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29.11.2012

12:45 Uhr

Urteil

Bank darf Gratis-Konto nicht einfach umstellen

Wenn die Bank ein Gratis-Konto in ein Bezahlkonto umwandelt, muss der Kunde zustimmen, sein Schweigen gilt nicht als Einverständnis. Verbraucherschützer hatten gegen die Santander Consumer Bank geklagt - und gewonnen.

Wenn ein Konto umgestellt wird, muss der Kunde zustimmen. dpa

Wenn ein Konto umgestellt wird, muss der Kunde zustimmen.

Berlin/MönchengladbachEine Bank darf Verträge mit ihren Kunden einem aktuellen Urteil zufolge nicht ohne deren ausdrückliche Zustimmung ändern. Das entschied das Landgericht Mönchengladbach nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Santander Consumer Bank, wie der vzbv am Mittwoch mitteilte. Die Santander hatte im Frühjahr Schreiben an Kunden verschickt, in denen sie mitteilte, bislang kostenlose Girokonten auf ein künftig kostenpflichtiges Kontomodell umgestellt zu haben (Az. 8 O 62/12).

Nach Angaben des Gerichts vom Montag und der Verbraucherschützer hatte die Bank den betroffenen Kunden im Mai mitgeteilt, ihr Konto bleibe nach der Umstellung in den ersten zwölf Monate zunächst kostenlos. Danach falle für das sogenannte Premium-Konto eine Kontoführungsgebühr von 5,99 Euro im Monat an. Zugleich wurde demnach den Kunden mitgeteilt, sie könnten innerhalb von acht Wochen Widerspruch einlegen sowie nach Ablauf der zwölf Monate das Konto kündigen.

Die versteckten Kosten der Girokonten

Kontoführungsgebühr

Mehr als 50 Banken verzichten aktuell auf dien Kontoführungsgebühr, wie eine Studie der FMH Finanzberatung fürs Handelsblatt ergab. Große Filialbanken langen auch weiterhin zu. Die Deutsche Bank erhöhte ihre Sätze für das Aktiv-Konto etwa im vergangenen Jahr von 4,49 Euro auf 4,99 Euro pro Monat.

Untergrenzen beim Gehalt

Viele Gratiskonten gibt es nur, wenn der Kontoinhaber gewisse monatliche Gehalts- oder andere Geldeingänge vorweisen können. Die Spanne liegt zwischen 600 und 1500 Euro. Wenn Kunden diese Latte nach einigen Monaten oder Jahren reißen, werden die vollen Kontogebühren fällig.

Kreditkarte I

Plastikgeld ist bei vielen Gratiskonten nicht kostenfrei. Bis zu 30 Euro Gebühr pro Jahr kann die Kreditkarte kosten.

Kreditkarte II

Noch teurer wir es am Automaten. Wer in Deutschland Geld zieht, muss bis zu drei Prozent des Betrages abführen, als Mindestgebühr werden fünf Euro fällig.

Kreditkarte III

Außerhalb des Euroraums müssen viele Kunden mit Auslandseinsatzentgelten und Wechselkosten rechnen.

EC-Karte I

Auch für die Maestro-Karte müssen Kunden bei einigen Banken zahlen. Bis zu sieben Euro werden für die EC-Karte fällig. Kunden müssen eine solche Karte haben, damit sie am Automaten Geld abheben können.

EC-Karte II

Wer am fremden Automaten Geld zieht muss vielfach mit Kosten rechnen. Fünf Euro Mindestgebühren sind immer noch vielfach üblich. Die Belastung wird am fremden Automaten angezeigt.

Überweisungen

Überweisungen am Schalter sind bei vielen Instituten nicht kostenfrei. Kunden von einigen Internetbanken müssen auch am fremden Automaten zahlen. Bei Filialbanken sollten Kunden immer den Automaten nutzen.

Schecks

Auch bei der Einreichung von Schecks greifen die Banken zu. Bei 17 von 50 Gratiskonten werden laut FMH Gebühren von bis zu 2,50 Euro fällig.

Kontoauszüge

Gute Nachricht für Bankkunden: Noch vor einigen Monaten war es üblich, dass Banken Kontoauszüge ungefragt verschickt haben, wenn der Kunde den Stand nicht regelmäßig selber abgerufen hat. Ein höchstrichterliches Urteil untersagte der Deutschen Bank aber diese Praxis.

Das Gericht sah in der Vorgehensweise der Bank eine Irreführung der Kunden, wie der vzbv mitteilte. In dem Schreiben habe das Institut "den fehlerhaften Eindruck" erweckt, es sei ohne ausdrückliche Zustimmung der Kunden berechtigt, das Konto einseitig auf ein anderes Modell umzustellen.

Dem Urteil des Gerichts zufolge bedarf es aber "für eine Vertragsänderung übereinstimmende Willenserklärungen beider Parteien". Zwar bedürfe es für eine Vertragsänderung keiner ausdrücklichen Annahmeerklärung. Es genüge "schlüssiges Verhalten". Jedoch sei das reine Schweigen eines Vertragspartners im Rechtsverkehr nicht als Willenserklärung anzusehen. Daneben sei die angebotene Umstellung für Kunden "nicht als ausschließlich rechtlich vorteilhaft" zu bewerten, da die Konten nach zwölf Monaten kostenpflichtig würden.

Der vzbv begrüßte das Urteil. Verbraucher müssten "die Chance haben, bei unvorteilhaften Änderungen aus Verträgen auszusteigen", erklärte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Urteil des Landgerichts Mönchengladbach habe dies bestätigt.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

"Wenn Unternehmen ihre Verträge jederzeit automatisch zu Lasten der Verbraucher ändern dürften, würden sie mit kostenlosen Angeboten nur noch angelockt und müssten später doch zahlen", erklärte Billen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Bank kann Berufung einlegen. Die deutsche Tochter der spanischen Banco Santander ist unter anderem auf Konsumentenkredite spezialisiert, bietet aber auch Girokonten an.

Von

afp

Kommentare (4)

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Numismatiker

29.11.2012, 13:19 Uhr

"Bank darf Gratis-Konto nicht einfach umstellen"

Es wird sich irgendwo ein korrupter Richter finden, der auch das in Frage stellt.

anonym

29.11.2012, 14:03 Uhr

Es muss sich kein Richter finden.
Da lt. Artikel das Konto erst in 12 Monaten auf kostenpflichtig umgestellt wird, hat der Kunde 12 Monate Zeit, ein neues Girokonto zu eröffnen.
Die Veränderung von Preisen und das Vergleichen auf Verbraucherseite sehen wir übrall als positiv (siehe Kfz-Versicherungen zum 30.11. jeden Jahres kündigen).
Wenn einem Kunden so eine Mitteilung nicht passt, hat er ja Zeit zu widerrufen oder sein Konto gleich zu kündigen.
Damit müssen wir kein Gericht belästigen!

ohje

29.11.2012, 15:19 Uhr

wozu überhaupt kostenlose konten?
man nimmt eine dienstleistung in anspruch - also muss man dafür auch zahlen!

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