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19.09.2012

11:47 Uhr

Studie der Swiss Re

Lebensversicherungen sind zu teuer

Der Schweizer Versicherer Swiss Re sieht eine hohe Vorsorgelücke bei den Verbrauchern in Europa. Lebensversicherungsprodukte müssten daher attraktiver, verständlicher und preiswerter werden.

Das Hauptquartier der Swiss Re in Zürich. ap

Das Hauptquartier der Swiss Re in Zürich.

DüsseldorfLebensversicherungen verlieren europaweit an Attraktivität. Der wichtigste Grund für deren mangelnde Verbreitung sei: Viele Verbraucher sähen diese Produkte für die Altersvorsorge als zu teuer an.

Zu diesem Ergebnis kommt der Schweizer Versicherer Swiss Re in der Studie European Insurance Report 2012. Der Bericht enthält die Ergebnisse einer Umfrage, die Swiss Re in vierzehn europäischen Ländern bei 15.000 Konsumenten durchführen ließ.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Weitere wichtige Erkenntnisse der Umfrage seien: Die Versicherungswirtschaft sollte bedarfsgerechte Produkte entwickeln und dabei die Preissensitivität der Kunden berücksichtigen, erklärt der Versicherer in einer Pressemitteilung. Wichtig sei zudem, dass Assekuranz und Staat zum Nutzen der Verbraucher für Aufklärung sorgen sollten.

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In Europa betrage die Unterdeckung der Verbraucher über 10.000 Milliarden Euro, stellt der Versicherer fest. Für vierzehn kontinentaleuropäische Länder ergebe diese Analyse allein beim Todesfallschutz einen zusätzlichen Bedarf von über 10.000 Milliarden €. Die Lücke sei die Differenz zwischen dem Geldbetrag, den Angehörige im Fall des vorzeitigen Ablebens des Hauptverdieners benötigten und der tatsächlichen finanziellen Vorsorge für dieses Ereignis.

Die Finanzkrise und damit verbundene Sparprogramme hätten das Vertrauen in staatliche Sozialleistungen deutlich reduziert. Die Konsumenten haben zwar erkannt, dass private Vorsorge nötig sei. Sie zögerten jedoch, Versicherungsprodukte zu kaufen.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Kommentare (7)

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icke

19.09.2012, 12:46 Uhr

Lebensversicherungen haben auch jetzt eine attraktive Verzinsung, sind einfach zu verstehen und haben sich über Jahrzehnte bewährt. Natürlich gibt es immer wieder selbsternannte Investmentmanager, die behaupten, Aktien/Gold/Fonds seien wesentlich besser. Das ist aber mit den Haustieren meiner Kinder vergleichbar. Erst ganz heiß drauf und später will sich keiner mehr darum kümmern. Bei einer LV kaufe ich mir das Anlagemanagement mit ein und kann mich entspannt zurücklehnen, denn auch bei einer Niedrigzinsphase und habe ich eine positive Rendite und weiß, dass zum Ablauf mein Geld vorhanden ist. In jedes Depot gehört also eine LV.

Pinin

19.09.2012, 12:57 Uhr

Die Lebensversicherung ist eine Versicherung für die Lebensversicherung - und ihre rührigen Versicherungsvermittler.

SchwarzMaler

19.09.2012, 13:41 Uhr

am besten kaufst du gleich 2, damit ich mir keine holen muss.
somit ist der DurchSchnitt gewahrt.

epic Fail!

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