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05.12.2013

15:02 Uhr

Tool der Woche

Die gefühlte Inflation

VonJessica Schwarzer

Die Inflation in Deutschland ist extrem niedrig. Doch Experten rechnen mit einer anziehenden Teuerungsrate. Verbraucher spüren längst, dass sie weniger für ihr Geld bekommen. Berechnen Sie Ihre persönliche Inflation.

Beim Einkaufen haben viele Kunden oft das Gefühl: Es wird immer teurer. Getty Images

Beim Einkaufen haben viele Kunden oft das Gefühl: Es wird immer teurer.

DüsseldorfAlles wird teurer! So fühlt es sich zumindest an. Dass die monatlich veröffentlichte Inflationsrate etwas anderes sagt, mag der normale Verbraucher beim Blick auf seinen Kontoauszug oder auch nur den Kassenzettel im Supermarkt kaum glauben. Gerade mal um 0,9 Prozent sollen die Preise im November im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen sein. Im Oktober war die Teuerung sogar noch geringer, sie lag bei 0,7 Prozent.

Und die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet für den Euro-Raum sogar noch bis 2015 mit einer niedrigen Inflation. Nach den neuesten Prognosen vom Donnerstag erwarten die Währungshüter im laufenden Jahr eine jährliche Teuerung im Euro-Raum von 1,4 Prozent (bisher: 1,5) und 2014 von 1,1 Prozent (bisher: 1,3). Auch danach werde sich der Preisauftrieb kaum beschleunigen.

Dennoch sind viele Experten überzeugt, dass die Inflationsrate weiter steigen wird. Ulrich Kater beispielsweise rechnet mit eineinhalb Prozent Inflation im kommenden Jahr. Die zuletzt recht niedrigen Werte hätten damit zu tun, dass Euro-Land zuvor sechs Quartale lang in der Rezession gewesen sei. Das wirke sich verzögert dämpfend auf die Inflation aus. „Da die Wirtschaft aber wieder anzieht, sollte dies auch wieder leichte Impulse bei den Preisen geben“, sagt der Chefvolkswirt der Dekabank.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Frank Naab, Leiter Portfoliomanagement bei Metzler Private Banking, geht ebenfalls von einer langsam steigenden Inflationsrate aus. „Der Preisdruck entsteht jedoch nicht vordringlich aufgrund der oftmals beschworenen Liquiditätsschwemme der Notenbanken, sondern vielmehr aufgrund klassischer Kostendruckargumente“, sagt er. „Ein nur langsames Wachstum unseres Kapitalstocks, geringe Produktivitätszuwächse und steigende Löhne dürften zukünftig die wesentlichen Gründe für steigende Inflationsraten sein.“

Auch Harald Preißler rechnet mit steigenden Inflationsraten in Deutschland. „Der Lohntrend ist hier dank der günstigen Arbeitsmarktentwicklung stabil aufwärtsgerichtet. Die Konjunktur zieht an, was den Unternehmen die Preisüberwälzung erleichtert“, begründet der Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers Bantleon. „In Anbetracht dessen dürfte die deutsche Teuerungsrate bereits in der zweiten Jahreshälfte 2014 wieder die Zwei-Prozent-Marke überschreiten und 2015 stramm in Richtung 2,5 Prozent marschieren.“ Damit liegt seine Prognose über der Katers.

Metzler-Experte Naab geht sogar noch weiter: „Tatsächlich ist der Preisdruck schon heute zu spüren“, sagt er. „Lässt man die volatilen Energiepreise einmal unberücksichtigt, so hat sich die harmonisierte deutsche Inflationsrate von circa 0,5 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt knapp 1,5 Prozent beschleunigt. Für das kommende Jahr gehen wir hier von einem weiteren Anstieg auf zwei Prozent aus, bevor in 2015 Raten um die drei Prozent erreicht werden dürften.“

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

05.12.2013, 14:38 Uhr

Wir haben keine Inflation in Deutschland - eher das Gegenteil ist der Fall.
Das Einzig was permanent und überproportional immer steigt, sind die Gehälter und Gratifikationen für meine Angestellten.

PeterF

05.12.2013, 15:00 Uhr

Die Berechnungsmethode der Inflation ist doch krimineller Betrug. Wenn hier das Schönrechnen mal aufhört und die richtigen Bewertungen und der Trend über mehrere Jahre mal herangezogen wird dann erhält man auch vernünftige Zahlen. Die wollen natürlich alle, in Politk, Wirtschaft und Bankenwesen verschweigen. Es ist halt nicht angenehm wenn man jährliche Inflationsraten weit über 5% vorgelegt bekommt. Viel bequemer ist es Lustfaktoren einzuführen, daß steigert die Kompetenz und das Steueraufkommen.

Helimat

05.12.2013, 15:22 Uhr

Die betrügerische Inflationsrate ist recht einfach zu durchschauen, wenn man den Trick der staatlichen (pseudo-wissenschaftlichen) Manipulanten erst einmal kennt: Der größte Kostenfaktor MIETE wird einfach falsch gewichtet (und damit praktisch ausgelassen): Mit nur knapp über 4 Prozent an persönlichen Ausgaben werden die Mieten im Ausgabenindex gewichtet, - wo sie doch mindestens ein Drittel bis zur Hälfte des Einkommens verschlingen.
I rest my case.

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