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04.12.2015

11:53 Uhr

Tagesgeld

So trotzen Sparer dem Zinsschwund

VonJens Hagen

Die Europäische Zentralbank erhöht den Strafzins auf die Einlagen der Banken. Das dürfte Auswirkungen auf Sparprodukte wie Tagesgelder haben. Bei einigen Banken ist das Ersparte durch Garantiezinsen vorerst sicher.

Die Zinsen sinken. Getty Images

Die Zinsen sinken.

FrankfurtEs könnte das Zitat der Geldanlage-Woche werden. „Wir machen mehr, weil es wirkt“, erklärte EZB-Präsident Mario Draghi am gestrigen Donnerstag die neuerliche Geldflut der Notenbanker.

Die Euro-Währungshüter weiteten ihr Anleihen-Kaufprogramm auf nunmehr 1,5 Billionen Euro aus. Die Währungshüter wollen nun ihre monatlichen Käufe von rund 60 Milliarden Euro um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017 verlängern.

„Wir sind zuversichtlich, dass diese Entscheidungen angemessen sind, um unser Ziel zu erreichen“, sagte Draghi. Den Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Für Banken, die Gelder bei der Zentralbank parken, steigt der „Strafzins“ um zehn Basispunkte aus Minus 0,3 Prozent.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Die Folgen für deutsche Sparer dürften nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem wegen der Erhöhung des „Strafzins“ auf Bank-Einlagen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Banken ihre Sätze für Tagesgelder der Privatkunden senken. Sparer können aber – zumindest für einen gewissen Zeitraum – dem Zinsschwund trotzen.

Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung zeigt, dass fünf Institute für Tagesgelder derzeit noch einen Zins von einem Prozent und mehr bieten und diesen Satz länger als drei Monate garantieren. „Für Sparer, die eine gewisse Zinsgarantie wünschen und gleichzeitig täglich über das Ersparte verfügen wollen, sind diese Angebote sinnvoll“, sagt FMH-Inhaber Max Herbst.

Mit einem Zins von 1,25 Prozent für mindestens vier Monate führt die Volkswagenbank den Vergleich an. Wer noch längere Garantien möchte, muss Abstriche bei der Rendite machen. Die Consorsbank offeriert zwar nur einen Zins von 0,6 Prozent, garantiert ihn aber für zwölf Monate nach Abschluss. Mit dem Tagesgeld-Vergleich von Handelsblatt Online lassen sich die besten Konditionen tagesaktuell und individuell vergleichen.

Mehr als 20 Institute von 70 untersuchten Banken bieten mittlerweile nur noch Zinsen von 0,05 Prozent und weniger an. Vor Minuszinsen müssen sich Sparer dennoch wohl eher nicht fürchten. Selbst in der Schweiz, wo der „Strafzins“ der Notenbank deutlich höher ist, gilt er nur für Einlagen ab 100.000 Euro.

Tagesgeld mit Zinsgarantie 
BankZins in %
(Neukunden)
Dauer der
Garantie
Zins in %
(Bestandskunden)
Volkswagen Bank 1,254 Monate0,30
Wüstenrot direct 1,114 Monate0,15
Renault Bank Direct1,103 Monate1,00
ING-Diba 1,004 Monate0,60
1822direkt 1,00bis 01.04.20160,50
DAB Bank0,606 Monate0,20
Consorsbank0,6012 Monate0,40
Quelle: FMH Finanzberatung. Stand: 3.Dezember 2015.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



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