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11.09.2015

13:48 Uhr

Tool der Woche

Der Nerd und das Sparbuch

VonJens Hagen

Die digitalen Vorreiter unter den Deutschen sind bei der Geldanlage etwas speziell. Ihr liebstes Finanzprodukt ist das Sparbuch. Was hinter der Liebe für das traditionelle Produkte steckt und wo es hohe Zinsen gibt.

Die „Generation Internet“ steht aufs Sparbuch.

Nachwuchs-Sparer

Die „Generation Internet“ steht aufs Sparbuch.

Sie gelten als Vorreiter der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Sogenannte „Digital Natives“, 18- bis 24-Jährige, die mit dem Internet aufgewachsen sind, und „Early Adopters“. Letztere sind Technikfans, meist im Alter bis Mitte dreißig, die neue Smartphones und Tablet-Computer als Statussymbole sehen und Online-Anwendungen für diese Geräte voller Begeisterung nutzen.

Vielen klassischen Filialbankern erscheint diese Zielgruppe suspekt. Denn nicht jeder Bankberater versteht vom Internet so viel wie die jungen Kunden. Eine Studie der Postbank gibt jetzt aber Entwarnung. „Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet bei der Beratung und der Anlage bietet, verhalten sich die digitalen Deutschen in Finanzfragen noch konservativer als die Gesamtbevölkerung“, erklärt Philip Laucks, Bereichsvorstand Direktbank bei der Postbank.

Die Befragung von 3.000 digitalen Vorreitern, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, zeigt: 47 Prozent der onlineaffinen Zielgruppe besitzt ein Sparbuch. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als in der Gesamtbevölkerung. Kein anderes Anlageprodukt erfreut sich ähnlicher Beliebtheit. Nur jeder Dritte Nerd hat – ähnlich wie alle Bundesbürger – ein Tagesgeldkonto und nur jeder Fünfte besitzt ein Festgeld-Konto. Die Aktionärsquote ist mit 15 Prozent erstaunlich niedrig.

Wie kann es sein, das Menschen, die im täglichen Nachrichtenstrom aus dem Netz leben und denen weltweit alle Informationsmöglichkeiten über Geldanlage offenstehen, auf das traditionsreichste deutsche Sparprodukt setzen? Wird das Sparbuch vielleicht zu Unrecht von vielen Geldprofis belächelt?

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

„Sparbücher haben heutzutage eher einen emotionalen Wert, etwa als Geschenk für Kinder“, sagt Oliver Mihm, Vorstand der Unternehmensberatung Investors Marketing. „Im Vergleich zu flexibleren, zinsstärkeren Produkten wie Tagesgeld haben sie aktuell aber kaum eine Chance.“ Ein Vergleich der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt, welche Offerten die höchsten Zinsen bieten.

Kommentare (2)

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Herr Ben Hu

11.09.2015, 14:47 Uhr

Ernsthaft, liebes Handelsblatt? Ihr gebt die Euch die Antwort doch schon selber.

"Sogenannte „Digital Natives“, 18- bis 24-Jährige, die mit dem Internet aufgewachsen sind, und „Early Adopters“. Letztere sind Technikfans, meist im Alter bis Mitte dreißig, die neue Smartphones und Tablet-Computer als Statussymbole sehen und Online-Anwendungen für diese Geräte voller Begeisterung nutzen."

Mit anderen Worten: Schüler, Studenten, Azubis, Berufsanfänger, Nerds, also nicht gerade die Großverdiener, zumal Technik, PC, Tablet etc... auch entsprechendes Geld kostet. Woher soll dann noch das Geld kommen für Akten, Festgeld und andere Anlageformen?

Ihr seid ja echt Witzbolde.

Herr Ben Hu

11.09.2015, 14:48 Uhr

PS: Ich zähle mich zu den Early Adopters, aber ein Smartphone ist kein Statussymbol, die Technik und Kommunikation ist der interessantere Aspekt.

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