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21.05.2012

11:22 Uhr

Systemwechsel

Wie Privatpatienten in die Krankenkasse schlüpfen

VonThomas Schmitt

Viele PKV-Kunden wollen zurück in das gesetzliche System. Denn insbesondere im Alter zahlen sie da oft weniger. Ein Systemwechsel ist jedoch nicht leicht. Die Politik hat zwischen den Systemen einige Hürden aufgebaut.

Je älter ein Versicherter ist, desto schwieriger wird der Ausstieg aus der PKV. dpa

Je älter ein Versicherter ist, desto schwieriger wird der Ausstieg aus der PKV.

DüsseldorfWer einmal in die private Krankenversicherung gewechselt ist, bindet sich eigentlich fürs Leben. Die Politik hat kaum Lücken gelassen, in das System der gesetzlichen Kassen zurückzukehren. Gerade für Versicherte, deren Beiträge stark gestiegen sind, ein Problem. Einfache Lösungen gibt es zwar nicht - ganz versperrt ist der Weg zurück ins Solidarsystem allerdings auch nicht.

Vor allem die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt die Menschen um. „Wir müssen aber viele enttäuschen, weil sie keine rechtlichen Möglichkeiten haben zu wechseln“, sagte ein Sprecher des AOK-Bundesverbands. „Dies zeigt: Die Zeit der PKV als Vollversicherung geht zu Ende.“

Der Weg zurück in die GKV ist steinig. Der Gesetzgeber hat viele Hindernisse aufgebaut, um Rosinenpickerei zwischen den Systemen zu unterbinden. So ist es nicht gewollt, dass Menschen in jungen Jahren von den niedrigeren PKV-Prämien profitieren und im Alter dann von niedrigeren GKV-Prämien.

Wer wechseln möchte, sollte sich an einen Anwalt oder Rentenberater wenden, empfiehlt der Versicherungsmakler Sven Hennig. Er sieht es nicht als Aufgabe der Krankenkasse an, PKV-Kunden zu beraten. Viele Kassen tun dies dennoch.

Die Paragraphen des Sozialgesetzbuches sind jedoch so unverständlich, dass nur Eingeweihte sie verstehen. Grundsätzlich gilt: Je älter ein Patient, desto schwieriger wird der Weg zurück. Der Wechsel hängt maßgeblich von den Lebensumständen ab, etwa Berufsstatus, Einkommen und Alter. Der Gesetzgeber hat Bedingungen formuliert, um schnelle Wechsel zu verhindern.

Für Angestellte:

Das Einkommen muss für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. 2012 liegt diese Einkommensgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 50.850 Euro. Ein gut verdienender Angestellter könnte sein Einkommen also unter diese Grenze drücken, wenn er Teilzeit arbeitet. Dann könnte er zurück in die Krankenkasse. Solange er arbeitet, zahlt er zwar vermutlich den Höchstbeitrag. Doch wenn er Rentner ist, würde sein Kassenbeitrag sinken.

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Doch nicht jeder kann zurück. Manche haben sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen, um in der PKV zu bleiben. Das kann man tun, wenn das eigene Einkommen unter die jeweils geltende Einkommensgrenze fällt. Eigentlich müsste man dann in die GKV. Viele unterschätzen jedoch die Folge einer solchen Ausnahmegenehmigung.

Für Selbstständige:

Wer freiberuflich oder selbstständig arbeitet und privat versichert ist, kann sich fest anstellen lassen und dann in die GKV wechseln. Sein Gehalt müsste aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Eine weitere Möglichkeit: die Selbstständigkeit aufgeben und der Familienversicherung des Partners beitreten.

Systemwechsel: Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

Systemwechsel

Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

Die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt viele Menschen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Rückkehr ist zwar nicht leicht. Unter bestimmten Bedingungen gibt es aber einen Weg.

Für Berufsanfänger:

Studenten, die während ihrer Hochschulausbildung privat versichert waren, können beim Eintritt ins Berufsleben in die GKV wechseln. Der Weg zurück ist grundsätzlich möglich - auch, wenn das Gehalt im ersten Berufsjahr über der Versicherungspflichtgrenze liegt.

Für über 55-Jährige:

Eine wichtige Grenze in den Regeln ist das Alter. Eine Rückkehr in die GKV ist für Angestellte und Selbstständige nur möglich, wenn sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Wer älter ist, hat nur noch unter speziellen Voraussetzungen eine Chance. Berater halten es etwa für möglich, den Umweg über die Niederlande zu wählen. Dafür müsste der Versicherte jedoch eine Weile in dem Nachbarland angemeldet sein, was nicht für jeden praktikabel ist. Um sicherzugehen, dass dies funktioniert, empfiehlt sich die fachkundige Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsberater. Diese Berufsgruppe arbeitet auf Honorarbasis. Wichtig ist, dass der Berater die Regeln des Sozialgesetzbuchs gut kennt.

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Bedingungen des Gesetzgebers

Ob es älteren Semestern gelingt, zurück in das gesetzliche System zu kommen, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab, unter anderem Berufsstatus, Einkommen und Alter. Der Gesetzgeber hat etliche Bedingungen formuliert, um generelle und schnelle Wechsel zu verhindern.

