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20.12.2012

12:22 Uhr

Überschussbeteiligung

Die nächsten Lebensversicherer knausern

VonThomas Schmitt

Weitere Branchengrößen bestätigen den Negativtrend in der Lebensversicherung und senken ihre Überschussbeteiligung. Dazu zählen die Debeka, der größte Sparkassenversicherer VKB und der Deutsche Ring.

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen: "Mit einer Gesamtverzinsung von deutlich über vier Prozent bieten wir unseren Mitgliedern eine unverändert ausgezeichnete Verzinsung." dpa

Uwe Laue, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungen: "Mit einer Gesamtverzinsung von deutlich über vier Prozent bieten wir unseren Mitgliedern eine unverändert ausgezeichnete Verzinsung."

DüsseldorfFast kein Tag vor Weihnachten vergeht ohne eine schlechte Nachricht von den Lebensversicherungen. Selbst die von Analysten hochgelobte Debeka aus Koblenz rutscht nun mit ihrer Überschussbeteiligung unter die magische Marke von vier Prozent, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Versicherungsverein aus Koblenz liegt nun nahe am Branchenprimus Allianz - im Durchschnitt der Branche. Noch drastischer ist der Rückzug des größten Sparkassenversicherers, der Versicherungskammer Bayern. Und auch der Deutsche Ring senkt und könnte sogar unter dem Branchenschnitt landen.

Die Debeka erklärt: Die laufende Gesamtverzinsung – einschließlich des Garantiezinses – werde für 2013 auf 3,7 Prozent gesenkt. Für 2012 waren es noch 4,1 Prozent, also 0,4 Prozentpunkte mehr. Diese Anpassung der Überschussbeteiligung sei aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus notwendig. Das ist die Standardantwort in der Branche für derartige Anpassungen.
Die Debeka liegt damit wohl im Branchenschnitt, den Analysten auf 3,6 bis 3,7 Prozent für die Überschussbeteiligung schätzen. Gleichwohl sieht sich der Versicherer selbst noch „in der Spitzengruppe der deutschen Lebensversicherer“.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Als Grund führt Debeka die gesamte Verzinsung für auslaufende Policen in der Lebens- und Rentenversicherungsverträge an. Für den größten Teil der Verträge betrage die Gesamtverzinsung einschließlich des Schlussüberschusses und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven dann 4,4 bis 4,5 Prozent. Bisher waren es 4,7 bis 4,8 Prozent. Hinzu komme bei ablaufenden Verträgen die zusätzliche Beteiligung an Bewertungsreserven, die beim gegenwärtigen Marktzins den Auszahlungsbetrag nochmals um mehr als 5 Prozent erhöhe.

Einen wichtigen Grund für die Reduzierung sieht die Debeka in der unveränderten Gesetzeslage bezüglich der Beteiligung der Versicherten an den so genannten Bewertungsreserven. Wertpapiere mit stillen Reserven hätten einen höheren Zins als den Marktzins; dieser höhere Zins werde den Versicherten über die laufende Zinsüberschussbeteiligung weitergegeben. Da seit dem Jahr 2008 die Bewertungsreserven, die auf einen Versicherungsvertrag entfallen, bei Beendigung dieses Vertrags zur Hälfte ausgeschüttet werden müssten, ständen seither weniger Mittel für die reguläre Überschussbeteiligung zur Verfügung.

So funktioniert der Teufelskreis der Altersvorsorge

1. Schritt

Kleinsparer investieren ihr Geld bei einem Finanzdienstleister.

2.Schritt

Der Finanzdienstleister kauft von dem Geld schlechtverzinste Bundesanleihen.

3. Schritt

Die Schuldenquote Deutschlands sinkt; der Finanzminister jubelt.

4. Schritt

Die Politik gewährt dem Finanzdienstleister Vergünstigungen; Unternehmen und Aktionäre jubeln.

5. Schritt

Die Sparergebnisse sind schlecht, die Kleinsparer jubeln nicht.

6. Schritt

Die Politik fordert die Bürger auf, noch mehr Altersvorsorge zu betreiben, weil die Sparergebnisse ja so schlecht sind und nicht ausreichen.

7. Schritt

Kleinsparer investieren noch mehr Geld bei einem Finanzdienstleister. Danach geht es zurück zum 1. Schritt.

Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungen, erklärte dazu: „Bewertungsreserven an festverzinslichen Wertpapieren sind Luftbuchungen, sie lösen sich im Zeitverlauf automatisch auf. Die ablaufenden Versicherungsverträge daran zu beteiligen, schädigt das Kollektiv der verbleibenden Mitglieder.“ Laue hofft, dass eine entsprechende Entscheidung im Vermittlungsausschuss fällt. Dorthin hat der Bundesrat gerade die aktuelle Gesetzesvorlage verwiesen.

Kommentare (13)

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VWZ

20.12.2012, 13:20 Uhr

Versicherungsgesellschaften und Banken sind die einzigen Shops ohne Preisschilder. Politik bitte handeln und Transparenz schaffen! Verbot aller Provisionen und auf jedes Finanzprodukt ein Preisschild in Euro und Cent kleben. Dann können die Kunden endlich entscheiden ob ihnen der Verkauf einer Versicherung tausende von Euro Wert ist.

Account gelöscht!

20.12.2012, 13:48 Uhr

Was Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun hat, erschgließt sich mir nicht wirklich.

Warum gehen Sie nicht einfach so vor, dass Sie jeden im HB veröffentlichten Artikel einfach mit

'Alle Banken, Versicherer und Vermittler sind Verbrecher'

kommentieren und dies dann 200 Mal am Tag per Copy&Paste an alle Artikel dranhängen...???

Was den Artikel selbst angeht:

Man hätte auch die Überschrift so wählen können:

'Trotz Tiefstzinsen am Markt schaffen Lebensversicherer meist noch deutlich mehr als 3%'.

Was an den neu festgelegten Gewinnzuweisungen eine 'schlechte Nachricht' sein soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Die 10-jährige Bundesanleihe reniert bei 1,3%, warum sollen dann 3,7% schlecht sein (selbst dann, wenn nach Kosten nur 3,0% übrig bleiben??).

Hinzu kommt, dass sich bei lang laufenden Lebensversicherungen oftmals eine deutlich bessre 'Restlaufzeitrendite' bis zum Ablauf ergibt; in vielen Berechnungen, die ich dieser Art durchgeführt habe, kommt man auf über 5%.

Account gelöscht!

20.12.2012, 15:40 Uhr

Richtig, Kommissar. Aber Das Handelsblatt hat sich längst von einer seriösen Berichtserstattung verabschiedet.

Das Thema Lebensversicherung kommt mittlerweile fast täglich. Vermutlich buchen die Versicherer zu wenig an Werbefläche beim HB.

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