Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2016

06:57 Uhr

TV-Kritik „Hart aber fair“

Beim Geld ist sich jeder selbst der Nächste

VonJulia Rotenberger

Bankgebühren zum Wohle der Kunden? Bei „hart aber fair“ hatte diese Logik ihren Platz – genau wie jammernde Banker und hilflose Politiker. Die Kernfrage, ob sich Banken auf Kosten der Kunden retten, blieb dabei offen.

Heftig diskutiert: Müssen Sparer das Zinstief ausbaden, um Banken zu Gewinnen zu verhelfen? dpa

Heftig

Heftig diskutiert: Müssen Sparer das Zinstief ausbaden, um Banken zu Gewinnen zu verhelfen?

MoskauDie Frage des Abends kam zum Schluss: „Stellen Sie sich vor, ihre Mutter würde ihr Erspartes sicher anlegen wollen. An wen von den Gästen würden Sie sich wenden?“, fragte Moderator Frank Plasberg die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am Ende seiner Talkshow „hart aber fair“ am Montag. Thema: „Minuszinsen, Extra-Gebühren – retten sich die Banken auf Kosten der Kunden?” Wagenknecht schaute verdutzt, antwortete, dass sie ihre Eltern selbst beriete und zog damit etwas unfreiwillig das Fazit der Sendung: Beim Thema Geld ist nur aufs eigene Geschick Verlass.

Die Runde der möglichen Anlageberater konnte sich durchaus sehen lassen: Neben Wagenknecht teilten sich der Chef des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, Finanztest-Chefredakteur Heinz Landwehr und der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, die roten Sitze. Nur: Etwas, was Kunden ihr Erspartes wieder mit Zuversicht zur Bank bringen ließe, haben die Gäste nicht gesagt. Stattdessen: Banker-Gejammer und hilflose Politik-Statements.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Nach 75 Talk-Minuten verfestigte sich beim Zuschauer der Eindruck, dass die Geldpolitik der niedrigen Zinsen Mario Draghis hat die Bankenwelt sehr, sehr traurig gemacht. Wie passend, dass Moderator Plasberg den bevorstehenden Weltspartag (28. Oktober) kurzerhand zum „Geld-Trauertag” erklärte. Besonders betroffen präsentierte sich Chef-Genosse Uwe Fröhlich. Worte wie „leiden“ und „getroffen sein“ kamen so häufig von seinen Lippen, dass man am Ende fast geneigt war, den Mann zu trösten.

„Wir leiden alle unter der Niedrigzinspolitik der EZB“, sagte er in einem Ton, als seien Geldhäuser zarte Lebewesen, deren Gefühle verletzt werden könnten. Da müsse man auch verstehen, dass man als Kunde in dieser Situation kein Recht auf ein kostenloses Konto hätte. Und überhaupt: Für ein so gut ausgebautes Filialnetz, wie die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken es hätten, solle man „bitteschön auch bezahlen”. Ein Recht auf ein kostenloses Konto ließe sich auch in einer sozialen Marktwirtschaft nicht durchsetzen. Kritik an der Gebührenpolitik einzelner Institute, etwa an der Volksbank Ermstal-Alb, die von ihren eigenen Kunden Geld fürs Geldabheben verlangt, findet Fröhlich „unfair”.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.10.2016, 09:57 Uhr

Das stimmt nicht!
Ansonsten würde der Deutsche Stromverbraucher schon längst auf die Barrikaden gehen da dieser durch die Energiewende=EEG über beide Ohren ausgenommen wird.
Es bezahlt mit der EEG und anderen sog. Erneuerbaren Energie Umlagen die erst durch die Energiewende Politik zum Tragen kommen über 10 ct/kwh mehr. Jahr für Jahr lässt sich also der Deutsche Strombezieher einige hundert Euro aus der Tasche ziehen für ein Produkt das er weder nachgefragt noch braucht.
Entweder ist der Deutsche verdammt dumm oder es liegt ihm nichts an seinen hart erarbeiteten Einnahmen. Ansonsten verstehe ich nicht warum der Deutsche sich durch die Energiewende Mafia = EEG bestehlen lässt.

Herr Heinz Keizer

25.10.2016, 10:21 Uhr

Kam die Sendung eigentlich aus Moskau, oder warum steht das am Anfang? Mit Ethik sollte der Herr NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans vorsichtig sein. Vielleicht ist es ja auch nicht ethisch als Hehler von Steuerdaten aufzutreten? Es war schon immer falsch, Konten gebührenfrei zu führen. Es wird eine Dienstleistung erbracht, die auch bezahlt werden muß. Wenn es nicht derjenige zahlt, der sie in Anspruch nimmt, müssen die Kosten quersubventioniert werden. Kein Wirtschaftsunternehmen, und das sind Banken, kann auf Dauer etwas verschenken. Wenn die Politik das alles geregelt sehen möchte, kann sie das ja machen. Sie hat die Macht dazu. Dann sollte sie sich aber nicht weiterhin das Mäntelchen der Sozialen Marktwirtschaft umhängen.

Rainer von Horn

25.10.2016, 10:49 Uhr

Was bei der Sendung nicht gesagt wurde: ganz Südeuropa braucht einen SCHULDENSCHNITT. Insbesondere Draghis Heimatland Italien. Und was sind negative Marktzinsen -welche Draghis EZB im Anleihegeschäft durch die massenhaften Anleihekäufe durchsetzt- denn anderes als ein Schuldenschnitt? Nur eben auf Raten. Das Dumme daran ist jedoch, dass natürlich die Banken diesen Schuldenschnitt auf Raten dauerhaft nicht tragen können. Dafür ist ihre Finanzkraft viel zu schwach. Ergo wird irgendwann der Punkt kommen, an dem die EZB-Minuszinsen dem Kunden belastet werden müssen, will man nicht zuerst die Ertragslage und dann die Kapitalbasis des europäischen Bankenapparats zerbomben. Dass man gleichzeitig anfängt das Bargeld aus dem Verkehr zu ziehen, passt ins Bild. Der Bürger soll nicht ausweichen können.

Und an dem Punkt sind dann die Politiker fein raus, die dem Bürger dann nicht die "vermögensabgabe" zur Finanzierung der politischen Wahlgeschenke der letzten Dekaden erklären müssen, sondern mit wachsender Begeisterung auf die Unverschämtheit "der Banken" einprügeln werden.

SO kann man es auch machen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×