Angestellte

Das Einkommen muss für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. 2015 liegt diese Einkommensgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 54.900 Euro. Ein gutverdienender Angestellter könnte sein Einkommen zum Beispiel dadurch unter diese Grenze drücken, wenn er nicht mehr voll arbeitet, sondern nur noch einen Teilzeitvertrag hat.

Falle für Angestellte

Arbeitnehmer, die sich auf Antrag in der Vergangenheit von der Versicherungspflicht befreien ließen, können den Weg über einen Teilzeitvertrag nicht gehen. Die Befreiung von der Versicherungspflicht wird auf Antrag ausgesprochen, wenn das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze gesunken ist und der Arbeitnehmer aber privat versichert bleiben möchte. 

Selbstständige

Wer bisher frei arbeitet, kann in ein Angestellten-Verhältnis wechseln. Sein Gehalt müsste dann aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Er könnte seine Selbstständigkeit auch vollkommen aufgeben und in die Familienversicherung seines Partners wechseln. 

Berufsanfänger

Auch wenn ihr Gehalt von Anfang über der Versicherungspflichtgrenze liegt, können sie sofort in die GKV. Studenten, die während des Studiums privat versichert waren, kommen so zurück in die GKV.    

Arbeitslose

Wer arbeitslos wird, den versichern die Arbeitsämter meist automatisch in der GKV. 

Über 55-Jährige

Eine wichtige Grenze in den Regeln ist das Alter. Eine Rückkehr in die GKV geht für Angestellte und Selbstständige nur, wenn sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Wer älter ist, hat nur unter speziellen Voraussetzungen noch eine Chance zum Systemwechsel. „Diese Informationen sind im Gesetzestext gut versteckt, da bei diesen Personen die Rückkehr in die GKV verhindert bzw. möglichst schwer gemacht werden soll“, heißt es auf der Internetseite PKV-Selbstvergleich.de. „Außerdem ist die Rückkehr nicht bei jedem möglich, sondern an bestimmte Bedingungen geknüpft.“ In diesem Fall empfiehlt sich also die Beratung durch einen Spezialisten, etwa einen Anwalt, der die Regeln des Sozialgesetzbuches sehr gut kennt. 

Ähnliche PKV-Angebote

PKV-Experten weisen darauf hin, dass eine Rückkehr in die GKV gar nicht mehr nötig sei, weil auch die privaten Krankenversicherer inzwischen Tarife anbieten müssen, die denen der GKV ähneln. Dies ist der sogenannte Basistarif. Daneben gibt es noch einen Standardtarif.

Nachteile für Wechsler

Die Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung gehen verloren, wenn man zurück in die GKV wechselt. Diese Vorsorge dient dazu, die PKV-Beiträge im Alter zu dämpfen.

PKV-Experten weisen darauf hin, dass eine Rückkehr in die GKV gar nicht mehr nötig sei, weil auch die privaten Krankenversicherer inzwischen Tarife anbieten müssen, die denen der GKV ähneln. Dies ist der sogenannte Basistarif. Daneben gibt es noch einen Standardtarif. Beide sind Alternativen zur Rückkehr in die gesetzliche Versicherung.

Wer als PKV-Kunde unbedingt in die GKV wechseln will, sollte sich das gut überlegen. Denn jeder PKV-Versicherte sammelt Altersrückstellungen, die im Rentenalter den Beitrag dämpfen. Diese Vorsorge, die die private Versicherung anlegt, geht bei einem Wechsel verloren. Dennoch denken Privatpatienten immer häufiger über die Rückkehr ins gesetzliche System nach, wie die Krankenkassen feststellen. 166?000 waren es zuletzt.

Fallstudie: So gelingt die Rückkehr in die Krankenkasse

Fallstudie

So gelingt die Rückkehr in die Krankenkasse

Wer von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zurück will, braucht Geschick und Glück. Wechselwillige müssen sich auf die Regeln des Sozialrecht einstellen. Doch hier lauern viele Fallen.


Kommentare (6)

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Account gelöscht!

21.05.2012, 11:36 Uhr

diese Beiträge zur PKV gab es doch erst vor wenigen Wochen? Gibts nichts anderes mehr zu berichten? dann lieber reduzieren!

Andreas_Ernst_Kassel

22.05.2012, 08:59 Uhr

Stellt man die Personen gegenüber die 2011 in die Private gewechselt sind, denen gegnüber die das gesetzliche System gewählt haben aufgrund Pflichtversicherung gewählt haben, so sind in 2011 insgesamt 78500 Menschen mehr in die PKV gegangen. reine Marketingveranstaltung der Gesetzlichen Kassen und schlecht recherchierter Beitrag. Lediglich abgeschrieben was im Januar bzw Februar bereits zu lesen war.

Account gelöscht!

29.06.2012, 08:52 Uhr

Thema interessiert mich ebenso.
Aber wenn das stimmt, was meine Vorredner behaupten, erwarte ich zunächst eine Klarstellung der Redaktion, ob das nun nur eine Zweitverwertung ist oder nicht!

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