Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2016

08:55 Uhr

Tool der Woche – Ratenkredite

Günstig ans Geld

VonJens Hagen

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank kommt bei den Kreditnehmern an. Ratenkredite sind so günstig wie nie. Wo es die besten Konditionen gibt und was Schuldner beachten sollten.

Ratenkredite sind derzeit günstig. Getty Images

Geldregen

Ratenkredite sind derzeit günstig.

Der Schreck sitzt bei vielen Kleinsparern immer noch tief. Die Europäische Zentralbank senkte am Donnerstag ihren Leitzins auf 0,0 Prozent. Der Einlagesatz für Geschäftsbanken, der gerne auch als Strafzinstituliert wird, liegt jetzt bei minus 0,4 Prozent.

Ein „monetäres End-Game werde wahrscheinlicher“, erklärt etwa Heinz-Werner Rapp, Vorstand des Analysehauses Feri. Ein Szenario, in dem Zentralbanken im Kampf gegen deflationäre Kräfte noch extremere Maßnahmen die Übernahme und Finanzierung von Staatsschulden oder eine unlimitierte Geldschöpfung einsetzen könnte sich tatsächlich realisieren.

Reaktionen auf die EZB-Entscheidung

Jan Bottermann, Chefökonom der Essener National-Bank

„Die EZB hat heute abermals ein umfangreiches Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht und setzt ihren immer expansiveren Kurs fort. So wurden die Zinssätze zurückgenommen und die QE-Maßnahmen ausgeweitet. Wir gehen davon aus, dass eine Abkehr von diesem Pfad - zumindest bis auf weiteres - nicht in Sicht ist.“

 

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Doktor Draghi hat die Dosis deutlich erhöht. Wie von uns befürchtet, hat er die Geldpolitik der EZB leider deutlicher gelockert als die meisten erwartet hatten. Diese Geldpolitik wird kaum in der Realwirtschaft ankommen. Denn die Nebenwirkungen sind massiv. Das Produktivitätswachstum lässt nach, weil auch unrentable Investitionen wegen der niedrigen Zinsen attraktiv erscheinen. Es steigt das Risiko, dass es in Deutschland am Immobilienmarkt zu Überhitzungen kommt. Außerdem wird der Anreiz für Euro-Länder gesenkt, notwendige Reformen durchzusetzen. Alles in allem verschlechtert diese lockere Geldpolitik langfristig die Rahmenbedingungen für die Unternehmen, so dass sie sich heute schon zurückhalten. Die Medizin wird nicht wirken, auch wenn man die Dosis erhöht.“

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

„Die EZB-Entscheidung bedeutet eine überraschend massive Ausweitung der Geldpolitik. Sie unterstreicht jedoch auch die Sorge der EZB über die schwächer werdende europäische Wirtschaft.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband

„Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat. Die Notenbank überzeichnet die Deflationsrisiken. Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt. Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt.“

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

„Mit ihren heute verkündeten Maßnahmen ist die EZB ihrem monetären Kurs extrem treu geblieben. Allerdings zeugt das große Bündel an Maßnahmen von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter. Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat. Die Bilanz ist ernüchternd: So ist es der EZB nicht einmal gelungen, die am leichtesten von ihr zu beeinflussenden Indikatoren in die gewünschte Richtung zu drehen.“

Liane Buchholz, VÖB-Hauptgeschäftsführerin

„Die EZB beschleunigt ihre geldpolitische Irrfahrt. Die heutige Zinsentscheidung der EZB verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer. Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden. Es ist absolut unnötig, die deutsche Kreditwirtschaft zu einer umfangreicheren Kreditvergabe zu nötigen.“

Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise

„Es handelt sich um eine weitere massive geldpolitische Lockerung. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit QE (geldpolitische Lockerung) halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Ausweitung der Anleihekäufe die Inflation nachhaltig erhöhen wird. Der Markt für Unternehmensanleihen ist in Europa zu klein, als dass sich aus deren Einbeziehung ein großer Effekt ergeben dürfte. Gleichzeitig setzt die weitere Senkung der Einlagenzinsen die Erträge der Banken noch stärker unter Druck. 

Ich halte Instrumente wie die langfristigen Kreditlinien (TLTROs), die direkt an der Kreditvergabe ansetzen, für sinnvoller als den weiteren Ankauf von Anleihen. Allerdings hängt auch hier die Wirksamkeit davon ab, ob es überhaupt eine Kreditnachfrage gibt, die zu befriedigen ist.“

Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft

„Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert. Mit größter Sorge sieht die Versicherungswirtschaft, dass die Notenbank ihre schon extrem expansive Geldpolitik noch weiter signifikant gelockert hat. Denn immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass diese monetären Anreize ihr Ziel nicht erreichen. Besonders deutlich wurde das seit Jahresbeginn auf den Aktienmärkten oder beim Euro-Wechselkurs, wo Verluste beziehungsweise eine Aufwertung im krassen Gegensatz zur Haltung der Geldpolitik standen.

Schlimmer noch: Mittlerweile ist sogar zu befürchten, dass diese unorthodoxe Geldpolitik das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich beabsichtigt ist - nämlich mehr Wachstum und eine höhere Inflation. Die Notenbank läuft daher zunehmend Gefahr, von den Risiken und Nebenwirkungen ihres Tuns eingeholt zu werden. Wir appellieren erneut nachdrücklich an EZB-Präsident Mario Draghi, die geldpolitische Strategie im Euro-Währungsgebiet im Interesse von Wirtschaft und Haushalten neu zu denken.“

„Ein solches Szenario wäre aber mit Sicherheit gefährlich für die Nullzins-geprägten Rentenmärkte und viele Währungen, letztlich also ein Todesstoß für das bisherige Finanz- und Währungssystem“, erklärt Rapp. „Das große Bündel an Maßnahmen zeuge von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter“, sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. „Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat“.

Während Sparer und Lebensversicherte das Grausen packt, bleiben Menschen mit knappem Budget eher ruhig. Sie profitieren von den niedrigen Zinsen. Die Deutschen haben laut Bundesbank einen Bestand von gut 150 Milliarden Euro an Konsumkrediten. Wie hoch das Sparpotenzial ist, zeigt ein Vergleich der FMH Finanzberatung. Im November 2011, kurz nach Amtsantritt des neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi notierte der Leitzins noch bei 1,5 Prozent. Damals kosteten Ratenkredite mit einer Laufzeit von 60 Monaten noch einen Zins von 7,5 Prozent.

Doch seitdem ist auf dem Zinsmarkt viel passiert. Achtmal wurde der Leitzins gesenkt, zuletzt ganz abgeschafft. Der Drei-Monats-Euribor – ein Referenzzins für kurzfristige Termingelder und Kredite – notiert seit Ende April vergangenen Jahres im Minus. Der Sechs-Monats-Euribor fiel im November vergangenen Jahres unter die Nulllinie.

„Da auch die Anlagezinsen für Tagesgeld und Festgeld, die einige Banken zur Refinanzierung der Ratenkredite verwenden, stark gefallen sind, mussten fast  zwangsläufig auch niedrige Kreditzinsen angeboten werden“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×