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26.02.2016

13:00 Uhr

Tagesgeld für Anleger

Was bringt Sparen eigentlich noch?

VonJens Hagen

Die Zinsen bei Tagesgeldern tendieren bei vielen Banken gegen Null. Bei immer mehr Geldhäusern erzielen Kunden keinerlei Erträge mehr. Und nach der Inflation verlieren die Sparer sogar Geld. Haben Sparkonten ausgedient?

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch? Getty Images

Sparschwein

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch?

Nullkommanichts – so lautet der Leitspruch vieler Banken bei Tages- und Festgeldern. Eine spontane Stichprobe der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt: Einige Institute wie etwa die Commerzbank, Münchener Bank oder GLS Bank offerieren ihren Kunden einen Zins von 0,00 Prozent. Und die Zahl an Null-Offerten könnte bald steigen. Mindestens 14 Institute bieten derzeit einen Zins von 0,01 Prozent und weniger.

Die Auswertung zeigt: In Zeiten von Minuszinsen – die europäische Zentralbank gibt auf Bankeinlagen einen negativen Zins und auch die Sätze zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen sind derzeit negativ – soll eine Null offenbar schon als Sparerfolg gelten.

Welche Banken den Sparzins abschaffen

Tagesgeld

Vergelts Gott! Einen Zins von 0,00 Prozent bieten die Commerzbank, Münchener Bank und GLS Bank. Die Hamburger Sparkasse, MBS Potsdam, Santander Bank, Sparda Berlin, Sparda West, Sparkasse Leipzig, Sparkasse Düsseldorf, Sparkasse Wuppertal, Stuttgarter Volksbank, Targobank, Volksbank Eisenberg/Ethikbank, Volksbank Freiburg, Volksbank Münster und Wiesbadener Volksbank bieten nur noch 0,01Prozent. Stand: Ende Februar 2016.

Sparbuch

0,01 Prozent bieten unter anderem die Commerzbank, Deutsche Bank, MBS Potsdam, Santander Bank, Ostseesparkasse Rostock, Sparda Berlin, Sparda Hamburg, Sparda Münster, Sparda West, Sparkasse Leipzig, Sparkasse Augsburg, Sparkasse Düsseldorf, Sparkasse München und Sparkasse Wuppertal.

Festgeld (1 Monat)

0,00 Prozent offerieren etwa die Volksbank Eisenberg und die Ethikbank. Bei der Commerzbank, MBS Potsdam, Sparkasse Düsseldorf, Wiesbadener Volksbank 0,01 Prozent.

Festgeld (3 Monate)

Auch bei dieser Laufzeit bieten die Volksbank Eisenberg, Ethikbank nur 0,00 Prozent, ebenso wie die Münchener Bank. 0,01 Prozent gibt es bei BKM, Commerzbank, MBS Potsdam, Sparkasse Düsseldorf, Wiesbadener Volksbank.

Festgeld (6 Monate)

0,00 Prozent gibt es bei der Volksbank Eisenberg, Ethikbank und der Münchener Bank. 0,01 Prozent bei der MBS Potsdam, Sparda München, Sparda West, Sparkasse Düsseldorf und Wiesbadener Volksbank.

Und schon droht neues Ungemach. Experten rechnen damit, dass EZB-Chef Mario Draghi schon auf der März-Sitzung nachlegen wird, der Minuszins von aktuelle 0,3 auf 0,4 Prozent absinkt. Ein weiterer Anleihekauf könnte den Druck auf die Zinsen der Sparkonten weiter erhöhen.

Auch wenn Minuszinsen bei Tages- und Festgeldern von Kleinsparern derzeit kaum denkbar sind, sind viele Kleinanleger verunsichert. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung darüber diskutiert, Barzahlungen über 5.000 Euro gesetzlich zu verbieten. Und dann prüft die Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit auch noch, die Verwendung von 500-Euro-Banknoten vollständig einzustellen.

Solche Maßnahmen sollen Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität bekämpfen. „Dabei dürfte aber tatsächlich eine andere Überlegung im Vordergrund stehen: Eine Übertragung der Negativzinsen einiger Zentralbanken wie der EZB auf Sparer und Unternehmen“, befürchtet etwa Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Ein Freund in der Not ist den Sparern bislang noch die niedrige Inflationsrate. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes stiegen die Verbraucherpreise im Januar um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Bundesbank erwartet in diesem Jahr eine Teuerung von rund 0,25 Prozent. Auf Sicht könnte die Inflation wieder merklich ansteigen, im nächsten Jahr rechnet die Bundesbank mit 1,75 Prozent.

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

26.02.2016, 13:15 Uhr

Seitdem Mastricher Vertragsbruch und der Einführung des Marktfeindlichen ESM bekommt der Sparer, der Rentner und der Kleine Mann in EURO-Deutschland immer weniger. Die Deutsche Regierung hat diesen Vertragsbruch und damit die Abzocke der deutschen Gesellschaft erst ermöglicht. Die Grün-Sozialistische Merkel Regierung verteidigt diesen Maastricher Vertragsbruch und diesen ESM noch und wird somit noch mehr Mangel und Armut in der deutschen Gesellschaft hervor rufen und fördern.

Herr Holger Narrog

26.02.2016, 13:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

26.02.2016, 13:34 Uhr

Wir strengen uns an und sorgen für viele Eventualitäten vor. Dazu gehört das kurzfristige Sparvermögen und auch das Altersvorsorge.

Statt diese Menschen zu belohnen zahlen sie die Zeche für diese Europapolitik. Viele Menschen werden in den nä. Jahren auch von ihrer privaten Vorsorge im Ruhestand abhängig sein, weil auch noch sich die Gesetzl. Rentenversicherung abschwächen wird.

So ist die kommende Altersarmut für viele Menschen nur eine Frage der Zeit, wann sie dort ankommen.

Da nutzen keine Floskeln, dass Europa gut für die Wirtschaft und Arbeitsplatzerhalt ist.

Es geht um das Portemonnaie eines jeden Bürgers, der mit ansehen muß, dass sein kleines Vermögen immer mehr schwindet.

Das fatale daran wird sein, dass niemand genau weiß, welche Spuren diese Art der Politik mit ungewissem Ausgang haben wird.

Genauso verhält es sich gegenwärtig in der Flüchtlingspolitik.

Die Bürger wollen Klarheit,Sicherheit sowie Perspektiven und keine wir Glauben-Strategie.

Diese Art der Politik hat sich meilenweit von diesen sog. Normalbürgern enfernt, die zwangsläufig immer weniger in der Mitte der Gesellschaft in Zukunft zu finden sein werden.

Diese Art der Politik kann man, muß man aber nicht unterstützen.



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