die Aktienanlage künftig weniger nutzen." Eine Reduzierung ihres Fonds-Engagement planten nur noch 29 Prozent (2011: 34 Prozent, 2010: 31 Prozent, 2009: 37 Prozent). "Der Meidereflex der Privatanleger gegenüber Aktien und Fonds ist im Zuge der freundlichen Entwicklung des Dax in 2012 kleiner geworden", sagte Karl-Martin im Brahm, Vertriebsvorstand der dwpbank. Der deutsche Leitindex hat seit Jahresbeginn rund 22 Prozent zugelegt.

Vermögensreport

Platz 20

Finnland
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 232
Veränderung zum Vorjahr: - 3,5%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 19.105*
Brutto: 43.042

Quelle: Allianz

*Das Nettovermögen ist bereinigt um die Verbindlichkeiten.

Platz 19

Portugal
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 384
Veränderung zum Vorjahr: -3,3%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 19.572
Brutto: 35.953

Platz 18

Irland
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 300
Veränderung zum Vorjahr: +0,5 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 25.461
Brutto: 66.252

Platz 17

Australien
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 2110
Veränderung zum Vorjahr: +0,5 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 37.330
Brutto: 93.359

Platz 16

Deutschland
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 4715
Veränderung zum Vorjahr: +1,2 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 38.521
Brutto: 57.384

Platz 15

Österreich
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 509
Veränderung zum Vorjahr: 0 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 40.648
Brutto: 60.509

Platz 14

Schweden
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 736
Veränderung zum Vorjahr: -2,4 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 42.104
Brutto: 77.962

Platz 13

Frankreich
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 4002
Veränderung zum Vorjahr: -0,2%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 42.643
Brutto: 63.392

Platz 12

Italien
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 3549
Veränderung zum Vorjahr: -3,1%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 42.875
Brutto: 58.380

Platz 11

Dänemark
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 632
Veränderung zum Vorjahr: +2,9%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 49.220
Brutto: 113.463

Platz 10

Israel
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 482
Veränderung zum Vorjahr: -2,2%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 51.562
Brutto: 63.695

Platz 9

Großbritannien
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 5128
Veränderung zum Vorjahr: -0,4%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 52.600
Brutto: 82.162

Platz 8

Singapur
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 435
Veränderung zum Vorjahr: +5,5%

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 58.215
Brutto: 83.911

Platz 7

Kanada
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 3281
Veränderung zum Vorjahr: -0,5 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 59.913
Brutto: 95.530

Platz 6

Taiwan
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 1646
Veränderung zum Vorjahr: +2,1 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 60.893
Brutto: 70.938

Platz 5

Niederlande
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 1832
Veränderung zum Vorjahr: +3,6 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 61.315
Brutto: 109.943

Platz 4

Belgien
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 940
Veränderung zum Vorjahr: +4,4 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 68.491
Brutto: 87.455

Platz 3

USA
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 38.693
Veränderung zum Vorjahr: +1,7 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 90.417
Brutto: 123.586

Platz 2

Japan
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 15.572
Veränderung zum Vorjahr: - 0,4 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 93.087
Brutto: 123.099

Platz 1

Schweiz
Gesamtvermögen (brutto, in Mrd.): 1654
Veränderung zum Vorjahr: +2,5 %

Pro-Kopf-Vermögen (in Euro)
Netto: 138.062
Brutto: 214.794

Das Problem mit Tages- und Festgeld: In vielen Fällen reicht die Rendite nicht aus, um die Inflationsrate auszugleichen. Die Statistikbehörden haben zuletzt für den Euro-Raum eine Inflationsrate von rund zwei Prozent gemessen. Die Zahl allein ist zwar noch nicht sonderlich furchteinflößend; die Deutschen sind - das hat die Geschichte gelehrt - ganz andere Werte gewohnt. Zu Zeiten der Weimarer Republik etwa, zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923, betrug die Inflationsrate 50 Prozent - pro Woche, wohlgemerkt.

Trotzdem entfalten auch geringere Werte langfristig eine verheerende Wirkung, weil die Kapitalmarktzinsen derzeit so niedrig sind und den Anstieg der Inflation nicht ausgleichen. Angenommen, die Inflationsraten liegen in den kommenden fünf Jahren nur leicht über den Zielvorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB), also etwa bei 2,5 Prozent, dann führt das, den Zinseszinseffekt berücksichtigt, zu einem Kaufkraftverlust von mehr als zehn Prozent. Die Notenbanker der EZB betonen zwar, dass das schwache Wachstum in der Euro-Zone die Teuerung mittelfristig dämpfen werde. Dennoch: Gerade die Deutschen fürchten sich vor einer Geldentwertung.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Inflationsraten in Zukunft höher sein werden als in den vergangenen Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. Während der Finanzkrise hatten die Währungshüter ihre Notenpressen angeworfen und die Leitzinsen radikal gesenkt, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Geld gibt es seither zu Dumpingpreisen. Und das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Mario Draghi, der neue EZB-Chef, hat jüngst betont, dass er den Euro um jeden Preis retten werde, das heißt notfalls auch mit der Notenpresse.

