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03.07.2015

10:22 Uhr

Tool der Woche

Wie Sie sich vor der Privatinsolvenz schützen

VonKatharina Schneider

Heute pleite, in drei Jahren schuldenfrei? Justizminister Heiko Maas hat das Ruck-Zuck-Insolvenzverfahren für Privatschuldner eingeführt. Doch es hakt. Wie Sie den Überblick über Ihre Finanzen behalten, lesen Sie hier.

Bei einer Insolvenz wird zuerst das vorhandene Vermögen verwertet. Imago

Pfandsiegel

Bei einer Insolvenz wird zuerst das vorhandene Vermögen verwertet.

FrankfurtWie schwierig es für einen Schuldner ist, sich mit seinen Gläubigern zu einigen, zeigt seit Monaten das Beispiel Griechenland. Ganz ähnlich ergeht es auch Privatleuten. Jedes Jahr betrifft das mehr als 80.000 in Deutschland. Selbst wenn sie eigentlich gerne zahlen würden, scheitern außergerichtliche Einigungsversuche häufig.

Anders als bei den Hellenen folgt dann aber ein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren. Seit einem Jahr ist eine überarbeitete Fassung in Kraft. Dadurch sollten die Schuldner „früher eine zweite Chance“ bekommen und wirtschaftlich neu anfangen können, warb damals Justizminister Heiko Maas. Tatsache ist jedoch: In der Praxis hat sich kaum etwas verändert. „Die Hürde für den schnellen Schuldenschnitt ist viel zu hoch", bilanziert Stefano Buck, Fachanwalt für Insolvenzrecht bei Schultze & Braun.

Ablauf der Privatinsolvenz

Außergerichtlicher Einigungsversuch

Bevor die Privatinsolvenz beantragt werden kann, müssen Schuldner versuchen, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen. Dabei können sie auch Unterstützung der Schuldnerberater erhalten.

Antragstellung beim Insolvenzgericht

Ist der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert, kann der Verbraucher einen Insolvenzantrag stellen. Diesem muss er die Bescheinigung einer geeigneten Stelle oder Person beilegen, die bestätigt, dass sein außergerichtlicher Einigungsversuch tatsächlich gescheitert ist.

Schuldenbereinigungsverfahren

Unter Umständen kann mit Unterstützung des Gerichts ein weiterer Versuch einer Einigung mit den Gläubigern unternommen werden.

Insolvenzverfahren

Das eigentliche Insolvenzverfahren beginnt mit der Feststellung der Vermögens- und Schuldensituation und gegebenenfalls der Verwertung vorhandenen pfändbaren Vermögens.

Insolvenzplanverfahren

Eventuell kann sich ein Insolvenzplanverfahren anbieten. Dabei können Verbraucher eine Art Sanierungsfahrplan aufstellen und darin individuell festlegen, welche Quote sie an die Gläubiger zahlen und wie viel Zeit sie dafür benötigen. Gericht und Gläubiger müssen dem Plan zustimmen.

Wohlverhaltensphase

Während dieser Phase muss der Schuldner sein pfändbares Einkommen an den Insolvenzverwalter abtreten. Er ist verpflichtet, jede zumutbare Arbeit anzunehmen und muss dem Gericht und Insolvenzverwalter wesentliche Veränderungen mitteilen. Die Wohlverhaltensphase beginnt mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens und dauert sechs Jahre. Unter bestimmten Umständen kann sie auf fünf oder drei Jahre reduziert werden.

Möglich sind Privatinsolvenzen in Deutschland seit 1999. Das Prinzip: Wenn ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern scheitert, stellt der Verbraucher bei Gericht einen Insolvenzantrag. Falls er noch pfändbares Vermögen hat, muss er dieses abgeben und damit die Verfahrenskosten oder einen Teil seiner Schulden begleichen. Sechs Jahre lang tritt er dann einen Teil seines Einkommens an die Gläubiger ab - sofern er überhaupt eines hat. Nach Ablauf dieser sogenannten Wohlverhaltensphase wird ihm die Restschuld erlassen. „Gläubiger bekommen dabei meist nur etwa fünf Prozent ihres Geldes zurück“, so Buck.

Dank der Neuregelung können Verbraucher jetzt schon nach drei Jahren schuldenfrei sein, zugleich sollen Gläubiger mehr zurückbekommen – allerdings nur theoretisch. Denn innerhalb der drei Jahre müssen die Pleitiers die Verfahrenskosten für Gericht und den Insolvenzverwalter zahlen und dazu noch mindestens 35 Prozent der Gläubigerforderungen aufbringen. „Das ist illusorisch, denn das summiert sich auf mindestens 50 bis 60 Prozent der Gesamtschulden“, sagt Birgit Höltgen, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW.

Entgegen aller Vorurteile ist maßloser Konsum keineswegs die Hauptursache für eine Überschuldung. In finanzielle Schieflage geraten Verbraucher insbesondere durch Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme wie eine Scheidung oder den Tod des Ehepartners oder durch Krankheiten und Unfälle. Zudem müssen die Schuldner häufig Unterhaltszahlungen leisten. Dennoch gilt: Um eine Überschuldung zu vermeiden, brauchen Verbraucher einen guten Überblick über ihre Ausgaben und Einnahmen. Diesen verschafft etwa ein Budget-Rechner. Hier können die Einnahmen und Ausgaben detailliert erfasst werden und am Ende wird berechnet, wie hoch die Gesamtausgaben sind.

Kommentare (1)

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Herr Max Mustermann

03.07.2015, 13:25 Uhr

Liebe Redaktion,

Warum sind eigentlich Artikel über private Insolvenzen so dermaßen schlecht recherchiert?
1. Es gibt zwei "Restschuldbefreiungsverfahren" für natürliche Personen. Bei dem Regelinsolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung ist ein Außergerichtlicher Vergleich, den eine anerkannte Person oder Stelle testieren muss, nicht vorgesehen.
2. Der schlimmste Fehler: Auslöser (nicht Ursache) für eine Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung. Nur weil jemand morgens aufwacht und feststellt, er ist krank, ist er doch noch nicht überschuldet! Ursache ist die langfristige vertragliche und wirtschaftliche Bindung des Schuldners an Vertragspartner, Banken, Energieversorger und z. B. Telekommunikationsunternehmen.

Bitte demnächst etwas mehr Tiefgang.

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