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20.02.2014

14:27 Uhr

Tool der Woche

Die Zinsnöte der Lebensversicherer

VonJens Hagen

ExklusivDie mageren Renditen für sichere Anlagen sorgt für Unruhe bei den Versicherern. Eine Umfrage zeigt, dass viele für Turbulenzen an den Finanzmärkten noch nicht gerüstet sind. Womit Versicherte rechnen müssen.

Anlageformen

Lohnt sich die Lebensversicherung noch?

Anlageformen: Lohnt sich die Lebensversicherung noch?

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Die deutschen Versicherer haben den Ballsport für sich entdeckt. Wenn am Wochenende die Bundesliga spielt, dann oft in den Stadien mit dem Namenszug der dort ansässigen Gesellschaften. Hannover 96 spielt in der „HDI Arena“, Borussia Dortmund im „Signal Iduna Park“ und Bayern München in der „Allianz Arena“.

Das Engagement ist ziemlich teuer. Die Allianz zahlte rund 110 Millionen Euro für 8,33 Prozent der Aktien der FC Bayern München AG, Audi und Adidas halten gleich hohe Anteile. Damit sicherte sich der Versicherer auch die Namensrechte des Münchener Stadions bis zum Jahr 2041.

Solche Investments sind in Zeiten des Zinstiefs ein zweischneidiges Schwert. Kunden könnten monieren, dass angesichts sinkender Verzinsung immense Summen für ein samstägliches Spektakel verschwendet werden. „Wir haben Aktionärsgeld in den FC Bayern investiert, um damit unser weltweites Geschäft zu unterstützen, wir haben nicht Versichertengeld investiert“, rechtfertigt sich Joseph Gross, Head of Group Market Management bei der Allianz SE. „Die Überschussrendite sinkt zuallererst, weil die Geldpolitik seit Jahren eine Niedrigzinspolitik verfolgt“.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

Begriff

Die Garantiezins für die Lebensversicherungen in Deutschland wird mit Hilfe zehnjähriger Staatsanleihen im Euro-Raum ermittelt. Der Rechnungszins darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite dieser zehnjährigen Staatsanleihen betragen.

Bedeutung

Den Garantiezins müssen die Lebensversicherer auf jeden Fall zahlen. Er wird berechnet auf den Sparanteil der Prämie. Vom Beitrag werden also die Kosten des Versicherers abgezogen.

Schwankungen

Nach dem Krieg schwankte er zwischen 1,75 und vier Prozent. In den Veränderungen spiegeln sich die Änderungen der Zinslandschaft in Deutschland. In Zeiten mit hohen Garantiezinsen waren auch die Kapitalmarktzinsen sehr hoch – und umgekehrt.

Bis 1986

Bis Juni 1986: 3 Prozent

Bis 1994

Juli 1986 bis Juni 1994: 3,50 Prozent

Bis 2000

Juli 1994 bis Juni 2000: 4 Prozent

Bis 2003

Juli 2000 bis Ende 2003: 3,25 Prozent

Bis 2006

2004 bis 2006: 2,75 Prozent

Bis 2011

2007 bis 2011: 2,25 Prozent

Aktuell

Seit 2012: 1,75 Prozent, beschlossen ist nun eine Senkung auf 1,25 Prozent ab 1.1.2015

 

Abseits der Fußballplätze haben die Versicherer derzeit nur wenig Grund zum Jubeln. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Mutaree in Zusammenarbeit mit Handelsblatt Online unter 282 Versicherungs-Managern sehen neun von zehn Befragten die Entwicklung auf den Kapitalmärkten als die größte Herausforderung für die Branche.

Und für die nächsten Jahre gibt es keine Entwarnung: 94 Prozent sehen mit Sorge auf die Finanzmärkte, auf denen sie Kundengelder mit immer niedrigeren Renditen anlegen. Es gibt echte Probleme in der Branche, so verfügen bei den derzeit gültigen Kapitalanforderungen (Solvency I) mehr als ein Drittel der Lebensversicherungsunternehmen nach Aussagen des Finanzstabilitätsberichts 2013 der Deutschen Bundesbank unter einem „verschärften Stressszenario“ nicht mehr über die geforderte Solvabilität – noch schlechtere Ergebnisse sind unter Solvency II zu erwarten.

