Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2016

12:34 Uhr

Tool der Woche

So sichern sich die Deutschen ab

VonChristian Schnell

Lebensversicherung, Schaden-, Unfall und private Krankenversicherung: Einen dicken Ordner mit Policen haben viele Deutsche zuhause. Dabei ticken sie in Sachen Versicherung deutlich anders als ihre europäische Nachbarn.

Der Versicherungsordner gehört zur Standardausrüstung deutscher Haushalte.

Versicherungen

Der Versicherungsordner gehört zur Standardausrüstung deutscher Haushalte.

FrankfurtDie Deutschen und ihre Versicherungen. Das ist in der Regel eine Beziehung, die zwischen dem Bewusstsein um die Wichtigkeit guten Schutzes und der ständigen Frage nach deren Kosten hin und her wabert. Und die bei den allermeisten in einen dicken Ordner im Arbeitszimmer mündet. Dort ist fein abgeheftet, was sich an Altersvorsorge und Schadensversicherung für die im Laufe eines Lebens immer höheren Ansprüche und Besitzstände angesammelt hat. Hausrat und Wohngebäudeversicherung, private Haftpflicht, Auto- und Unfallversicherung.

Viel Geld, was hier jedes Jahr zusammen kommt. Insgesamt 2387 Euro zahlte jeder Deutsche im vergangenen Jahr an seine Versicherer quer über alle Bereiche. Und damit 168 Euro mehr als 2014. Insurance Europe, der Dachverband der europäischen Versicherer, hat die Daten seiner Mitglieder gerade erst wieder abgefragt. Und dabei doch so manche nationale Besonderheit festgestellt. So sichern sich die Deutschen im kontinentalen Vergleich deutlich höher ab als die Menschen in anderen Ländern. Den erwähnten 2387 Euro pro Jahr stehen 2010 Euro gegenüber, mit denen sich die Menschen im Schnitt europaweit absichern.

Mit wem reden Sie über Ihr Geld?

Mit meinem Partner

Offen über die eigene finanzielle Situation zu reden, gilt für viele Deutsche als verpönt. Die Höhe des Gehalts geht niemanden etwas an – bis auf den eigenen Partner. Rund 59 Prozent geben in einer Umfrage von „Yougov“ an, dass sie mit ihrer besseren Hälfte über das eigene Geld reden.

Mit meinen Eltern

Doch schon bei Mama und Papa hört es für die meisten auf. 29 Prozent sagen, dass die eigenen Eltern über die finanzielle Situation Bescheid wissen dürfen.

Mit Freunden

Ähnlich verhält es sich bei den engeren Vertrauten. 28 Prozent der Befragten tauschen sich mit ihren Freunden über Gehälter aus.

Mit Verwandten (z.B. Kinder, Onkel, Tanten)

Der größere Familienkreis darf nur für weniger als ein Viertel der Befragten über das eigene Geld Bescheid wissen – 23 Prozent.

Mit Arbeitskollegen

Brisant wird es bei den eigenen Arbeitskollegen. Gehälter vergleichen nur rund sieben Prozent der Befragten.

Mit Bekannten

Ebenfalls sieben Prozent befinden, dass man die eigene finanzielle Situation auch mit flüchtig Bekannten teilen kann.

Mit niemandem

Jeder Siebte hat laut der Befragung niemanden, dem man sich in der Frage des Geldes anvertrauen kann. 14 Prozent behalten ihr Gehalt für sich.

Das mag einerseits an den besseren finanziellen Möglichkeiten der Deutschen liegen, zum anderen aber auch am hohen Sicherheitsbedürfnis, das hierzulande schon immer besonders ausgeprägt war. Selbst in Krisenzeiten haben die Menschen im Land beim Versicherungsschutz kaum Abstriche gemacht. Nur wenn es finanziell gar nicht mehr anders ging, haben sie die eine oder andere Police stillgelegt oder den Versicherungsschutz zugunsten günstigerer Beiträge reduziert. In der Regel dominierte jedoch die Einstellung, dass in unruhigen Zeiten nicht auch noch besonders viele Risiken in Eigenverantwortung getragen werden sollten.

