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29.10.2013

13:56 Uhr

Stockholm

Obdachlose akzeptieren Kreditkarten

Wer auf der Straße etwas spenden möchte, muss in Schweden nicht mehr nach Münzen oder Scheinen suchen. Obdachlose rechnen jetzt auch Kreditkarten-Zahlungen ab. Ihre Umsätze sollen kräftig steigen.

Spenden erwünscht: Obdachlose in Stockholm nehmen nicht nur Bargeld. dpa

Spenden erwünscht: Obdachlose in Stockholm nehmen nicht nur Bargeld.

StockholmCash is King – dieser Leitspruch für Verkäufer gilt nicht mehr für Obdachlose in Schweden. In der bargeldlosesten Gesellschaft der Welt wurden die wohnungslosen Straßenverkäufer des Kulturmagazins „Situation Stockholm“ jüngst mit Kartenlesern ausgerüstet, um Spenden ihrer Landsleute zu akzeptieren. Das ist nach Aussage ihrer Arbeitgeberin eine Weltneuheit.

„Immer mehr unserer Verkäufer kommen auf uns zu und sagen, dass die Leute kein Bargeld haben - das hören wir schon seit langem“, erklärt Pia Stolt, die Chefin des Magazins. „Das wurde frustrierend - aber jetzt haben sie das Gefühl, sie können eine Möglichkeit anbieten, die Zeitschrift zu kaufen.”

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Schweden war 1661 das erste Land in Europa, das Geldscheine eingeführt hat. Doch mittlerweile setzt die technisch versierte Bevölkerung auch angesichts des stabilen Finanzsystems immer stärker auf den digitalen Zahlungsverkehr.

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich standen im Jahr 2012 Scheine und Münzen für nur 2,7 Prozent der schwedischen Wirtschaft, verglichen mit 9,8 Prozent im Euroraum und 7,2 Prozent in den Vereinigten Staaten. Und einigen Schweden geht das noch nicht weit genug.

Kommentare (9)

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HofmannM

29.10.2013, 14:11 Uhr

Wenn eine Gesellschaft das Bargeld für die Menschen abschafft, dann schafft diese Gesellschaft gleichzeitig die Freiheit des Menschen ab.
Eine bargeldlose Gesellschaft ist eine komplett überwachte und kontrollierte Gesellschaft! ALLES wird damit dem Diktat des jeweiligen Staat/Politik/Ideologie unterworfen. Selbstbestimmtes Handeln außerhalb der Staatsüberwachung ist in so einer Gesellschaft des bargeldlosen Zahlungsverkehr nicht mehr möglcih!

Account gelöscht!

29.10.2013, 14:19 Uhr

"Eine bargeldlose Gesellschaft ist eine komplett überwachte und kontrollierte Gesellschaft!"
---
Exakt! Ich besitze nicht mal eine Kreditkarte und außer regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen (also Daueraufträge und Co.) bezahle ich grundsätzlich alles in bar. Ich habe was dagegen, zum gläsernen Bürger zu werden. Was ich wann, wo kaufe und womit ich das bezahle geht niemanden etwas an und dieser Punkt ist nicht verhandelbar!

SRI

29.10.2013, 14:26 Uhr

"Eine bargeldlose Gesellschaft"

Super Idee

Wenn der Staat pleite ist kann er in Bruchteilen einer Sekunde alle Konten Plündern

mfg
SRI

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