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04.11.2014

09:28 Uhr

Unfallversicherung

Hautkrebs wird zur Berufskrankheit

Viele Hautkrebspatienten sollen ab Januar von ihrer Unfallversicherung betreut werden. Die Leistungen können weit über das hinausgehen, was die Krankenkassen zahlen. Allerdings profitieren nicht alle Berufsgruppen.

Hautkrebsvorsorgeuntersuchung: Mit der Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit können Betroffene mit deutlich mehr Unterstützung der Versicherungen als bisher rechnen. dpa

Hautkrebsvorsorgeuntersuchung: Mit der Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit können Betroffene mit deutlich mehr Unterstützung der Versicherungen als bisher rechnen.

BerlinDie Gesetzliche Unfallversicherung ist ein Baustein der Sozialversicherung. Beiträge zahlen allein die Arbeitgeber. Damit wird zum Beispiel die Haftung bei Arbeitsunfällen abgesichert. Neben Unfällen ist die gesetzliche Unfallversicherung auch für Berufskrankheiten zuständig. Die amtliche Liste der Berufskrankheiten umfasst derzeit mehr als 70 Leiden, die nachweislich durch den Job entstanden sind - zum Beispiel die klassische Staublunge.

Ab Januar sollen eine Form des hellen Hautkrebs (Stachelzellkrebs) und Vorstufen davon (aktinische Keratosen) erstmals in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden. Damit haben alle Berufe die zum größten Teil an der freien Luft ausgeübt werden - von der Baubranche bis zur Seefahrt - einen geregelten Anspruch drauf, dass ihr Hautkrebs-Fall von der Unfallversicherung geprüft wird.

Dazu leitet in der Regel ein Hautarzt seine Diagnose in Form einer Ärztlichen Anzeige an die Unfallversicherung weiter. Wird sein Fall anerkannt, bekommt der Patient die Behandlungskosten nicht länger von seiner Krankenversicherung, sondern von der Unfallversicherung erstattet. Die Leistungen können dabei weit über das hinausgehen, was private oder gesetzliche Krankenkassen zahlen. Möglich sind auch Renten und Entschädigungen. Die Ansprüche gelten auch noch für Rentner.

FAQ – die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Berufsunfähigkeitsschutz

Welche Leistungen bieten gute Tarife?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in der Regel nicht, um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Eine private Berufsunfähigkeitspolice kann die Lücke schließen. Bei einem guten Tarif sollte die Rente mindestens 75 Prozent des alten Einkommens erreichen. Die Wahl der Versicherungssumme hängt aber auch von der wirtschaftlichen und familiären Situation ab. Außerdem sollten sich die Leistungen mit höheren Lebenshaltungskosten nach oben entwickeln.

Je früher der Vertrag abgeschlossen wird, desto günstiger sind die Beiträge und desto einfacher ist es, sie tatsächlich zu bekommen. Denn mit zunehmendem Alter und bei ersten Vorerkrankungen ist ein Versicherungsschutz oft nur mit hohen Zuschlägen oder überhaupt nicht mehr erhältlich.

Wo drohen gefährliche Deckungslücken?

Der Versicherungsvertrag sollte die Zeit bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn abdecken. Bei einer kürzeren Versicherungsdauer besteht zwischen dem Vertragsende und dem Beginn der Altersrente eine Lücke, die die Versicherten im Ernstfall mit eigenen Ersparnissen decken müssen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Empfehlenswert sind Tarife, bei denen die Berufsunfähigkeitsrente dynamisch nach oben angepasst wird. Nur so lässt sich ein steigender Kapitalbedarf und Lebensstandard abbilden. Das ist zum Beispiel nach einer Familiengründung wichtig.

Was sollte im Vertrag festgelegt sein?

Der private Berufsunfähigkeitsversicherer sollte auch dann zahlen, wenn der eigene Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Oft finden sich Klauseln in den Vertragsbedingungen, die die Versicherung von dieser Leistungspflicht freistellen – abstrakte Verweisung genannt. Dabei versucht der Versicherer, den Kunden auf einen anderen Beruf zu verweisen. Diese Klausel sollte nicht in den Vertragsbedingungen stehen.

Wichtig ist auch, dass der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkennt, wenn ein Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert. Denn viele Ärzte halten sich mit längerfristigen Prognosen zurück. Der Versicherer sollte zudem auch rückwirkend bezahlen, wenn die Berufsunfähigkeit zunächst nicht eindeutig feststand, aber ein Arzt sie nach mehr als sechs Monaten attestiert. Eine rückwirkende Zahlung von bis zu drei Jahren ist möglich.

Der Vertrag sollte auch eine Nachversicherungsgarantie enthalten. Demnach kann der Versicherte seinen Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung erweitern. Ein Grund wäre zum Beispiel eine Familiengründung.

Welche Pflichten hat der Versicherte?