Dennoch zeigen auch die Deutschen mehr oder weniger ausgeprägte Präferenzen für bestimmte Versicherungsklassen. Beinahe hätte man es sich denken können, dass dabei auch so manches Klischee erfüllt wird. Wenn das Auto schließlich als „das liebste Kind der Menschen im Land“ gilt, dann trifft das zwangsläufig auch auf die Kfz-Versicherung zu. 300 Euro überweisen die heimischen Autofahrer pro Jahr an ihren Versicherer und damit weit mehr als der europäische Durchschnitt mit 221 Euro. Das mag auch damit zusammen hängen, dass der Fahrzeugbestand hier deutlich jünger, hochwertiger ausgestattet und auch leistungsstärker ist als anderswo.

Wofür sparen Sie?

Handy

Dass die Deutschen ein Sparer-Volk sind, ist unumstritten. Doch wofür genau wird eigentlich gespart? Rund sechs Prozent gaben in einer „Yougov“-Umfrage an, dass sie für ein neues Handy sparen.

Unterhaltungselektronik

PlayStation 4 oder Xbox One? Acht Prozent der Befragten legen ihre Geld für eine neue Konsole zurück.

Computer

Zehn Prozent sparen auf einen neuen Computer.

Wohnungseinrichtung

Für das heimelige Gefühl bedarf es einer entsprechenden Wohnungseinrichtung. Ein Fünftel legen dafür ihr Geld zurück.

Haus oder Eigentumswohnung

An den eigenen Grundbesitz denken 25 Prozent. Sie legen ihr Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung auf die hohe Kante.

Auto

Auch für die fahrbaren Untersatz will gesorgt sein. 27 Prozent sparen auf ein neues Auto.

Alterssicherung

Für über die Hälfte der Befragten steht die eigene Zukunft an erster Stelle. 55 Prozent gaben an, dass sie für die Alterssicherung Geld zurückhalten.

Und auch ihre Schaden- und Unfallpolicen, also Hausrat-, Wohngebäude- und private Haftpflichtversicherung, lassen sich die Deutschen etwas kosten. 792 Euro sind es im Schnitt hierzulande jährlich, 574 Euro im europäischen Durchschnitt. Über 200 Euro mehr in absoluten oder 38 Prozent in relativen Zahlen verdeutlichen hierbei, wie sehr die Schere zwischen den Deutschen und dem Rest der europäischen Nachbarn auseinandergeht, wenn es um das eigene Hab und Gut geht.

Noch stärker als in diesem Bereich unterscheiden sich die Deutschen indes bei der privaten Gesundheitsvorsorge. 453 Euro ließen sie sich die zuletzt pro Jahr kosten, den Nachbarn war sie mit 207 Euro weniger als die Hälfte wert.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Percy Stuart

16.09.2016, 13:00 Uhr

Letztlich braucht mal als Einzelperson zur Existenzsicherung nur zwei Versicherungen wirklich:

1.) Berufsunfähigkeit
2.) Privathaftpflicht

Bei einer Familie mit Kind/ern kommt hinzu:

3.) Risiko-Lebensnversicherung

So sehe ich das jedenfalls.
Alle anderen Versicherungen kann man sich im Grunde schenken.

Herr Christian Kerscher

16.09.2016, 13:10 Uhr

Stellen Sie sich vor Sie sind Informatiker und verlieren bei einem Unfall beide Beine.
Sind Sie dann Berufsunfähig?? Oder Können Sie die Computerarbeit auch weiterhin, natürlich unter Anstrengungen und Umbau des Arbeitsplatzes fortführen? Ja das könnten Sie. Also wären Sie nicht Berufsunfähig laut Definition. Schöne Schei...
Bitte deutlicher Differenzieren. Pauschale Urteile sind hier nicht vorteilhaft.
Gute Beratung tut not.

Herr Christian Kerscher

16.09.2016, 13:11 Uhr

Stellen Sie sich vor Sie sind Informatiker und verlieren bei einem Unfall beide Beine.
Sind Sie dann Berufsunfähig?? Oder Können Sie die Computerarbeit auch weiterhin, natürlich unter Anstrengungen und Umbau des Arbeitsplatzes fortführen? Ja das könnten Sie. Also wären Sie nicht Berufsunfähig laut Definition. Schöne Schei...
Bitte deutlicher Differenzieren. Pauschale Urteile sind hier nicht vorteilhaft.
Gute Beratung tut not.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×