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07.01.2015

16:53 Uhr

Tagesgeld und Festgeld

Wo es noch anständige Zinsen gibt

VonJens Hagen

ExklusivDie Inflation in der Euro-Zone ist negativ, bald dürfte die EZB die Geldschleusen noch weiter öffnen. Dann sinken auch die Konditionen für Tages- und Festgelder. Welche Banken jetzt noch langfristig hohe Zinsen bieten.

Zartes Pflänzchen: Sparer müssen mit Minizinsen rechnen Getty Images

Zartes Pflänzchen: Sparer müssen mit Minizinsen rechnen

Obwohl das Jahr gerade mal ein paar Tage alt ist, geht 2015 in die Geschichte ein. Zum ersten Mal fielen die Zinsen bei zehnjährigen Bundesanleihen unter den Satz von 0,5 Prozent. Papiere mit Laufzeiten von weniger als fünf Jahren rentieren bereits negativ. Der Eonia-Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander täglich Geld leihen, fiel kurz nach Weihnachten auf einen historischen Tiefststand von 0,085 Prozent. So beeindruckend solche Rekordmarken auch sein mögen, sie dürften nicht lange vorhalten.

„Wir rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank bald handelt und Staatsanleihen kauft, um so die Zinsen weiter zu drücken“, sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. Heute präsentierte Eurostat die Inflationsrate für die Euro-Zone: Minus 0,2 Prozent für Dezember - das wird die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigen. „Auch ohne die aktuellen Daten zur Inflation dürfte der nächste Schritt der EZB bereits beschlossene Sache sein“, sagt Moryson.

Im Handelsblatt erklärte der Präsident der EZB, Mario Draghi, die Zentralbank befinde sich in technischen Vorbereitungen, um Umfang, Tempo und Zusammensetzung ihrer Maßnahmen im Kampf gegen die niedrige Inflation bei Bedarf Anfang 2015 zu verändern. Der EZB-Rat trifft sich am 22. Januar, drei Tage vor den Parlamentswahlen in Griechenland, bei denen die linke Syriza-Partei von Alexis Tsipras stärkste Kraft werden könnte.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



„Wenn die EZB handelt, dürften die Renditen für Anleihen mit kurzen Laufzeiten weiter sinken“, sagt Moryson. „Allerdings wird nach einer geldpolitischen Wende in den USA ein Sog nach oben auf die Renditen langlaufender Anleihen auch in Europa ausgeübt werden.“ Zuletzt hatten positive Daten der Konjunktur und des Arbeitsmarkts einen ersten Zinsschritt der US-amerikanischen Notenbank wahrscheinlich gemacht.

Bestätigt sich diese Prognose, dann sollten Sparer, die ihr Geld in sichere Zinskonten investieren möchten, nicht mehr allzu lange warten. „Wir rechnen damit, dass die Sätze für Tages- und Festgelder in diesem Jahr noch einmal sinken dürften“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Für Handelsblatt Online hat sein Team die aktuell günstigsten Konditionen ermittelt und zudem zusammengestellt, welche Banken in den Vergleichen konstant vorne liegen (siehe Tabellen am Ende des Artikels).

Wie finden Sparer im historischen Zinstief den günstigsten Anbieter? Große Reichtümer sind nicht zu erwarten. Im Schnitt gibt es aktuell gut 0,5 Prozent für Tagesgelder und Festgelder mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Wer sein Institut wechseln möchte, kann bei vielen Preisbrechern Tagesgeld-Konten zu Top-Konditionen mit Zinsgarantien eröffnen.

Kommentare (1)

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Herr Alfred Werner

08.01.2015, 12:22 Uhr

Mit dem heutigen Tag hat das Handelsblatt für mich die Kommentarfunktion endgültig abgeschafft. Es wäre mutig und notwendig gewesen, heute in allen europoäischen Presseerzeugnissen die Karikaturen aus Charlie Hebdo abhzudrucken, um wahre Solidarität und klare Kante zu zeigen. Nichts davon. Statt dessen werden überall die Kommentarfunktionen abgeschaltet. Dieses opportunistische Verhalten wird sich bitter rächen.
Glaubt nicht, dass Ihr den Islamismus durch "Wohlverhalten" und Appeasement beeindrucken könnt.
Auich Ihr habt eine Redaktion.
Die Terroristen haben bereits gewonnen, wir haben verloren.
Lebt wohl. Ein ab sofort ehemaliger Leser.

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