Die Branche hat Nachholbedarf. 25 Prozent der Befragten erklärten, dass ihre Unternehmen bereits Maßnahmen zur Absicherung vor Kapitalmarkt-Turbulenzen gestartet aber noch nicht abgeschlossen haben. Acht Prozent der Befragten sehen es als unwahrscheinlich an, dass ihr Unternehmen in der nächsten Zeit für die Herausforderungen an den Märkten gewappnet ist. „Die Versicherer stehen vor einem Ausleseprozess, vor allem in der Lebensversicherung“, sagt Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Mutaree. Versicherer mit guter Risikotragfähigkeit werden aber weiter Garantien geben. Mit dem Lebensversicherungs-Schnell-Check auf Handelsblatt Online lassen sich Policen individuell vergleichen.

Die niedrigen Renditen von Anleihen und Zinspapieren sorgen für große Ängste in der Branche. Drei Viertel der Befragten sehen das andauernde, historische Zinstief als eine „große Bedrohung“ für die Lebensversicherer an. Zum Vergleich: eine Verschärfung der Staatsschuldenkrise halten nur 20 Prozent für bedrohlich, ein Auseinanderbrechen des Euros fürchten nur acht Prozent der Befragten.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

20.02.2014, 14:43 Uhr

Das größere Problem könnte sein, wenn es sich mehr herumspricht, wie dumm eine solche Kapitallebensversicherung heute bereits ist.
Aber die Deutschen sind ja so ausgesprochen gewieft im Umgang mit ihrem Kapital.
Und der Strukturvertrieb witzelt weiter über seine eigenen, dummen Kunden.
Kunden, die am Nasenring der Versicherung laufen.

wissensmanufaktur_net

20.02.2014, 15:34 Uhr

Die Zinsen können systembedingt nicht mehr steigen!

Warum?

Weil es kaum noch neue Schuldner gibt die die Zinsen zahlen können!!!

Geld entsteht nur über Kredit.

Geld = Schuld

Jeder Euro/Dollar/Yen der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss plus Zinsen an die internationalen Bankster zurückgezahlt werden!!
( Privatbanken bzw. deren Eigentümer haben das Geldmonopol! )

Erst kürzlich meldete die Allianz, dass das weltweite Geldvermögen auf Rekordhöhe von 111 Bio. Euro gestiegen sei - trotz der Schuldenkrise, hieß es dann oft in Kommentaren. Dabei ist dies gar kein Gegensatz, sondern eher eine logische Konsequenz. Zu dieser Seite der Medaille hat die Allianz aber nichts gesagt: Wenn das Geldvermögen wächst, was wir alle wünschen, müssen auch die Schulden wachsen.

Unserem Geldvermögen auf der einen Seite müssen zwangsläufig ebenso hohe Schulden gegenüberstehen.

Wieviele Menschen, Unternehmen, Staaten müssen sich bei 111 Bio. Euro weltweitem Geldvermögen verschulden um die Zinsen aufzubringen?

Ein Grundübel des aktuellen Schuldgeldsystem ist das vorherrschende System des Zinses-Zins.

Anders als bei natürlichen System die linear wachsen, besteht das Zinses-Zins-System aus dem exponentiellen Wachstum der Schulden.

Am Ende dieses Systems muss der Zusammenbruch stehen, weil die Schuldner für die exponentiell angewachsenen Schulden nicht mehr aufkommen können. Damit wird auch das derzeitiges Schuldgeldsystem über kurz oder lang zusammenbrechen.

Es gibt alternative Geldsystem ohne Zinsen und Zwang zu immer mehr Wachstum.

Das Problem dabei dürfte allerdings weniger sein, dass dieses nicht funktioniert, sondern dass die bisher vom Zinssystem profitierenden Kreise eine solche Lösung nicht wünschen.

Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nie etwas über das Schuldgeldsystem der internationalen Bankster?

Mazi

20.02.2014, 15:39 Uhr

M.E. liegt das Problem in einer mangelhaften Aufsicht. Letztlich ist es eine "Aufsicht", die sich als Lobbyismus entpuppt.

Die BaFin muss statt vom Bundesfinanzministerium vom Verbraucherschutzministerium überwacht und kontrolliert werden. Die Missstände sind schon lange bekannt.

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