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22.02.2012

09:26 Uhr

Systemwechsel

Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

VonThomas Schmitt

Die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt viele Menschen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Rückkehr ist zwar nicht leicht. Unter bestimmten Bedingungen gibt es aber einen Weg.

Krankenversichertenkarten von gesetzlichen Krankenversicherungen. dapd

Krankenversichertenkarten von gesetzlichen Krankenversicherungen.

DüsseldorfDie gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gewinnt vor allem für ältere Privatpatienten wieder an Attraktivität. Die beiden größten Krankenkassen Barmer GEK und Techniker (TK) stellen das aufgrund der jüngsten Wechselzahlen fest. Die TK etwa verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von fast zwölf Prozent. Auch im AOK-System häufen sich die Anfragen von Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV).

Vor allem die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt die Menschen zurück. „Wir müssen aber viele enttäuschen, weil sie keine rechtliche Möglichkeit haben zu wechseln“, sagte der Sprecher des AOK-Bundesverbandes, Udo Barske, dem Handelsblatt. „Dies zeigt: Die Zeit der PKV als Vollversicherung geht zu Ende.“ 

Der PKV schaden extreme Beitragserhöhungen einzelner Krankenversicherer wie der Generali-Tochter Central. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nahm die privaten Anbieter deshalb in die Pflicht. „Sie schöpfen noch längst nicht alle Möglichkeiten aus, den Versicherten günstigere Tarife anzubieten“, sagte Bahr der „Neuen Westfälischen Zeitung“. Es müsse vermieden werden, Anreize zu schaffen, das Kassensystem zu unterwandern und zur gesetzlichen Kasse zu wechseln. 

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Der Weg zurück in die GKV ist steinig. Der Gesetzgeber hat viele Hindernisse aufgebaut, um Rosinenpickerei zwischen den Systemen zu unterbinden. So ist es zum Beispiel nicht gewollt, dass die Menschen in jungen Jahren von den niedrigeren PKV-Prämien profitieren und im Alter dann von niedrigeren GKV-Prämien. Dennoch ist der Weg zurück nicht für alle verbaut.

Wer wechseln möchte, dem empfiehlt der Versicherungsmakler Sven Hennig, sich an einen Anwalt oder einen Rentenberater zu wenden. Er sieht es nicht als Aufgabe der Krankenkasse an, PKV-Kunden zu beraten. Viele Krankenkassen tun dies dennoch. Es gebe verschiedene Konstellationen, in denen ein Wechsel möglich sei, erläutert eine TK-Sprecherin. Solche Beratungen seien inzwischen Routine. Die Basis dafür seien die Regeln im Sozialgesetzbuch.

Fallstudie: So gelingt die Rückkehr in die Krankenkasse

Fallstudie

So gelingt die Rückkehr in die Krankenkasse

Wer von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zurück will, braucht Geschick und Glück. Wechselwillige müssen sich auf die Regeln des Sozialrecht einstellen. Doch hier lauern viele Fallen.

Die Paragraphen sind jedoch so unverständlich, dass nur Eingeweihte sie verstehen. Wechselwillige finden jedoch im Internet genügend verständliche Hinweise, unter welchen Voraussetzungen ein Wechsel möglich ist. Verschiedene Seiten informieren darüber, mitunter raten sie dann jedoch dennoch davon ab und empfehlen, lieber in der PKV zu bleiben.

Pro & Contra Gesetzliche Krankenversicherung

Pro: Verteilte Risiken

Solidargemeinschaft von Alten und Jungen, Gesunden und Kranken – die Risiken werden ständig gemischt.

Quelle: wiwo.de

Mitversichert

Kinder und nicht berufstätige Ehegatten sind kostenlos mitversichert

Leistung inbegriffen

Viele Leistungen für Kinder sind bei der GKV vorgeschrieben, die die PKV nicht ohne höhere Beiträge bietet.

Einfache Abrechnung

Pharmafirmen, Ärzte oder Kliniken bekommen feste Kostensätze erstattet – die Leistungserbringer können nicht pokern wie in der PKV und mehrfache Sätze abrechnen.

Moderate Steigerungen

Von politischen Kostensenkungsmaßnahmen oder Kosten-Nutzen-Analysen profitieren die Versicherten, weil so die Beitragssteigerungen moderater ausfallen

Contra: Politik bestimmt

Den Leistungskatalog bestimmt die Politik – das heißt: nichts ist sicher

Festgelegte Beiträge

Die monatlichen Beiträge werden von der Politik festgelegt – Kassen, die gut wirtschaften, können keine niedrigeren Beiträge anbieten

Keine Ideen

Die Politik bremst Kassen aus, die neue Ideen z.B,. bei Kooperationen oder im Krankheitsmanangement realisieren wollen.

Keine Reserve

Die GKV legt keine Altersreserven an, das Geld wird ausgegeben, wie es reinkommt

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

09.01.2012, 15:59 Uhr

Nachdem sich diese Personen aus der Solidargemeinschaft (etwas anderes ist eine gesetzliche Krankenkasse nicht) verabschiedet haben finde ich es eine Zumutung sie dort wieder aufzunehmen.
Das man mit diesen Beiträgen bei x-facher Bezahlung des Arztes nicht dauerhaft wirtschaften kann, muss jedem klar sein. Im Alter erfolgt dann der Ausgleich dieser eingesparten Beiträge - zurecht. Die ständig steigenden Gewinnerwartungen der Privaten Krankenversicherer sind auch noch zu befriedigen.

Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung müßte 100%ig ausgeschlossen werden.

Account gelöscht!

09.01.2012, 16:09 Uhr

Wo ist die Solidargemeinschaft.

Meine Frau ist FREIWILLIG gessetzlich versichert. Während der Kinderzeit mußte sie die vollen Beiträge weiterhin bezahlen und konnte nicht von der Solidargemeinschaft profitieren - obwohl dieses bei Vertragsbeginn zugesagt wurde.

Thomas-Melber-Stuttgart

09.01.2012, 16:20 Uhr

Das Grundübel der GKV ist, daß Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert sind. Der Alleinstehende ist da gekniffen. Ich perönlich sehe nicht ein, daß mit meinen Beiträgen Großfamilien mit nur einem Erwerbstätigen mit finanziert werden. Der Beitrag in der GKV könnte sonst bei ca. EUR 150,00 je Versicherten / Monat liegen, so die ehemalige Vorsitzende der BARMER.

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