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19.07.2012

15:49 Uhr

Studie des Bundes

Der große Zins-Klau bei Dispokrediten

VonJens Hagen

ExklusivEine Studie der Bundesregierung zeigt: Die Dispozinsen sind viel zu hoch. Das ist nicht das einzige Problem. Nach einer Untersuchung für Handelsblatt Online trödeln Banken bei den Zinssenkungen. Was Kunden tun können.

Video

Politik macht gegen Dispozinsen mobil

Video: Dispozinsen bei deutschen Banken viel zu hoch

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Wie passen das historische Zinstief und zweistellige Dispozinsen zusammen? Gar nicht, finden offenbar Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucher. „Wollen die Banken den Kredit bei ihren Kunden nicht verspielen, müssen sie runter von überhöhten Dispozinsen“, sagte Aigner. Die Institute müssten Vorteile aus günstigen Zinsen bei der eigenen Geldbeschaffung weitergeben.  

Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung kommt zu dem Schluss, dass „die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen“. Die Gewinne würden zur Quersubventionierung anderer Leistungen eingesetzt – oder als Gewinn verbucht ermittelte das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung und das Institut für Finanzdienstleistungen. Ein Zins von höchstens zehn Prozent würde reichen, um profitabel arbeiten zu können.

Welche Banken ihre Dispozinsen senken

Ruhige Hand

Im Vergleich zu Tages- oder Festgeld passen die Banken ihre Sätze weniger schnell an. Zwei Wochen nachdem die Europäische Zentralbank ihren Leitzins gesenkt hat, haben erst acht von 63 untersuchten Instituten ihre Dispozinsen gesenkt. Die Folge: Die Zinsen bleiben mit durchschnittlich 10,95 Prozent auf hohem Niveau. Für die geduldete Überziehung werden trotz historischem Zinstief im Schnitt knapp 15 Prozent fällig.

Diese Banken senken weniger als die EZB-Vorgabe

Die BW Bank reduziert ihren Zins für das Giro-Konto nur um 0,13 Prozent. Kunden zahlen für den Dispo stolze 11,77% und für geduldete Überziehungen 16,77 Prozent. Banken, die nicht ausdrücklich den EZB-Leitzins als Referenzzions angegeben haben, müssen nicht eins zu eins anpassen.

Banken, die die Vorgabe umsetzen

Schnell und korrekt senken die Deutsche Bank (Dispo:12,50%, geduldete Überziehung 16,50%), Norisbank (11,75% und 15,75%), CortalConsors (9,00% und 13,70%), Comdirect (9,65% und 14,15%, Berliner Bank (12,50% und 16,50%), sowie die besonders günstige Deutsche Skatbank (5,25% und 9,75%) ihre Zinsen. Bei den genannten Instituten sind die Sätze in den vergangenen zwei Wochen um 0,25 Prozentpunkte gesunken.

Banken, die besser als die Vorgabe sind

Die PSD Berlin Brandenburg senkt ihre Sätze um 0,27 Prozent (Dispo: 7,5 % und geduldete Überziehung 10,50%). Besonders kräftig reduzierte die PSD Bank Kiel. Die Genossenschaftsbank senkte um 0,77 Prozentpunkte. Jetzt kostet der Dispo 8,18% und die geduldete Überziehung 12,18%.

Eine Untersuchung der FMH-Finanzberatung unter 64 Banken zeigt: Im Schnitt verlangen die Institute 10,95 Prozent. Die Spannen liegen zwischen 5,25 und 13,63 Prozent. „Allein vom Marktgeschehen sind solche Spannen nicht zu erklären“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Fünf Institute, darunter die Commerzbank, Targobank, Berliner Sparkasse, Berliner Volksbank, sowie die Sparkassen Hannover, Langen-Seligenstadt nehmen bei einzelnen Konten mehr als 13 Prozent.

Die in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen Spitzenverbände halten die Konditionen dagegen für marktgerecht und weisen auf die wegen wegen der Flexibilität höheren Kosten sowie den im Vergleich zu anderen Krediten höheren Ausfallraten hin. "Diese Gewinnmaximierung zu Lasten von Verbrauchern muss ein Ende haben“, fordert dagegen Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das gelingt nur mit einer gesetzlichen Deckelung des Zinssatzes.“ Gesetzliche Vorgaben lehnen sowohl Bundesministerin Aigner wie auch die Banken ab.

Günstige Dispozinsen
Die günstigsten Anbieter auf einen Blick. Die deutsche Skatbank senkte ihren Satz nach Vorgabe der EZB um um 0,25 Prozentpunkte. 
InstitutKontoDispozins in %Zins für die geduldete Überziehung in %
Deutsche SkatbankTrumpfKonto5,259,75
DABDAB Girokonto6,9511,95
PSD Bank Westfalen-Lippe GiroDirekt Premium7,5011,50
PSD Bank Berlin-BrandenburgGiroDirekt7,5011,50
DKB Deutsche KreditbankDKB-Cash7,9012,00
Teuerste Anbieter 13,6318,75
Quelle: FMH-Finanzberatung. Stand: 19. Juli 2012.

Nicht nur die absolute Höhe der Sätze ist aktuell ein Problem. Die Banken setzen die Vorgaben bei Zinssenkungen nur mit großen Verspätungen um. Vor zwei Wochen senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf aktuell 0,75 Prozent. Banken müssen ihre Konditionen an einem Referenzzins anpassen. Laut FMH orientiert sich ein gut 70 Prozent der Institute an dem seit Wochen fallenden Euribor. Ein Drittel nimmt den Leitzins als Referenz. „Erfreulich wäre es gewesen, wenn Banken bereits Ende letzter Woche die Senkung weiter gegeben hätten“, sagt Herbst.

Nach seiner Analyse für Handelsblatt Online haben in den beiden Wochen seit der Leitzinssenkung aber nur 7 von 63 Banken ihre Zinsen gesenkt. Nur zwei Institute reduzierten ihre Sätze um mehr als 0,25 Prozentpunkte - und das obwohl beide Banken bereits im Marktvergleich sehr günstige Konditionen bieten.

Kommentare (31)

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MrX

19.07.2012, 15:21 Uhr

Bankenhetze sind seit 4 Jahren das Lieblingsthema Nr 1 bei der Presse.
Mittlerweile Traurig.

...

19.07.2012, 15:41 Uhr

Au weia! Die Banken verdienen Geld an einer Kreditausreichung und machen das nicht nur streng kostendeckend!
Ganz im Gegensatz zu Frau Aigner: DIE lässt sich nämlich exakt soviel Geld für ihre Ministertätigkeit auszahlen, wie sie zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten benötigt und keinen Cent mehr.

Account gelöscht!

19.07.2012, 15:45 Uhr

Klasse Bericht! xD

>>> Was wird´s hier wieder Kontroversen von manchen Forenfüchsen geben...

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