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12.02.2013

10:27 Uhr

Tagesgeld und Festgeld

Diese Banken bieten noch faire Prozente

VonJens Hagen

Das Zinstief beutelt die Sparer. Fast noch schlimmer sind aber Banken mit ständig wechselnden Lockangeboten. Ein Vergleich zeigt, wer konstant hohe Zinsen bietet – und warum sich Festgeld wieder rechnet.

Sparschwein: Selbst im historischen Zinstief lohnt der Marktvergleich. dpa

Sparschwein: Selbst im historischen Zinstief lohnt der Marktvergleich.

DüsseldorfDie Werbung der Banken wird immer schriller. Selbst pinkelnde Filmstars, schwitzende Ex-Kriminelle und madenessende Sternchen schrecken manche Institute auf der Jagd nach Kunden nicht mehr ab.

So wirbt die niederländische Rabo Direct während des Dschungelcamps bei RTL mit Einblendungen am unteren Bildrand für ihr Tagesgeld. „Spar Dir das“ und „Wir holen Sie aus dem Bankendschungel“ textete das Geldhaus, das sich selbst als „eine Bank ohne Krawatte, die Klartext redet und nach dem Genossenschaftsprinzip von Mensch zu Mensch agiert“ bezeichnet und Sparer aktuell mit zwei Prozent fürs Tagesgeld locken möchte.

So lautstark die Werbung für Tagesgeld vielfach geworden ist, so unberechenbar sind die Zinsen derzeit für die Sparer. Während die EZB im vergangenen Jahr nur einmal den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senkte, fielen die Sätze für Tagesgeld im Durchschnitt um 0,7 Prozentpunkte.

Viele Direktbanken kürzten noch drastischer. Nach einer Analyse der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt haben fünf Institute ihre Sätze für Bestandskunden sogar um mehr als einen Prozentpunkt gesenkt. Besonders hart war der Schnitt bei der DAB Bank. Für Bestandskunden fiel der Zins für Produkte ohne Bedingungen von 2,76 Prozent auf 0,50 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt erzielen Sparer bei Tagesgeld gut ein Prozent. Während das Institut im Zinsvergleich Anfang Januar 2012 noch zu den besten drei Anbietern für Bestandskunden zählte, bieten aktuell mindestens 25 Institute höhere Zinsen.

Tagesgeld: Die Fallen für Sparer

Zinssatz

Der Zinssatz kann – anders als bei Sparbüchern – sehr attraktiv sein; zudem können Sie täglich über das komplette Geld verfügen und müssen auch keine Kündigungsfristen berücksichtigen.

Quelle: FMH Finanzberatung

Beste Angebote

Es ist eine Kunst, die Bank mit dem besten Angebot zu finden. Der Markt ist relativ undurchsichtig, da viele Banken Tagesgeldkonten dazu einsetzen, neue Kunden zu gewinnen.

Kaufkrafterhalt

Für den Erhalt der Kaufkraft zählt nicht der nominale Zins, sondern die reale Rendite. Aktuell bewegt sich die Inflationsrate bei rund 2 Prozent. Wer Geld flüssig halten muss sollte darauf achten, dass der Zinsertrag ein Stück weit über dieser Marke liegt. Denn: Im anderen Fall verlieren Sparer eventuell erheblich an Kaufkraft, was viele entweder gar nicht wissen oder sogar bewusst ignorieren.

Kaufkraftverlust

Wer heute auf dem Sparbuch für 0,5 Prozent Jahreszins 20.000 Euro anlegt, verliert pro Jahr 1,6 Prozent an Kaufkraft. Im Lauf von zehn Jahren schmilzt der reale Wert dieser 20.000 Euro bei gleichbleibenden Bedingungen auf nur 17.020 Euro ab – das entspricht einem Verlust von fast 15 Prozent!

Steuern

Um Steuern müssen sich Sparer beim Tagesgeld selten Sorgen machen. Wer 2,75 Prozent an Zinsen kassiert und den Freibetrag von 801 Euro pro Person voll für das Tagesgeld nutzt, zahlt den ersten Steuer-Euro erst ab einer Anlagesumme von gut 29.000 Euro. Das ist ein Betrag, den nur wenige Tagesgeldsparer bewegen.

Problem

Da sich die Zinsen täglich ändern können, weiß man erst später, wie erfolgreich die Geldanlage im Vergleich zu anderen Alternativen war. Ob sie sich wirklich rentiert hat, hängt ab von der Entwicklung der Zinsen, aber auch vom Auf und Ab der Inflationsrate. Der tatsächliche Wertzuwachs ist erst ersichtlich, nachdem die Geldentwertung und die Steuer von den Zinsen abgezogen wurde.