Zu den Pflichten des Versicherten zählt die wahrheitsgemäße Angabe von Krankheiten beim Abschluss des Vertrages. Wer Krankheiten oder Risiken verschweigt, riskiert im Ernstfall den Verlust des Versicherungsschutzes. Denn Versicherer prüfen im Leistungsfall fast immer nach, ob eine Vorerkrankung schon vor dem Vertragsabschluss vorlag.

Außerdem muss der Versicherte den möglichen Leistungsfall unverzüglich nachweisen. Er muss den Grund für seine Berufsunfähigkeit angeben sowie ausführliche Berichte der Ärzte vorlegen. Er muss die behandelnden Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden. In der Regel schalten die Versicherer Gutachter ein. Entzieht sich der Versicherte der Aufforderung zur Nachuntersuchung und hat dafür keine triftigen Gründe, dann ist der Versicherer für den Zeitraum der Verweigerung von der Leistungspflicht befreit.

Wann lohnt sich ein Anbieterwechsel?

Ein Wechsel macht nur Sinn, wenn sich bei ansonsten gleichen Bedingungen eine Beitragsersparnis ergibt. Das ist durchaus möglich, allerdings wird bei einem Wechsel des Anbieters der Gesundheitszustand erneut überprüft. Zudem richtet sich die Höhe der Beiträge auch nach dem Eintrittsalter des Versicherungsnehmers. Zwischenzeitlich eingetretene Erkrankungen erschweren den Wechsel zu besseren Konditionen. In einem solchen Fall kann es zu hohen Risikozuschlägen, dem Ausschluss von Krankheiten oder gar zu einer Ablehnung kommen. Die Kündigung der alten Police sollte auf jeden Fall erst dann erfolgen, wenn die Aufnahmeerklärung der neuen vorliegt. Andernfalls laufen Versicherte Gefahr, keinen Versicherungsschutz mehr zu haben.

Welche Alternativen gibt es?

Ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durch eine Vorerkrankung ausgeschlossen, bleiben als Alternative noch andere Versicherungsarten. Allerdings können sie die Risiken nicht so umfassend abdecken wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Bei der Dread-Disease-Versicherung werden vor dem Versicherungsbeginn Krankheiten wie zum Beispiel Krebs oder Schlaganfall definiert. Treten diese Krankheiten ein, zahlt die Versicherung einen eimaligen Geldbetrag – unabhängig von einer eventuellen Genesung. Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung springt ein, wenn der Versicherte überhaupt keine Tätigkeit mehr ausüben kann. Wer teilweise berufsunfähig ist, bekommt kein Geld.

Eine weitere Alternative ist die Grundfähigkeitenversicherung. Hier wird eine monatliche Rente bezahlt, wenn zum Beispiel eine Erblindung eingetreten ist. Als Alternative zur Berufsunfähigkeitspolice wird oft die Unfallversicherung genannt. Allerdings sind Unfälle nur in zehn Prozent der Fälle die Ursache einer Berufsunfähigkeit. 

Wie kann man die Versicherung kündigen?

Gekündigt werden kann jeweils zum Ende des Versicherungsjahres. Bei Ratenzahlung ist auch eine Kündigung zum Ende jedes Zahlungsabschnitts möglich – allerdings erst nach Ablauf des ersten Versicherungsjahres. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Bei einer Zusatzversicherung, wenn also der Vertrag beispielsweise an eine Risikolebenspolice gekoppelt ist, ist die Zusatzpolice an den Hauptvertrag gebunden. Beide Verträge können nur gemeinsam beitragsfrei gestellt werden. Eine separate Kündigung ist im Prinzip möglich, aber in der Regel nicht mehr in den letzten fünf Jahren vor Vertragsablauf.

Eine Kündigung sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Zum einen werden die bereits bezahlten Beiträge meist nicht erstattet. Zum anderen ist der Abschluss einer neuen Berufsunfähigkeitspolice in der Regel teurer, weil sich die Beiträge auch nach dem Eintrittsalter richten. Zudem muss eine erneute Gesundheitsprüfung durchgeführt werden. Und ab einem gewissen Alter und bei chronischen Krankheiten besteht die Gefahr, dass Versicherer Anträge ablehnen.

Versicherte achten daher auf einen nahtlosen Übergang. Wer beispielsweise die alte Versicherung fristgerecht kündigt und die neue Police nicht rechtzeitig abschließt, steht unter Umständen ohne Versicherungsschutz da.

Hautkrebs schlägt bei der Unfallversicherung bisher in Zusammenhang mit Teer nur mit 1,7 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Mit der Aufnahme in die Liste der Berufskrankheiten rechnet die DGUV mit rund 20,5 Millionen Euro pro Jahr bis 2020. Hautkrankheiten machen bisher insgesamt rund 98,2 Millionen Euro im jährlichen Budget aus.

Überwiegend handelt es sich dabei um Handekzeme, die an Arbeitsplätzen wie Friseur, Krankenpflege, Metall, Bau und Reinigung auftreten. Die Unfallversicherung arbeitet mit einem Umlageverfahren und kommt pro Jahr auf Ausgaben von rund 12 Milliarden Euro. Reicht die Umlage nichts aus, müssen die Beiträge erhöht werden.

Von

dpa

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