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28.01.2010

07:00 Uhr

Starker Gebührenanstieg

Banken kassieren Kunden am Geldautomaten ab

VonJens Hagen

Neuer Ärger mit der EC-Karte: Kunden müssen beim Abheben an fremden Geldautomaten deutlich mehr bezahlen. Viele Banken haben die Gebühren klammheimlich erhöht - einige Institute verlangen mittlerweile mindestens zehn Euro pro Vorgang. Welche Banken besonders zulangen und wie Kunden den Kosten entgehen können.

Kunden, die an fremden Automaten Geld ziehen müssen mit hohen Gebühren rechnen. dpa

Kunden, die an fremden Automaten Geld ziehen müssen mit hohen Gebühren rechnen.

DÜSSELDORF. Kaum ist der Ärger über nicht funktionierende EC Karten verraucht, droht Bankkunden neuer Ärger. Wer an einem fremden Geldautomat abhebt, muss mit enormen Gebühren rechnen. Nach einer aktuellen Untersuchung der Finanzberatung FMH verlangen die Banken im Schnitt einen Mindestsatz von 5,64 Euro pro Vorgang. Innerhalb von nur sechs Monaten stiegen die Gebühren um knapp 13 Prozent.

Einige Institute verdoppelten in diesem Zeitraum sogar ihre Sätze auf mindestens zehn Euro pro Vorgang. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken langen kräftig zu. "Die Gebühren entsprechen nicht dem Aufwand und für einen Preisanstieg gibt es nicht den geringsten Grund", kritisiert Frank Pauli, Experte für Banken beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die meisten Kunden dürften von der Erhöhung überrascht werden. Im Herbst mussten alle Banken auf Weisung der EU ihre Geschäftsbedingungen ändern. Laut FMH-Studie hat ein Fünftel der knapp 200 untersuchten Banken diese Gelegenheit genutzt, um das Entgelt für Abhebungen an verbundfremden Automaten zu erhöhen. "Die neu festgelegten Gebühren stehen im Kleingedruckten des Preisaushangs und dürften den meisten Kunden entgangen sein", sagt Herbst. Nur zwei kleine Institute senkten die Gebühren moderat: Die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam und die Volksbank Mosbach.

Die größten Preistreiber sitzen im Sparkassen und Genossenschaftslager. Die Sparda Bank Hannover verdoppelte ihre Sätze auf jetzt mindestens acht Euro pro Vorgang. Die Volksbank Kaiserslautern Nordwestpfalz verlangt von Kunden, die an Commerzbank-Automaten ziehen, jetzt zehn statt früher fünf Euro. Die PSD Bank Hessen Thüringen hat die Sätze für Kunden, die Automaten von ING-Diba, SEB oder Postbank nutzen, beinahe verdreifacht. Jetzt werden mindestens zehn Euro fällig.

"Es besteht der Verdacht auf sitten- und wettbewerbswidrige Preispolitik", sagt Verbraucherschützer Pauli. "Wir prüfen, ob wir dagegen vorgehen." Dank moderner Informationstechnologie ist der Aufwand für die Abrechung zwischen den Banken minimal. "Angesichts der Tatsache, dass die Bereitstellung von Bargeld etwa 60 Cent pro Vorgang kostet, bereichern sich die Banken in erheblichem Ausmaß an den Kunden anderer Häuser", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Seiner Ansicht nach ist wegen der verwirrenden Vielfalt der Entgelte und der enormen Margen das Verbraucherministerium gefordert - "möglichst nicht nur mit einem gut gemeintem Appell an die Verantwortung der Banken", so Herbst.

Kommentare (35)

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Broncos

28.01.2010, 08:44 Uhr

Das ist doch kein Wunder.
Die banken lernen doch von unserer sogenannten Volksvertretung hier wird doch auch laufend die Steuern und Abgaben erhöht,warum nicht auch die banken.
Wir müssen uns endlich einmal geschlossen gegen diese Geier wehren.

Neandertaler

28.01.2010, 09:03 Uhr

Meiner Meinung nach müssen Kunden, die ihr Konto bei einer nur im internet präsenten Direktbank führen, mit so etwas leben. Es stört sie ja auch nicht, 5 € für eine telefonische beratung zu zahlen, wie es beispielsweise die Postbank praktiziert! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es eine Sparkasse oder Genossenschaftsbank auch deutlich mehr, als den im bericht angegebenen 60 ct pro Abhebung kostet. Diese beschäftigen nämlich noch Mitarbeiter, die diese Vorgänge bearbeiten!

Role

28.01.2010, 09:23 Uhr

Warum denn nicht?
Die Sparkassen und Genossenschaften haben die meisten Girokonten und bilden ein dichtes Netz von Automaten, die im Unterhalt sehr kostspielig sind.
Da immer mehr Kunden am liebsten alles umsonst haben wollen und dann zu kostenlosen Girokonten wechseln ist es nicht verwunderlich, dass die Sparkassen und Genossenschaften dann auch kräftig zulangen um nicht den billigen Jakob der Direktbanken zu spielen.
Die Kunden sollten den Service ihrer bank im Packet betrachten.
bei Kunden der Sparkassen und Volksbanken ist das Geldabheben innerhalb der bankengruppe in ganz Deutschland kostenlos!
Wer meint, den Zahlungsverkehr bei einer Kostenlosen bank abwickeln zu wollen und kein Geldautomat vor Ort hat, der zahlt meiner Meinung mit Recht.
"Wurst und Wecken" gibt es eben nicht umsonst - und wenn, dann schmeckt´s nicht!!!
Dies ist die meinung eines bankers, auf die im Moment kräftig draufgeschlagen wird!!!!

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