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13.09.2012

14:13 Uhr

Strom und Gas

So drücken Sie Ihre Energie-Rechnung

VonThomas Schmitt

ExklusivDie 100 größten Städte im Preisvergleich: Was Strom und Gas kostet, wo Energie am günstigsten ist, wie viel Geld sich mit Ökostrom und Billig-Anbietern sparen lässt - und welche Feinheiten beim Wechsel zu beachten sind.

Beim Energiekauf lässt sich viel Geld sparen.

Beim Energiekauf lässt sich viel Geld sparen.

DüsseldorfIn den nächsten Wochen ist es wieder soweit: Die Strom- und Gasrechnungen flattern ins Haus. Viele werden sich wundern, dass sie schon wieder mehr bezahlen und auch die Vorauszahlung steigt.

Von steigenden Preisen ist auch deshalb auszugehen, weil einige Strom- und Gasnetzbetreiber nun sogar vor Gericht gehen. Konkret geht es darum, höhere Renditen für ihr eingesetztes Kapital durchzusetzen. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht klagen deshalb elf Netzbetreiber gegen die Bundesnetzagentur. Diese hatte folgende Eigenkapitalzinssätze festgelegt: 9,29 Prozent vor Steuern für Neuanlagen und 7,56 Prozent für Altanlagen.

Strompreis drücken: So viel ist drin

Vergleich

Die Zahlen der Grundversorger in den 100 größten Städten werden verglichen mit den Daten alternativer Anbieter. Basis ist der Jahrespreis für einen Verbrauch von 5.000 kWh in einem Haushalt mit vier Personen. Dabei sind drei Varianten zu unterscheiden

-          Sparen mit empfehlenswerten Anbietern

-          Sparen mit Öko-Anbietern

-          Sparen maximal mit Billiganbietern, bei denen manche Verbraucherrechte eingeschränkt sind – als Gegenleistung für den günstigen Preis.

Quelle: Check24

Grundversorger

Wer nie den Anbieter oder das Stromprodukt gewechselt hat, befindet sich in der Grundversorgung. Das übernimmt oft das örtliche Stromversorgungsunternehmen zu einem vergleichsweise hohen Preis. Grundversorger ist der Stromanbieter, der in einem Netzgebiet die meisten Haushalte versorgt.

Preise der Grundversorger

Die Spanne der Tarifpreise von Grundversorgern liegt in dem Beispielfall in den 100 größten Städten zwischen knapp 1200 Euro in Lünen und fast 1500 Euro in Darmstadt.

Empfehlenswerte Alternativen

In diesem Vergleich werden Tarife mit Vorauskasse und/oder Kaution sowie Pakettarife, Erstjahresrabatte und Boni nicht mit berücksichtigt. Enthalten sind nur Tarife mit Preisgarantie sowie einer Vertragslaufzeit von maximal 12 Monaten. Diese Bedingungen sind im Sinne des Verbrauchers, der flexibel bleiben möchte. Die Folge: Die Einsparungen halten sich in Grenzen, allerdings auch das Risiko, dass der Billiganbieter aus dem Markt ausscheidet und Verbraucher ihr Geld nicht wiedersehen.

Sparen

Bei empfehlenswerten Taifen können Kunden bei einem Wechsel im Schnitt im Vergleich zur Grundversorgung 187,39 € einsparen. Im Schnitt könnte ist damit eine Ersparnis von rund 15 Prozent möglich.

Spanne

Ersparnis minimal:    56,90 €
Ersparnis maximal: 338,99 €
Die mögliche Ersparnis bei empfehlenswerten Tarifen hängt stark von der Stadt oder der Region ab.

Billiganbieter

Im Preisvergleich positioniert sich durchweg Löwenzahn Energie als günstigster Anbieter. Dies ist eine Tochter der Flexstrom. Der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter könne die Kosten abfedern, stellt die Stiftung Warentest fest. Doch oft seien die billigsten Anbieter auch die verbraucherunfreundlichsten. Zu Löwenzahn heißt es auf der Internetseite Stromanbieter-Test.de: „Die Geschäftspraktik sieht vor, den Kunden mit starken Rabatten anzuwerben und beispielsweise die Jahresabrechnung zu spät zu senden. Dadurch vergessen viele, fristgerecht zu kündigen und sind mehr oder weniger unfreiwillig das zweite, viel teurere Jahr auch noch Kunde.“

Sparen mit Billiganbietern

durchschnittliche Ersparnis zur Grundversorgung: 735,18 €
Die besten Angebote bringen zumindest im ersten Jahr im Schnitt eine Ersparnis von mehr als 50 Prozent.

Spanne
Ersparnis minimal: 564,03 €
Ersparnis maximal: 888,07 €
Das Sparpotential ist von Stadt zu Stadt und Region zu Region unterschiedlich.

