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24.10.2015

08:31 Uhr

Tücken der Scheidung

Wenn der Ex-Partner die Versicherung behält

VonAndreas Toller

Streit, Trennung, Scheidung: Neben Vermögen und Hausrat müssen auch die Versicherungsverträge aufgeteilt werden. Was Paare bei einer Trennung über ihre Policen wissen sollten.

Denn auch die Versicherungen müssen geteilt werden. dpa

Nach einer Scheidung wird es kompliziert

Denn auch die Versicherungen müssen geteilt werden.

Eine Liebesheirat gilt vielen als Ideal. Heiraten hat aber oft genug auch etwas mit ökonomischer Vernunft zu tun. Dank Ehegattensplitting können Ehepaare Steuern sparen, Hinterbliebenenansprüche sind klarer geregelt und einiges mehr. Aber Liebe hin, Steuern her, jede dritte Ehe wird trotzdem wieder geschieden – und dann geht es auch darum, die finanziellen Vorteile wieder auseinander zu dividieren.

Vielleicht geben zwei Drittel der Brautpaare auch deshalb weniger als 5000 Euro für ihre Hochzeitfeier aus, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage für den Versicherer CosmosDirekt kürzlich ergab. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Mann oder Frau die immensen Ausgaben später bereuen.

Lassen sich Trennung und/oder Scheidung jedoch nicht mehr umgehen, sollten Paare in allen Finanzbelangen reinen Tisch machen. Dabei gibt es insbesondere hinsichtlich der gemeinsamen Versicherungs- und Vorsorgeverträge einiges zu beachten.

Lebensversicherung und Rentenversicherung – kündigen kostet

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Sache im Fall einer Scheidung klar: Das zuständige Familiengericht führt bei Paaren, die länger als drei Jahre verheiratet waren, automatisch Scheidungsverfahren durch, den sogenannten Versorgungsausgleich. Dafür berechnet das Gericht die zu übertragenden Entgeltpunkte zwischen den Geschiedenen.

Schutz für besondere Lebenslagen

Kita-Ausflugschutz

Wer Angst hat, dass dem Nachwuchs auf dem Wandertag etwas zustößt, kann ihn über diese Versicherung gegen Unfälle, die zu bleibenden Schäden oder dem Tod führen absichern. Eltern sollten sich jedoch genau anschauen, wohin der Ausfug führt: Ausgenommen sind laut Versicherungsbedingungen nämlich Unfälle bei der „Benutzung von Raumfahrzeugen“.

Golferschutz

Diese Versicherung versichert den Golfer nicht nur gegen Unfälle und Beschädigungen der Ausrüstung, sondern auch gegen ein Hole-in-One. Wenn es dem Spieler gelingt, mit dem ersten Schlag den Ball ins Loch zu schießen, muss er traditionell eine Lokalrunde im Clubhaus ausgeben. Wer versichert ist, kann sich die Kosten für die Getränke erstatten lassen.

Stadionschutz

Beim Fußball kann es nicht nur bei den Spielern zu Verletzungen kommen. Wenn der Ball ins Publikum fliegt oder die Fans der gegnerischen Mannschaft eine Niederlage nicht verkraften können, kann es auch für den Stadionbesucher gefährlich werden. Wer dagegen eine Versicherung abschließt muss allerdings auf ein Bier in der Halbzeitpause verzichten. Denn für Unfälle, die unter Alkoholeinfluss stattgefunden haben, haftet die Versicherung nicht.

Mietwagenschutz

Wer im Urlaub oder für den Umzug ein Auto mietet, weiß oft nicht, dass er im Falle eines Unfalls eine Selbstbeteiligung von bis zu tausend Euro zahlen muss. Der Mietwagenschutz kann einen dagegen absichern – allerdings gilt er nicht im Ausland.

Radtourschutz

Wer kurz vor der Radtour weiche Knie bekommt, weil er keine Unfallversicherung hat, der kann einen Radtourschutz abschließen. Damit der Radfahrer nicht nur bei Unfällen abgesichert, sondern bei Diebstahl von Fahrrad oder Reisegepäck.

Bei einer privaten Altersvorsorge in Form einer Lebensversicherung liegt der Fall anders. Das fängt schon damit an, dass dem Versicherer die Scheidung nicht gemeldet werden muss. Entscheidend ist, welcher Ex-Partner die Versicherung abgeschlossen, also die Police unterschrieben hat. Dieser Inhaber des Vertrages entscheidet grundsätzlich über die versicherte Person – meist ist es der Inhaber selbst – und die begünstigte Person, die die Versicherungssumme im Todesfall der versicherten Person erhält. Ist die begünstigte Person der Ex-Partner sollte der Versicherungsnehmer also eine andere Person eintragen lassen. Ist der Ex-Partner die versicherte Person, ist es sinnvoller, den Vertrag aufzulösen oder an den Ex-Partner zu übertragen.

Gibt es keine Gütertrennung per Ehevertrag zwischen den Partnern, gilt für die Dauer der Ehe die Zugewinngemeinschaft. Diese schließt Lebensversicherungen auf Kapitalbasis mit ein. Der während der Ehe aufgebaute Kapitalstock muss also im Zuge des Zugewinnausgleichs aufgeteilt werden.

Der einfachste Weg, solch eine Police aufzuteilen ist sicher die Kündigung des Vertrags mit Auszahlung des Rückkaufwertes. Das geht allerdings regelmäßig mit hohen Verlusten für die Versicherten einher. Es empfiehlt sich daher, mit der Versicherung Alternativen zu prüfen. Zum Beispiel kann die Versicherung beitragsfrei gestellt und erst bei Fälligkeit mit Erreichen des Rentenalters aufgeteilt werden. Auch Teilkündigungen des Vertrages sind denkbar.

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