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18.02.2013

15:22 Uhr

Tagesgeld

Renault spendiert Prozente

Ein neuer Anbieter macht beim Tagesgeld von sich reden. Die Bank des ramponierten Autoherstellers Renault will Sparer mit Top-Zinsen locken. Was das neue Angebot bringt und wo Sparer die besten Alternativangebote finden.

Renault Clio auf der Paris Motor Show: Kunden können Tagesgeld bei der Autobank anlegen. Die Konditionen sind gut, die Einlagensicherung mittelprächtig. dpa

Renault Clio auf der Paris Motor Show: Kunden können Tagesgeld bei der Autobank anlegen. Die Konditionen sind gut, die Einlagensicherung mittelprächtig.

ParisDie Autobank von Renault braucht Geld. „Zum weiteren Ausbau ihres Leasing- und Finanzierungsgeschäfts“, bietet die deutsche Niederlassung der RCI Banque, eine hundertprozentige Tochter von Renault, ab heute Tagesgeld an. Im Internet können Kunden 1,85 Prozent ergattern.

Damit führt die Autobank zusammen mit den Anbietern RaboDirect und Cortal Consors laut dem Zinsvergleich der Mano-Dienste die Tagesgeld-Rangliste an. Bis zu einer Million Euro können Kunden zu dem Zinssatz anlegen. In Zukunft möchte das Institut auch Termingelder offerieren.

Einlagen bis zu 100.000 Euro sind über die gesetzliche Einlagensicherung nach EU-Richtlinie gedeckt. Auf eine Sicherung über die Verbünde der Sparkassen, Genossenschaftsbanken oder Privatbanken müssen Anleger aber verzichten. „Unsere Kunden können sich darauf verlassen, auf Dauer Top-Zinskonditionen bei höchster Flexibilität und Sicherheit zu erhalten“, trommelt der Generaldirektor der RCI Banque Deutschland, Philippe Métras in einer Pressemitteilung.

Anleger sollten die Stabilität des Instituts jedoch im Blick behalten. Zuletzt musste der zweitgrößte französische Autobauer wegen der Absatzkrise in Europa erhebliche Gewinneinbußen verkraften. Im vergangenen Jahr sank das Ergebnis unter dem Strich um 15 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro. Der Kernbereich des Unternehmens rutschte nach der am Donnerstag vorgestellten Jahresbilanz mit einem operativen Verlust von 25 Millionen Euro in die roten Zahlen. 2011 hatte Renault in der Automobilsparte noch einen operativen Gewinn in Höhe von 330 Millionen Euro verbucht.

Dass unter dem Strich dennoch ein Milliardengewinn stand, haben die Franzosen nur ihrer Beteiligung am japanischen Konzern Nissan, guten Bankgeschäften sowie dem Verkauf von Aktien des Nutzfahrzeugherstellers Volvo AB zu verdanken. Allein Nissan steuerte rund 1,2 Milliarden Euro zum Ergebnis bei.

Tagesgeld: Die Fallen für Sparer

Zinssatz

Der Zinssatz kann – anders als bei Sparbüchern – sehr attraktiv sein; zudem können Sie täglich über das komplette Geld verfügen und müssen auch keine Kündigungsfristen berücksichtigen.

Quelle: FMH Finanzberatung

Beste Angebote

Es ist eine Kunst, die Bank mit dem besten Angebot zu finden. Der Markt ist relativ undurchsichtig, da viele Banken Tagesgeldkonten dazu einsetzen, neue Kunden zu gewinnen.

Kaufkrafterhalt

Für den Erhalt der Kaufkraft zählt nicht der nominale Zins, sondern die reale Rendite. Aktuell bewegt sich die Inflationsrate bei rund 2 Prozent. Wer Geld flüssig halten muss sollte darauf achten, dass der Zinsertrag ein Stück weit über dieser Marke liegt. Denn: Im anderen Fall verlieren Sparer eventuell erheblich an Kaufkraft, was viele entweder gar nicht wissen oder sogar bewusst ignorieren.

