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15.03.2016

13:06 Uhr

Tagesgeld bei Weltsparen

Slowakische Bank lockt deutsche Sparer

VonKatharina Schneider

Die Zinsplattform Weltsparen bietet Tagesgelder von Auslandsbanken an. Zum Start gibt es ein Angebot aus der Slowakei. Was Kunden dabei beachten müssen und was deutsche Institute im Vergleich bieten.

Davon wollen Banken aus anderen EU-Ländern profitieren und locken mit vergleichsweise hohen Zinsen. dpa

Sparen ist typisch deutsch

Davon wollen Banken aus anderen EU-Ländern profitieren und locken mit vergleichsweise hohen Zinsen.

FrankfurtNach den jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) gilt der Zins auf Spareinlagen hierzulande eigentlich als abgeschafft. Für Tagesgeld bieten deutsche Geldinstitute laut einem Vergleich der Frankfurter FMH-Finanzberatung im Durchschnitt nur noch 0,25 Prozent Zinsen pro Jahr.

Etwas großzügiger sind dagegen Banken im europäischen Ausland, zum Beispiel in der Slowakei. Wer mindestens 5000 Euro mitbringt, bekommt von der Poštová banka auf Tagesgeld derzeit ein Prozent Zinsen. Wie das Handelsblatt erfuhr, ist die Kontoeröffnung seit diesem Dienstag über die Zinsplattform Weltsparen möglich. „Der Kunde ist genauso flexibel wie bei einem deutschen Tagesgeldkonto, kann also täglich Geld einzahlen und abheben“, erklärt Tamaz Georgadze, einer der Gründer des Portals. Zudem gebe es für den Zinssatz keine zeitliche Beschränkung.

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Ob sich der Wechsel in die Slowakei für deutsche Sparer lohnt, ist aber fraglich. Denn für Neukunden bieten deutsche Banken derzeit ähnlich hohe Zinsen. Laut FMH-Finanzberatung sind Sätze in Höhe von einem bis 1,25 Prozent drin. Die Volkswagen- und die Audi-Bank liegen derzeit im Vergleich mit einem Zins von 1,25 Prozent vorne.

Nach vier Monaten kann der Zinssatz aber wieder sinken. Dann müssten Renditejäger erneut die Bank wechseln. Die Consorsbank garantiert ihren Neukunden hingegen einen Zins von einem Prozent für ein ganzes Jahr.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Ein möglicher Haken bei Angeboten aus dem EU-Ausland ist die Einlagensicherung. Grundsätzlich sind in allen EU-Mitgliedstaaten pro Kunde Einlagen bis 100.000 Euro durch nationale Sicherungsfonds geschützt. Verbraucherschützer sind aber skeptisch: Es gebe ein Restrisiko, und das sei in wirtschaftlich weniger stabilen Ländern höher als in Deutschland.

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