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12.06.2013

20:03 Uhr

Studienkredite

US-Studenten haben eine Billion Dollar Schulden

Ein Studium kostet Geld. Wer keines hat, leiht sich welches. In den USA geraten deswegen viele Studenten in die Schuldenfalle. Betroffene sind verärgert, weil die Verbindlichkeiten ihrer Selbstentfaltung im Weg stehen.

Wenn die Dollars für das Studium fehlen, müssen sie geliehen werden. Viele US-Studenten stehen deswegen bis zum Hals in Schulden. Reuters

Wenn die Dollars für das Studium fehlen, müssen sie geliehen werden. Viele US-Studenten stehen deswegen bis zum Hals in Schulden.

New YorkSteve Sherick würde gerne seine private Notfallversorgung weiter ausbauen, die bereits sieben Ärzte und zwei Teilzeit-Verwaltungs-Kräfte beschäftigt. Dies wird allerdings dadurch erschwert, dass er und seine Frau noch ihre Studienkredite im Volumen von 300.000 Dollar abzahlen müssen.

“Der ganze unternehmerische Geist wird zunichte gemacht, wenn man vier Schritte hinter der Startlinie starten muss”, formuliert es der 36-jährige, der erst vor zwei Jahren seine Firma gründete. Er würde gerne eine Vollzeit-Verwaltungskraft einstellen und bessere Löhne zahlen, um gute Ärzte davon zu überzeugen, für ihn zu arbeiten: “Aber die Studienschulden erhöhen das Risiko für einen Unternehmer wie mich, und es ist schwieriger, das neue Geschäft auszubauen, Kredite zu erhalten und Stellen zu schaffen.”

Ex-Studenten haben in den USA eine Schuldenlast von insgesamt einer Billion Dollar angesammelt und werden dadurch daran gehindert, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Während die Selbständigkeit bei über 65-Jährigen im Zeitraum von 2005 bis 2010 um 24 Prozent stieg, ging es gleichzeitig bei den unter 26-jährigen um 19 Prozent abwärts, geht aus Daten der Small Business Administration hervor.

Die Multimilliarden-Einschnitte im US-Haushalt

Warum drohen die Kürzungen jetzt?

Die Sparbombe geht auf einen früheren Haushaltskompromiss vom Sommer 2011 zurück, als der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Die Einschnitte waren eigentlich als Drohkulisse gedacht, damit sich Republikaner und Demokraten auf einen Plan zum Abbau des Defizits verständigen. Zu einer Einigung kam es aber nie.

Ursprünglich sollten die automatischen Kürzungen bereits zum 1. Januar in Kraft treten, zeitgleich mit dem Ende von Steuererleichterungen für fast alle US-Haushalte. Der Kongress wendete diese sogenannte Fiskalklippe aber nach erbitterten Verhandlungen ab: Steuererhöhungen gab es nur für Reiche, die Frist für die drakonischen Einschnitte wurde um zwei Monate verschoben.

Welches Ausmaß haben die Einschnitte?

Insgesamt legt das Haushaltskontrollgesetz von 2011 Kürzungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar (910 Milliarden Euro) im kommenden Jahrzehnt fest. Alleine im Haushaltsjahr 2013, das Ende September endet, müsste der Staat 85 Milliarden Dollar einsparen. Besonders hart trifft der Sparhammer mit etwa 46 Milliarden Dollar das Militärbudget. Das Pentagon warnte, dass die Einschnitte die nationale Sicherheit des Landes aufs Spiel setzen würden.

Sollten die Einsparungen voll in Kraft treten, würde die US-Konjunktur Schaden nehmen. Das überparteiliche Haushaltsbüro des Kongresses schätzt, dass das Wirtschaftswachstum in den USA durch die Kürzungen in diesem Jahr um 0,6 Prozentpunkte geringer ausfallen könnte. Außerdem dürften etwa 750.000 Jobs verloren. Die Ratingagentur Fitch erklärte, dass die Untätigkeit der Politik angesichts der massiven Einschnitte das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der USA weiter untergraben werde.

Wie würden sich die Einsparungen im Alltag bemerkbar machen?

