Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2015

10:00 Uhr

Stiftung Warentest

Dispozinsen teilweise „unverschämt“

VonFrank Matthias Drost

Die Stiftung Warentest hat bei fast 1500 Banken die Dispozinsen abgefragt. Den Verbraucherschützern zufolge gibt es Geheimniskrämerei und teilweise sehr hohe Zinsen. Doch es gebe auch Lichtblicke.

Trotz Niedrigzinsen bleibt der Dispo teuer

Video: Trotz Niedrigzinsen bleibt der Dispo teuer

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinViele Kreditinstitute betreiben Geheimniskrämerei, wenn es um die Höhe der Dispozinsen geht. Gut zwei Drittel von knapp 1500 Instituten machten auf E-Mail-Anfrage von Stiftung Warentest keine Angaben über die Zinsen, die anfallen, wenn man das Girokonto überzieht. Aber der Gesetzgeber wird sie im kommenden Jahr zu mehr Transparenz verpflichten.

In vielen Fällen musste Stiftung Warentest Tester losschicken, um die Höhe der Dispozinsen zu ermitteln. Das Ergebnis: Elf Banken – ausnahmslos kleinere Volks- und Raiffeisenbanken – verlangten mehr als 13 Prozent. Diesen Zinssatz halten die Verbraucherschützer für „unverschämt“. Schließlich können sich die Institute noch immer äußerst günstig bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren. Der Dispozins wird fällig, wenn Sparer ihre Konten innerhalb eines von ihrer Bank gewährten Rahmens – des Dispokredits – überziehen.

Überzogene Girokonten: Wenn der Dispo zum Desaster wird

Überzogene Girokonten

Premium Wenn der Dispo zum Desaster wird

Etwa zwei Millionen Girokonten in Deutschland sind regelmäßig überzogen. Doch wie viel Zinsen die Banken verlangen, ist ein großes Geheimnis. Der Bund will das ändern – auch weil viele Kunden in der Schuldenfalle landen.

Die deutschen Banken, genossenschaftlichen Institute und Sparkassen kritisieren in einer Stellungnahme des Dachverbands Deutsche Kreditwirtschaft den Preisvergleich. Der Dispokredit sei nur ein Bestandteil eines Girokontos und der Zins dürfe daher „nicht losgelöst von den anderen Leistungen“ betrachtet werden.

Diese Banken haben die höchsten Dispozinsen (Auswahl)

Quelle

Stiftung Warentest, August 2015

Volksbank Schupbach:

13,5 Prozent (Datenerhebung vor Ort durch Testpersonen)

Quelle: Stiftung Warentest

Volksbank Kierspe / Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost

Volksbank Kierspe (Basis Konto, Komfort Konto)
und
Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost (Direkt, Klassik):
13,9 Prozent (Datenerhebung vor Ort durch Testpersonen)

VR Bank Saarpfalz

13,9 Prozent (Datenerhebung vor Ort durch Testpersonen)

Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut

7,5 bis 16 Prozent (Datenerhebung vor Ort durch Testpersonen/abhängig von der Bonität des Kunden)

Lichtblicke sieht Stiftung Warentest allerdings auch. Die Zahl der Banken, die mehr als 13 Prozent verlangen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 24 reduziert. Und rund die Hälfte der Banken haben die zusätzlichen Überziehungszinsen abgeschafft, die fällig werden, wenn die Ausgaben auch den Dispokreditrahmen noch übersteigen.

Spitzenreiter bei den günstigen Banken ist wie im Vorjahr die Deutsche Skatbank, die für das online geführte Konto einen Dispozins von 4,49 Prozent berechnet.

Kommentare (51)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Dario Arndt

18.08.2015, 10:32 Uhr

Bei den hohen Strafzahlungen, die seitens einiger bekannter Banken regelmäßig fällig werden, ist die Dispohöhe auch angezeigt.
Ein Beschwerdebrief des Dachverbandes verstärkt nur den Verdacht der Geheimniskrämerei. Gut das Stiftung Warentest genau das richtige tut. Nachfragen!
Solange durch die Zockerei der Banken und Spekulanten mehr Geld verdient wird als mit ehrlicher Arbeit, solange haben diese Menschen auch kein Interesse an Transparenz.

Herr mostly harmless

18.08.2015, 10:47 Uhr

Ist Sittenwidrigkeit bei solchen Zinssätzen eigentlich ein Thema?

Herr Marc Ho

18.08.2015, 10:56 Uhr

Und immer wieder sind die ach so sozialen und persönlichen Volksbanken und Sparkassen die größten Dispo-Abkassierer, wie schon seit Jahrzehnten. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, diesen Banken einfach mal den Rücken zu kehren, die immer höheren Kunden/Mitgliederzahlen zeigen es. Die Menschheit will über den Tisch gezogen werden, da werden noch so viele Warentests nichts daran ändern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×