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25.01.2016

08:38 Uhr

Tagesgeld und Sparbuch

Wer braucht eigentlich noch Zinskonten?

VonJens Hagen

Die Zinsen sind im Keller, einige Institute offerieren nur noch 0,01 Prozent. Ein Verbraucherschützer erklärt, warum Sparer jetzt trotzdem Tagesgelder abschließen sollten und was bei der Auswahl der Anbieter zu beachten ist.

Die Zinsen sind im Keller. Kann man mit Sparen noch Vermögen ansammeln? dpa

Vermögen

Die Zinsen sind im Keller. Kann man mit Sparen noch Vermögen ansammeln?

Viel zu bieten haben die meisten Banker derzeit nicht mehr. Die Zinspolitik der Notenbanken ließ die Renditen für Tages-und Festgelder in den Keller fallen. Trotzdem sollten Sparer nicht resignieren, erklärt Verbraucherschützer Markus Feck im Interview.

Herr Feck, Sparbücher, Tages- und Festgelder rentieren oft nicht mal mehr 0,1 Prozent. Welche Sparer sollten eigentlich solche Zinskonten noch abschließen?
Die inzwischen schon Jahre andauernde Niedrigzinsphase stellt in der Tat insbesondere für sicherheitsorientierte Sparer ein Problem dar, weil die Habenzinsen oft unterhalb der Inflationsrate liegen und das Geld real gesehen an Wert verliert. Trotzdem bleibt insbesondere ein Tagesgeldkonto notwendig, da dieses aufgrund der Flexibilität ideal für die Liquiditätsreserve ist. Diese sollte idealerweise drei Nettogehälter umfassen, mindestens aber 5.000 Euro.

Leiter der Gruppe Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW. PR

Markus Feck

Leiter der Gruppe Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW.

Gibt es weitere Zielgruppen, für die Zinskonten interessant sind?
Auch wer für kurzfristige Ziele sparen will kommt – trotz der niedrigen Zinsen – kaum am Tagesgeld oder am Sparbuch vorbei, da andere Sparformen entweder mit Risiken verbunden sind oder die notwendige Flexibilität nicht gegeben ist. Anders sieht es aus, wenn für mittel- und langfristige Ziele gespart wird. Hier sollten Anleger in der Tat auf andere, geeignete Produkte ausweichen. Welche Produkte in Frage kommen, hängt letztlich von den individuellen Zielen und Präferenzen des einzelnen Anlegers ab.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Nicht alle Banken verzinsen nahe Null. Wie kommen eigentlich die enormen Spannen zustande – beim Tagesgeld variieren die Offerten für Neukunden zwischen 0,01 Prozent und 1,25 Prozent?
Diese Differenz kann aus ganz unterschiedlichen Gründen zustande kommen. Beispielsweise nutzen einige Kreditinstitute das Tagesgeldkonto als Akquiseinstrument, um neue Kunden zu gewinnen und bieten daher Konditionen, die über dem Marktdurchschnitt liegen.

Sind Direktbanken immer günstig?
Direktbanken haben in der Regel eine günstigere Kostenstruktur als Filialbanken und können diesen Vorteil unter anderem dafür nutzen, höhere Zinsen bei Tagesgeldkonten anzubieten. Doch selbst bei einer identischen Kostenstruktur müssen die Tagesgeldkonditionen nicht identisch sein. Die einzelnen Kreditinstitute setzen unterschiedliche Schwerpunkte. So kann bei einem Anbieter der Zins beim Tagesgeldkonto höher sein, dafür könnte zum Beispiel die Kreditkarte, der Verbraucherkredit oder auch das Girokonto teurer sein.

Lohnt bei den niedrigen Zinsen eigentlich ein Wechsel? Der Aufwand mit Postident, Online-Anmeldung und PinTan-Verfahren ist nicht ohne.
Dies ist eine berechtige Frage, die der eine Verbraucher mit ja und der andere mit nein beantworten wird. Eine allgemeingültige Antwort gibt es hier nicht, da es letztlich auf die individuelle Bewertung durch den einzelnen Verbraucher ankommt. Wer sich beispielsweise für die Summe von 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto bei gleicher Sicherheit von 0,4 Prozent auf 1,0 Prozent verbessern kann, bekommt letztlich im Monat fünf Euro mehr Zinsen. Damit sind wir in einer Größenordnung, die an die Kosten für das Führen eines Girokontos erinnert. Genauso wie beim Girokonto erleben wir, dass einige Kunden aus Kostengründen wechseln, andere hingegen Wert auf die Filiale vor Ort legen.

Wie können Kunden bei Tagesgeldern Lockvogel-Angebote identifizieren, die kurzzeitig hohe Zinsen bieten und danach wieder senken?
Hier sollte man vor einem Abschluss auf jeden Fall einen detaillierten Blick auf die „Sternchen“ werfen. Diese bedeuten in der Regel Einschränkungen. So kann der höhere Zinssatz nur für eine bestimmte Summe oder einen bestimmten Zeitraum gelten. Diese „Sternchen“ können aber auch mit weitergehenden Verpflichtungen verbunden sein. Beispielsweise könnte die Eröffnung eines Tagesgeldkontos nur möglich sein, wenn man auch ein Wertpapierdepot eröffnet. Der Umkehrschluss, dass Tagesgeldkonditionen ohne einschränkende „Sternchen“ letztlich besser sind, wäre allerdings auch ein Trugschluss. Denn dann kann die Bank oder Sparkasse jederzeit die Zinsen für das Tagesgeldkonto senken.

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