Öko-Anbieter

In den Vergleich nahm Check24 nur hochwertige Ökostromangebote auf, die entsprechend positiv bewertet worden sind. Das sind Tarife mit OK Power Label, grüner Strom Label oder vergleichbare Tarife.

Sparen mit Öko-Anbietern

die durchschnittliche Ersparnis zur Grundversorgung: 152,17 €
Damit erreichen Kunden einen Doppeleffekt: Sie kaufen mit gutem Gewissen Strom und sparen auch noch im Schnitt mehr als zehn Prozent.

Spanne
Ersparnis minimal: 23,42 €
Ersparnis maximal: 279,67 €

Die Netzbetreiber halten die Renditen für zu gering und fordern nach Angaben des Gerichts Eigenkapitalzinssätze von mehr als 11 Prozent vor Steuern. Für die Verbraucher würde dies wohl höhere Preise bedeuten, berichtet die Agentur dapd. Denn die Kapitalkosten fließen über die Netzentgelte in den Strompreis ein und werden letztlich vom Stromkunden bezahlt. Insgesamt machen die Netzentgelte schon heute rund 23 Prozent des Gas- und Strompreises von Haushaltskunden aus.

Verbraucherschützer glauben dagegen: Energie könnte ein ganzes Stück günstiger sein. Denn die Stromversorger zum Beispiel hätten gesunkene Einkaufspreise nicht an die Kunden weiter gegeben. Damit fielen aktuell die Stromrechnungen um drei Milliarden Euro für die privaten Haushalte zu hoch aus, stellt der Bund der Energieverbraucher fest. Die Realität sieht anders aus: Auch 2012 sind die Strompreise gestiegen, für 2013 sind weitere Preissteigerungen angekündigt.

Das merken vor allem Mieter: Die Teuerung sei nicht durch die Immobilienpreise getrieben, sondern durch die rasant steigenden Energiekosten, stellt Zeit Online fest. Lasse man die regionalen Unterschiede außen vor, werde schnell deutlich, dass die deutschen Wohnungsmieten in den vergangenen Jahren eher moderat gestiegen seien. Die Kaltmieten hätten sich sogar nur unterdurchschnittlich entwickelt, zeige die amtliche Statistik. Gleiches gelte für die Nebenkosten, die nichts mit der Energieversorgung zu tun hätten, beispielsweise die Gebühren für die Müllabfuhr.

Im Stadtrat von Hanau berichtete die SPD beispielsweise, dass seit 2000 die Kosten eines mittleren Hanauer Haushaltes für Strom um 60 Prozent, für Gas sogar um 100 Prozent gestiegen seien. Die Nettoeinkommen seien dagegen nur um 25 Prozent gewachsen. Immer mehr Familien werde sogar der Strom abgestellt.

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Die Beispiele zeigen: Auf freiwillige Preissenkungen der Versorger zu warten, dürfte wenig bringen. Erfolgversprechender dürfte sein, die bereits vorhandenen Preisunterschiede zu nutzen. Verbraucher können die Konkurrenz der Anbieter anheizen, indem sie wechseln. Das tun immer noch sehr wenige, obwohl der Energiemarkt bereits seit 1998 liberalisiert ist.

Wo und wie Verbraucher am besten ihre Strom- und Gasrechnung drücken können, zeigt ein Preisvergleich der 100 größten Städte.

Kommentare (15)

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MartinH

13.09.2012, 13:32 Uhr

Am meisten "spart" man immer noch durch einen geringen Verbrauch. Wenn ich lese das eine 4 Köpfige Familie 5000 kwh verbraucht, läuft wohl in deren Haushalt was ordentlich schief. Ich wohne in einer 3er WG wir haben einen Jahresverbrauch von gerade mal 1500 KwH und selbst bei uns besteht noch einsparpotenzial.

HofmannM

13.09.2012, 13:46 Uhr

Schafft das EEG ab und macht eine Kehrtwende von der Energiewende. Kohle,Uran und Gas statt Wind,Sonne und Biogas!
Die Ökobranche ist eine verdammt teure Abzockerbranche!

Account gelöscht!

13.09.2012, 14:39 Uhr

@HofmannM

LoL, immer wieder lustig diese Märchen: die größten Gewinne werden mit Kohle u. Atom gemacht. Die Einsparungen bei den abgeschriebenen AKW`s wurde natürlich nie an den Verbraucher weitergegeben.
Dazu weit über 100 Mrd Euro Kosten für die Einrichtung des Atomstroms.

Die Kosten für Müllentsorgung, Renaturierung und Ausgleich von Förderungsschäden darf der Steuerzahler stemmen.

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