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09.01.2014

15:23 Uhr

Tool der Woche: Tages- und Festgeld

Wann Sparer wieder hoffen dürfen

VonJens Hagen

Die Politik der EZB ist Gift für Sparer und ein Ende der Niedrigzinspolitik scheint weit entfernt. Wann die Zinsen wieder steigen könnten und welche Tages- und Festgeldanbieter langfristig gute Konditionen haben.

Klare Kante: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank sorgt bei Sparern für Mini-Renditen. dpa

Klare Kante: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank sorgt bei Sparern für Mini-Renditen.

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat auch heute keine guten Nachrichten für Sparer. Der Leitzins bleibt mit 0,25 Prozent auf seinem historischen Tief. Die Währungshüter behielten den Einlagensatz bei Null und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,75 Prozent. „Ich möchte deutlich machen, dass wir ein Mandat haben, um Preisstabilität zu sichern - und zwar in beide Richtungen“, sagte Mario Draghi. Um die Gefahr einer Deflation - eines Preisverfall auf breiter Front - zu bannen, ließ die EZB ihren Leitzins niedrig.

„Der nächste Zinsschritt – nach oben – ist bei der EZB noch in weiter Ferne“, sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. „Sicherlich könnte Deutschland schon jetzt höhere Leitzinsen vertragen, aber die EZB muss sich bei ihren Entscheidungen am gesamten Euro-Raum orientieren“.

Die Konjunktur läuft aus Sicht der Zentralbanker noch nicht rund und die Inflationsrate ist mit 0,8 Prozent im Euro-Raum und 1,2 Prozent in Deutschland sehr niedrig. Die Länder der Peripherie müssten aber real abwerten, also eine deutlich niedrigere Inflationsrate als Deutschland aufweisen.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

„Da Preise und insbesondere Löhne nach unten oft starr sind, würde dieser notwendige Anpassungsprozess erleichtert, wenn die Preise in Deutschland stärker stiegen“, sagt Moryson. Die Zentralbanker hätten daher keinen Anlass, ihre Politik zu ändern.

„Anleger werden also auf ihren Sparguthaben im Jahr 2014 nichts verdienen können“, erklärt Moryson. „Wer Realverluste vermeiden will, muss Risiken eingehen. Das ist eine der negativen Nebenwirkungen der expansiven Geldpolitik der EZB.“

Womit Sparer rechnen müssen, zeigt eine Prognose von Feri Eurorating für Handelsblatt Online. „Eine geringe Bewegung nach oben werden wir 2014 bei den Zinsen sehen, es dürfte sich aber um marginale Zinssteigerungen handeln“, sagt Gudrun Rehwald, Ökonomin des Analysehauses.

Kommentare (16)

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Aktionaer

09.01.2014, 13:16 Uhr

Sparer, das Unwort des Jahres.

Es gibt sooo viele Möglichkeiten, ehrlich sein Geld dort anzulegen, wo man noch willkommen ist. Dubai, oder Singapore freuen sich, wenn Sparer kommen, um dort ihr ehrlich verdientes Geld anzulegen.

Außerdem ist das Wetter in Singapore einfach schön und
freundliche, geschäftstüchtige Menschen überall. Sauber und Drogen-frei ist das schöne Land auch.

Sponsored_by_Stupid_German_Money

09.01.2014, 13:19 Uhr

Sparer dürfen wieder hoffen, wenn die Banken wieder Gelder brauchen, so wie nach der Lehman-Pleite. Da gabs aufs 12-Monatsfestgeld bei der Deutschen Bank 5,25%.

Und wenn dann alles schön eingezahlt ist, greift der Staat zu. Wie auf Zypern.

Luzifer

09.01.2014, 13:23 Uhr

So,so, die EZB muß sich am gesamten Euro-Raum orientieren??
Und wenn 5 Mitglieder eines Sportvereins Blasenentzündung haben, muß der gesamte Verein Antibiotika fressen ? Tolle Logik, Tusch, Narhallamarsch!

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