Kaufkraftverlust

Wer heute auf dem Sparbuch für 0,5 Prozent Jahreszins 20.000 Euro anlegt, verliert pro Jahr 1,6 Prozent an Kaufkraft. Im Lauf von zehn Jahren schmilzt der reale Wert dieser 20.000 Euro bei gleichbleibenden Bedingungen auf nur 17.020 Euro ab – das entspricht einem Verlust von fast 15 Prozent!

Steuern

Um Steuern müssen sich Sparer beim Tagesgeld selten Sorgen machen. Wer 2,75 Prozent an Zinsen kassiert und den Freibetrag von 801 Euro pro Person voll für das Tagesgeld nutzt, zahlt den ersten Steuer-Euro erst ab einer Anlagesumme von gut 29.000 Euro. Das ist ein Betrag, den nur wenige Tagesgeldsparer bewegen.

Problem

Da sich die Zinsen täglich ändern können, weiß man erst später, wie erfolgreich die Geldanlage im Vergleich zu anderen Alternativen war. Ob sie sich wirklich rentiert hat, hängt ab von der Entwicklung der Zinsen, aber auch vom Auf und Ab der Inflationsrate. Der tatsächliche Wertzuwachs ist erst ersichtlich, nachdem die Geldentwertung und die Steuer von den Zinsen abgezogen wurde.

Tagesgeld seit 2008

Die Ausbeute für Tagesgeld-Sparer ist ernüchternd. Es wurde immer wieder empfohlen, wegen der „kommenden Inflation“ auf Tagesgeld zu setzen. Im Nachhinein betrachtet, war diese Empfehlung falsch. So lag der reale Wertzuwachs (Zinsertrag minus Inflationsrate) vor Steuern im FMH-IndeX in der Spanne von 2,2 bis minus 1,2 Prozent. Tagesgeld-Sparer, die nicht konsequent das beste Angebot nutzten, verlieren seit Herbst 2010 an Kaufkraft.

Tagesgeld-Tipp

Wer seit Ende September 2008 auf den Tagesgeld-Tipp der FMH Finanzberatung setztem hat aus 10.000 Euro im Durchschnitt einen Zugewinn von lediglich 293 Euro erzielt. Nach Abzug der Inflation entspricht dies einer Kaufkraft von 10.087 Euro und damit einer mickrigen Realrendite von 0,22 Prozent.

Vergleich

Der Sparbrief brachte seit 2008 drei Prozent dagegen Realrendite. Weit besser erging es Sparern, die ihr Geld für längere Zeit festgelegt hatten. Wer im September 2008 für 10.000 Euro einen vierjährigen Sparbrief mit einem Nominalzins von 4,44 Prozent kaufte, freute sich vor Kurzem über eine tatsächliche Kaufkraft von 11.270 Euro, was einer realen Rendite von 3,03 Prozent entspricht.

Rat

Sparer sollten einen Teil ihres Geldes für längere Zeit festlegen, um damit höhere Zinsen zu erwirtschaften und ihre Kaufkraft zu sichern.

Angesichts der Schwäche des Heimatmarktes wollen die Franzosen nun noch mehr auf die Geschäfte in Ländern wie Brasilien, China, Russland und Indien setzen. „Renault hat auf dem kontrastreichen weltweiten Automobilmarkt vom Wachstum der außereuropäischen Märkte profitiert und dort über 50 Prozent seines Absatzes erzielt“, kommentierte Konzernchef Carlos Ghosn in der vergangenen Woche.

Zu den Zielen für das laufende Jahr äußerte sich Renault vorsichtig optimistisch. Der Konzern will weltweit mehr Autos verkaufen als 2012 und in der Automobilsparte eine positive operative Marge erzielen.

Kommentare (1)

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HansA

18.02.2013, 15:50 Uhr

Was bitte hat Renault und deren Bank rechtlich mit PSA zu tun? Hier werden unsinnigerweise zwei nicht zusammen gehörende Infos in einen Topf geworfen...Thema verfehlt würde ich sagen...

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