Alleine 800.000 Zivilangestellte des Verteidigungsministeriums würden in den Zwangsurlaub geschickt und müssten Gehaltseinbußen hinnehmen. Tausende Lehrer könnten wegen geringerer Bildungsausgaben ihren Job verlieren, außerdem müssten 70.000 Kinder im Vorschulalter ein staatliches Förderprogramm verlassen. Viele der knapp 400 Nationalparks müssten vorübergehend schließen.

Im Flugverkehr drohen erhebliche Verzögerungen, weil Sicherheitspersonal und Fluglotsen fehlen würden. Auch an den Grenzen der USA wären weniger Beamte im Einsatz, im Justizwesen dürften sich die Verfahren stauen. Staatliche Hilfen für Langzeitarbeitslose würden heruntergefahren.

Gibt es einen Ausweg?

Auch wenn beide Lager im Kongress derzeit knallhart auf ihren Positionen verharren: Die Sparbombe zündet nicht am 1. März über Nacht, sondern die Wirkung würde sich über die kommenden Monate entfalten. Daher bleibt noch Zeit, die Frist für die Kürzungen erneut zu verschieben oder sich sogar auf einen umfassenden Haushaltskompromiss zu einigen.

Möglich wäre etwa eine Doppellösung mit einer weiteren Haushaltshürde: Der Kongress muss bis spätestens zum 27. März eine neue Übergangsregelung („continuing resolution“) verabschieden, um die laufende Staatsfinanzierung im Haushaltsjahr 2013 zu gewährleisten. Im Zuge dieser Verhandlungen könnten Demokraten und Republikaner versuchen, die die Kürzungen mit einem für beide Seiten gesichtswahrenden Deal zu entschärfen.

Der Anteil der 25-jährigen mit Studienschulden kletterte im letzten Jahr auf 43 Prozent, verglichen mit 25 Prozent im Jahre 2003. Das mittlere Kreditvolumen wuchs gleichzeitig um 91 Prozent von 10.649 Dollar auf 20.326 Dollar, belegen Analysen der Federal Reserve Bank of New York. Das Volumen der Studienkredite hat mittlerweile sogar die Kreditkartenschulden in den USA überstiegen. Studienabgänger werden dadurch gehindert, Immobilien und Autos zu kaufen, warnte die Fed- Regionalbank.

“Für viele junge Unternehmer ist es notwendig, Kapital einzusetzen, um Ideen zu entwickeln, Produkte zu vermarkten und Mitarbeiter anzustellen”, geht aus einem Bericht des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) vom 8. Mai hervor. “Die Belastung durch die Studienkredite macht es erforderlich, dass diese Individuen Barmittel von ihren Unternehmen ableiten, um damit ihren monatlichen Kreditverpflichtungen nachzukommen.”

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.06.2013, 21:59 Uhr

Irre! Wer studiert macht sich zum Sklaven!

Account gelöscht!

13.06.2013, 06:26 Uhr

Studierende Kinder kosten hier auch viel Geld!
Jobgarantie nach dem Studium? Unsicher!
Deutsche Eltern klemmen eben den Hintern zusammen für ihre Kinder, um ihnen das Studium zu ermöglichen.
Amerikaner nehmen Kredite auf und klagen dann, daß sie diese zurückzahlen sollen!
Wer studiert, der geht ins Studium rein auch mit der Absicht, daß sich das Studium finanziell auszahlen wird.
Nun ja - das ist ja auch so .... wenn das Kind Medizin studiert! (und sich das nach etlichen Jahren auszahlt!).
Mann/Frau sollte heutzutage nicht mehr das studieren, wozu Interessen besteht, sondern sich ein Studienfach auswählen, das einen guten Job verheißt!
Übrigens: Haben sich die US Amerikaner jemals schlaflose Nächte gemacht wegen Schulden?
Habe lange genug "drüben" gearbeitet und gesehen und mitbekommen von den Kollegen, daß die auch immer weiter einkaufen und konsumieren auf Kreditkarte trotz immenser Schulden!
Sparen ist für die Allermeisten ein Fremdwort, und das Sich Einschränken ebenso.

Account gelöscht!

13.06.2013, 07:48 Uhr

dort studiert ja auch jeder depp, wenn man die zahl durch die studenten teilt, wird die zahl pro Kopf schon wesentlich humaner.

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