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12.09.2013

12:05 Uhr

Tool der Woche

Die richtige Lebensversicherung finden

Die Lebensversicherung ist der Vorsorge-Klassiker im Lande. Trotz starker Kritik an den Renditen entscheiden sich viele Deutsche dafür. Sie sollten dabei auf die Kosten und die Stabilität des Anbieters achten.

Wegen der niedrigen Zinsen haben die Lebensversicherer große Probleme. Es wird immer schwerer, die einst in Aussicht gestellten Gewinne für ihre Kunden zu erwirtschaften. dpa

Wegen der niedrigen Zinsen haben die Lebensversicherer große Probleme. Es wird immer schwerer, die einst in Aussicht gestellten Gewinne für ihre Kunden zu erwirtschaften.

DüsseldorfDer Garantiezins in der Lebensversicherung soll stabil bleiben. Das hat die Finanzaufsicht Bafin gerade bestätigt. Für die Freunde von Lebensversicherungen ist das eine gute Nachricht, schließlich liegt dieser Garantiezins mit 1,75 Prozent ein gutes Stück über den aktuellen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank. So schlecht ist dieses Angebot der Lebensversicherer also nicht.

Auf den ersten Blick jedenfalls. Denn 1,75 Prozent Garantiezins bedeuten nicht, dass am Ende auf die Beiträge auch 1,75 Prozent Garantie-Rendite gezahlt werden. Der Grund: Jeder Lebensversicherer zieht zunächst seine Kosten von den Beiträgen des Kunden ab.

Ähnlich verhält es sich mit den Überschüssen, die über den Garantiezins hinaus jährlich von den meisten Anbietern gutgeschrieben werden. Daher ist es – gerade in einer Phase mit niedrigen Zinsen – so wichtig, auf kostengünstige Anbieter zu achten.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Nicht nur das. Manche Lebensversicherer treibt die aktuelle Niedrigzinsphase bekanntlich bereits in die Enge. Deshalb denkt die Politik intensiv darüber nach, wie sie der Branche unter die Arme greifen kann. Allein diese Debatte belegt, wie wichtig es ist, auf die Qualität der jeweiligen Anbieter zu achten. Ein Hilfsmittel für Kunden ist dabei das Rating eines externen Experten.

Beide Aspekte vereint unser „Tool der Woche“ zu den Kapitallebensversicherungen: Einerseits einen Hinweis, welche Anbieter aktuell die höchsten Rückläufe für die Prämie versprechen, andererseits ein Rating vom Analysehaus Morgen & Morgen. Sparer sollten dabei auf jeden Fall beachten: Dies ist nur ein erster Hinweis darauf, mit welchen Anbietern sich Interessenten näher beschäftigen sollten.

Bei der Auswahl sollten sich Vorsorgesparer auch klar werden, welches Produkt am besten für sie geeignet ist. Zwar haben die Deutschen im vergangenen Jahr sechs Millionen Verträge mit Lebensversicherern abgeschlossen. Doch was heißt das? Schließlich bietet die Branche etliche Varianten dieses Produkts an.

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Kommentare (7)

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Account gelöscht!

12.09.2013, 12:33 Uhr

Warum sollte man sich über Jahrzehnte an eine fremde Finanzverwaltung binden, die ihre eigenen Regeln gerne immer wieder neu definiert und zudem noch der Kontrolle des Staates unterliegt? Und das bei Minizinsen. Selbstbestimmt und -verantwortlich sieht komplett anders aus.
Nur Dumme machen so was.

Account gelöscht!

12.09.2013, 12:38 Uhr

Googelt doch mal §89 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz).

Schönen Tag noch
Landshark, Pirat

Wahrhaftigkeit

12.09.2013, 13:12 Uhr

Die gibt es nicht mehr. Wer auch nur einen Cent in eine LV investiert, enteignet sich doch selbst. Der BGH hat soeben ein Urteil "gefällt" im wahrsten Sinn des Wortes, dass Lebensversicherer nur die Hälfte des eingezahlten Kapitals zurückzahlen müssen, bei vorzeitiger Kündigung. Was aber, wenn eine Person unverschuldet darauf angewiesen ist, seine Altersvorsorge (LV) zu kündigen, weil diese sonst zahlungsunfähig ist? Na klar, den machen wir doch dann gleich endgültig fertig. Also jeder Cent unter ihrem Kopfkissen ist mehr wert, als bei den Geldvernichtern "die LV-Versicherungen".

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