Tagesgeld seit 2008

Die Ausbeute für Tagesgeld-Sparer ist ernüchternd. Es wurde immer wieder empfohlen, wegen der „kommenden Inflation“ auf Tagesgeld zu setzen. Im Nachhinein betrachtet, war diese Empfehlung falsch. So lag der reale Wertzuwachs (Zinsertrag minus Inflationsrate) vor Steuern im FMH-IndeX in der Spanne von 2,2 bis minus 1,2 Prozent. Tagesgeld-Sparer, die nicht konsequent das beste Angebot nutzten, verlieren seit Herbst 2010 an Kaufkraft.

Tagesgeld-Tipp

Wer seit Ende September 2008 auf den Tagesgeld-Tipp der FMH Finanzberatung setztem hat aus 10.000 Euro im Durchschnitt einen Zugewinn von lediglich 293 Euro erzielt. Nach Abzug der Inflation entspricht dies einer Kaufkraft von 10.087 Euro und damit einer mickrigen Realrendite von 0,22 Prozent.

Vergleich

Der Sparbrief brachte seit 2008 drei Prozent dagegen Realrendite. Weit besser erging es Sparern, die ihr Geld für längere Zeit festgelegt hatten. Wer im September 2008 für 10.000 Euro einen vierjährigen Sparbrief mit einem Nominalzins von 4,44 Prozent kaufte, freute sich vor Kurzem über eine tatsächliche Kaufkraft von 11.270 Euro, was einer realen Rendite von 3,03 Prozent entspricht.

Rat

Sparer sollten einen Teil ihres Geldes für längere Zeit festlegen, um damit höhere Zinsen zu erwirtschaften und ihre Kaufkraft zu sichern.

Generell gibt es einen Trend zu fallenden Zinsen. „Die Banken schaukeln sich bei den Zinsen aktuell selbst herunter“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Die Institute seien aktuell nicht sehr auf die Kundeneinlagen angewiesen. „Bei der Zentralbank gibt es Geld zu günstigen Konditionen und das Kreditgeschäft läuft aktuell eher mau“, sagt Herbst.

Kunden auf der Suche nach auskömmlichen Zinsen sollten daher wählerisch sein. Eine Analyse der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt, welche Banken regelmäßig gute Zinsen bieten. Die Zinsexperten untersuchten die Konditionen für Neu- und für Bestandskunden bei Konten für Tages- und Festgeld. Der Vergleich zeigt konstant gute Anbieter sowohl für die erweitere deutsche Einlagensicherung wie für die gesetzliche Einlagensicherung. Lediglich 32 der getesteten 166 Banken schafften es in diesen vier Kategorien mindestens eine Woche unter die besten drei Angeboten.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

22.01.2013, 09:45 Uhr

Es ist traurig, daß hohe Zinsen mit fairen Zinsen gleichgesetzt werden, da hätte ich vom Handelsblatt mehr Tiefe erwartet.

Ist es nicht interessanter sich zu fragen, was die Banken mit dem Geld machen und wie es tatsächlich wirkt?

verwundert

22.01.2013, 09:56 Uhr

...nicht mal das Handelsblatt versteht anscheinden das Prinzip des Marktes...Zinsen beinhalten auch immer eine Risikoprämie...vor allem in Zeiten in denen die EZB leicht zu 0,75% Gelder anbietet....haben viele Banken wohl keine Sicherheiten mehr ??

Account gelöscht!

22.01.2013, 10:07 Uhr

Liebes HB! Ich hoffe, dieser Sandstreu-artikel schafft es nicht auf die Titelseite einer Ihrer Papierausgaben1 Ich frag mich immer wieder, "wessen" Lied Sie manchmal singen, könnte man das nicht unter die Artikel schreiben..?
Sie verweisen auf Beispiele aus der Vergangenheit (2008-20012)wider besseren Wissens, daß derartige Verzinsungen heute kaum mehr zu finden sind - den Rest an Geldentwertung erledigt dann die reale Inflation, nicht die Schöngerechnete der Bundesämter.
Alle Anlageprodukte, die unterhalb der echten Inflation liegen und das Wörtchen "Spar" benutzen sind als unredlich und eigentlich als Betrugsversuch am Sparer zu werten.
Ach ja, wo wir grad bei "Wert" sind: Zins ist nicht WERT.
WERT ist immer differenziert zu betrachten, je nach Phasen der Wirtschaft-über einen längeren Zeitraum landet man wohl oder "übel" beim Edelmetall,Grund und Boden, Wald uä.

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