Den Währungshütern bleibt keine andere Wahl. Sie müssen die Märkte mit billigem Geld versorgen, um Staaten und Banken zu stützen und die Konjunktur in Europa nicht zu schwächen.

Tagesgeld-Rendite für 10.000 Euro

Platz 10

Akbank AG: 2,05 Prozent Rendite, pro Quartal 51,25 Euro Zinsen.

Platz 9

1822direkt: 2,05 Prozent Rendite, pro Quartal 51,25 Euro Zinsen.

Platz 8

NIBC Direct: 2,10 Prozent Rendite, pro Quartal 52,50 Euro Zinsen.

Platz 7

DenizBank: 2,10 Prozent Rendite, pro Quartal 52,50 Euro Zinsen.

Platz 6

CosmosDirekt: 2,12 Prozent Rendite, pro Quartal 53,85 Euro Zinsen.

Platz 5

afk bank: 2,15 Prozent Rendite, pro Quartal 53,85 Euro Zinsen.

Platz 4

Ikano Bank: 2,25 Prozent Rendite, pro Quartal 56,25 Euro Zinsen.

Platz 3

GEFA BANK: 2,25 Prozent Rendite, pro Quartal 56,25 Euro Zinsen.

Platz 2

MoneYou: 2,35 Prozent Rendite, pro Quartal 58,75 Euro Zinsen.

Platz 1

Wüstenrot: 2,44 Prozent Rendite, pro Quartal 61 Euro Zinsen.

Quelle: FMH-Vergleichsrechner

Den Umfrage-Ergebnissen zufolge sind Rohstoffe wie Öl oder Gold bei deutschen Privatanlegern kaum gefragt. Lediglich zehn beziehungsweise zwölf Prozent der befragten wollen mehr Geld in diese beiden Anlage-Klassen stecken. Im Zuge der europäischen Schuldenkrise liegen die Renditen von Bundestiteln unter der Inflationsrate und sind teilweise sogar negativ. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent schwankte seit Jahresbeginn zwischen 88 und 125 Dollar. Eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold notiert aktuell nur etwa 150 Dollar unter ihrem Rekordhoch von 1920,30 Dollar.

Die 1050 vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragten deutschen Wertpapier-Besitzer sind zudem etwas zufriedener mit ihren Bankberatern. Im Schnitt stellten sie ihnen eine Schulnote von 2,8 aus, nach 3,0 im Vorjahr. Parallel dazu nahm die Beliebtheit der Order-Abwicklung über die Filiale auf 46 Prozent von 43 Prozent im Vorjahr zu. Das Internet war dagegen nur noch für 27 Prozent (2011: 33 Prozent) der Vertriebsweg der Wahl. "In einem schwierigen, von der Eurokrise beeinflussten Umfeld kann der Bankberater gegenüber dem Internet als bevorzugter Orderweg zulegen und führt weiterhin mit weitem Abstand", sagte Brahm. "Das Comeback des Bankberaters könnte anhalten."

Von

rtr

Kommentare (3)

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pietmondrian

11.10.2012, 15:29 Uhr

"So wollen nur noch 32 Prozent (2011: 38 Prozent, 2010: 34 Prozent, 2009: 56 Prozent) der Privatanleger die Aktienanlage künftig weniger nutzen." - DAS HEISST: es läuft zu gut seit einiger Zeit. Der Optimismus ist NOCH IMMER to big for to fail soon. Warten bis der digitale Krach hörbar werden wird!

hermann.12

11.10.2012, 16:53 Uhr

Zum Krach wird es vermutlich nicht kommen, weil anders als in den 20-ziger Jahren, alle großen Gläubiger wissen, das sie in diesem Falle selbst am meisten Geld verlieren.
Deshalb stützen sie das System, in dem sie im allerletzten Moment jeweils Verluste in Kauf nehmen.

Das verursacht die Dauerkrise, die deshalb noch lange andauern kann. Der Staat selbst würde gerne hoch Inflationieren, ohne die Zinsen zu erhöhen, um sich zu entschulden, das aber bedeutet Zinsen unter der Inflationsrate und somit Vermögensverluste der privaten Anleger.
Grundsätzlich finde ich das richtig, problematisch ist diese Strategie jedoch für diejenigen, die eine ggf. zusätzliche kapitalgedeckte Altersversorgung benötigen und nicht mehr viel Zeit haben.
Hier wirkt die Demographieentwicklung nun doppelt negativ, weil die gesetzliche Rente eben kaum ausreichen wird.

H.

Mabuse

11.10.2012, 20:10 Uhr


+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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