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15.05.2015

13:36 Uhr

Tool der Woche - Girokonten

Konto ohne Zinsen

VonElisabeth Atzler, Anke Rezmer

Die einen Banken boten sie nie an, die anderen nicht mehr – und einige doch immer noch: Zinsen auf Girokonto-Guthaben. Kontobesitzer müssen mitunter nach den Zinskonditionen suchen, doch der genaue Blick lohnt sich.

Wenige Finanzinstitute zahlen noch Zinsen für Guthaben auf Girokonten. dpa

Wenige Finanzinstitute zahlen noch Zinsen für Guthaben auf Girokonten.

FrankfurtUnternehmen müssen längst Strafzinsen in Kauf nehmen, wenn sie hohe Summen kurzfristig parken. Bei solchen negativen Zinsen bekommen die Firmen weniger Geld zurück, als sie ursprünglich auf dem Konto deponiert haben. Schuld daran ist die Europäische Zentralbank (EZB). Sie beschloss im vergangenen Herbst ihrerseits, für kurzfristig geparkte Mittel negative Einlagenzinsen zu verlangen.

Bei Privatkunden sind negative Einlagezinsen die Ausnahme. Für Aufsehen hatte Ende Oktober 2014 die Deutsche Skatbank, die Internettochter der genossenschaftlichen VR-Bank Altenburger Land, gesorgt. Sie kündigte damals an, vermögende Privatkunden – mit einem Guthaben von drei Millionen Euro - mit 0,25 Prozent Negativzinsen zu belasten.

Viele andere Geldhäuser wollen ihren privaten Kunden keinen Strafzinsen zumuten. Aber der Null-Zins auf dem Girokonto ist sehr verbreitet. „Der Guthabenzins auf dem Girokonto ist seit längerem quasi abgeschafft“, sagt Max Herbst, Chef der Frankfurter FMH Finanzberatung, die Konditionen der Finanzindustrie beobachtet. Viele zahlten nichts mehr, andere einen verschwindend geringen Zins von 0,05 Prozent, stellt Herbst fest.

Bereits vor neun Jahren stellte die Commerzbank ihr Girokonto-Angebot ab einem bestimmten Gehaltseingang gebührenfrei, Guthabenzinsen zahlte sie schon damals nicht mehr. Ein Jahr darauf folgte die Direktbank ING Diba.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Heute bekommen die Kunden auch bei vielen genossenschaftlichen Banken keinen Zins für Guthaben auf dem Girokonto mehr. Das zeigt eine Übersicht der FMH Finanzberatung. Von 30 aufgelisteten Banken und Sparkassen bieten gerade einmal noch 13 auf einem Konto Guthabenzinsen. Und die, die noch Zinsen zahlen, greifen meist auch nicht besonders tief in die Tasche. Viele geben ihren Kunden gerade mal 0,05 Prozent Zinsen - im Jahr!

„Das ist de facto nichts - ob ich einen Bruchteil eines Prozentsatzes als Zinsen bekomme oder nicht, macht dann auch keinen Unterschied mehr“, findet Berater Herbst. In der Tat: Ein Guthaben von 2000 Euro brächte dann gerade mal einen einzigen Euro Zinsen im Jahr.

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