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11.01.2013

08:59 Uhr

Teure Tarife

Unisex wird für Versicherte zum Flop

VonJens Hagen, Thomas Schmitt

Viele Versicherte haben lange darauf gewartet, dass sie von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren. Doch erste Analysen zeigen: Unisex-Tarife lohnen sich kaum. Wer mehr zahlen muss.

Harmonie der Geschlechter: Mann und Frau sollen mit Unisex-Tarifen das gleiche zahlen. dpa

Harmonie der Geschlechter: Mann und Frau sollen mit Unisex-Tarifen das gleiche zahlen.

Wer erinnert sich noch an diese prophetischen Sätze? "Faktisch bedeuten Unisex-Tarife weniger Gerechtigkeit." Und: "Unisex-Tarife führen nicht zu mehr Gleichberechtigung, sondern zu Gleichmacherei." Oder auch: "Dieses Urteil ist kein Sieg für den Verbraucherschutz."

Alle drei Sätze sind knapp zwei Jahre alt und stammen von Rolf-Peter Hoenen, dem Präsidenten des Versicherer-Verbandes GDV.

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Die Branche war extrem unglücklich über das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), wonach ab 2013 nur noch gleiche Tarife für Männer und Frauen angeboten werden dürfen. Und sie sagte das auch entsprechend deutlich.

Nun sind die ersten Unisex-Tarife auf dem Markt. Und es zeigt sich: Hoenen hat Recht behalten. Was die Unternehmen bisher vorgelegt haben, ist kein Ruhmesblatt und schon gar kein Gewinn für Verbraucher. Das Unisex-Prinzip macht so manche Versicherung teurer für alle und so manche andere Police undurchsichtiger für Kunden. Die meisten Verbraucher haben davon am Ende wenig, sie zahlen sogar drauf, wie Analysten feststellen.

Welche Versicherungen unentbehrlich sind

Was falsch läuft

Erfahrungen aus der Beratungspraxis der Verbraucherzentrale in Stuttgart zeigen, dass viele Verbraucher nicht ausreichend abgesichert sind. Meist wird die Versicherungslücke erst im Schadensfall erkannt. Gleichzeitg bestehen aber viele überflüssige Verträge, das heißt viele Menschen sind zugleich über- und unterversichert.

Quelle: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Zuerst die Existenz sichern

Zuerst sollte man die existenzbedrohenden Risiken absichern. Wenn dann noch Geld verfügbar ist, können auch Ereignisse wie eine zerbrochene Glasscheibe versichert werden. Welche Versicherungen man wirklich braucht, hängt ganz von der Lebenssituation, von Familienstand, Alter, Besitz, Vermögen und Einkommen ab. Grundsätzlich ist der Abschluss folgender Versicherungen jedoch für nahezu alle Menschen sinnvoll und notwendig.

Platz 1

Private Haftpflichtversicherung

Diese ist ein „Muss“, denn jeder haftet für Schäden, die er anderen vorsätzlich oder fahrlässig zufügt, in nicht begrenzter Höhe. Und das kann unabsehbare finanzielle Folgen haben.

Platz 2

Berufsunfähigkeitsversicherung

Sie ist wichtig, da die berufliche Tätigkeit bei den meisten Menschen die Grundlage von Einkommen und Vermögen ist. Man sollte sie möglichst in jungen Jahren abschließen, da die Versicherer strenge Kriterien an die Gesundheit der Versicherungswilligen anlegen.

Platz 3

Kinderinvaliditätsversicherung

Um Kinder im Falle einer Invalidität finanziell abzusichern, ist eine Kinderinvaliditätsversicherung sehr wichtig. Im Unterschied zur Kinderunfallversicherung leistet eine Kinderinvaliditätsversicherung auch dann, wenn eine Krankheit zur Invalidität des Kindes geführt hat. Kinder werden viel häufiger durch eine Krankheit invalide als durch einen Unfall.

Platz 4

Risikolebensversicherung

Der Todesfall eines Partners bei Paaren bzw. des Hauptverdieners der Familie sollte über diese Versicherung in einer Höhe abgesichert werden, dass bestehende Schulden, zum Beispiel aus einem Immobilienkredit, zurückgezahlt werden können und die weitere Lebensführung der Hinterbliebenen zu finanzieren ist.
Im Unterschied zur kapitalbildenden Lebensversicherung gibt es bei der Risikolebensversicherung keine Versicherungsleistung, wenn der Versicherte bei Vertragsende noch lebt. Dadurch sind die Prämien der Risikolebensversicherung niedrig.

Platz 5

Krankenversicherung

Krankenversichert zu sein ist Pflicht. Wer die Wahl hat zwischen gesetzlicher und privater Versicherung, sollte Vor- und Nachteile dieser endgültigen Entscheidung genau abwägen.

Platz 6

Auslandsreisekrankenversicherung

Diese Versicherung empfiehlt sich für Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse vor Antritt einer Auslandsreise.

Platz 7

Gebäudeversicherung, Hausratversicherung und Kfz-Kaskoversicherung

Damit versichert man sinnvollerweise das eigene Haus, die eigene Wohnung, ein nicht allzu altes Auto und den Hausrat, die meist nicht unerhebliche Teile des Vermögens darstellen, gegen Gefahren wie Feuer oder Diebstahl ab.

Den schwarzen Peter haben nun die Kunden und die Vermittler. Sie müssen sich durch jede Menge neue Tarife durchwühlen, um am Ende die für sie beste Variante zu finden. Keine einfache Aufgabe in einem Metier, das ohnehin schon schwierig ist.

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

11.01.2013, 09:17 Uhr

Wann hat denn das letzte Mal eine Vorgabe aus dem EU-Elfenbeinturm oder von den einheimischen Politdarstellern zu einem Profitieren der breiten Masse geführt? Die begünstigen doch entweder nur ihre Lobby-Großspender oder fassen Beschlüsse, deren Folgen sie nicht überblicken.

Account gelöscht!

11.01.2013, 09:22 Uhr


Wer geglaubt hatte, dass eine Umstellung von Tarifen zu allgemeinen Vergünstigungen führt, muss mit dem "Klammerbeutel gepudert" gewesen sein.

Gast

11.01.2013, 09:28 Uhr

Die Versicherungsgesellschaft sind sicherlich aus dem Lachen nicht mehr raus gekommen als unsere EU-Rechtsgelehrten sich mal wieder als Marktregulierer profilieren wollten. Da werden ganz einfach die Tarife für die Männer auf das Niveau der Frauen gehoben und fertig ist der Unisex-Tarif, mit dickem Extra-Gewinn für die Versicherungen.

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