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27.07.2012

12:52 Uhr

Verbraucherschützer

„Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“

VonJens Hagen, Thomas Schmitt

Der Verbraucherschützer Axel Kleinlein gilt als schärfster Kritiker der Branche. Im Interview verrät er, warum Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Rente nichts taugen und mit welchen Allianz-Vorständen er sich duzt.

„Die sehr niedrige und zum Teil sogar sinkende Überschussbeteiligungen sind kein Zeichen für eine Schwäche der Unternehmen, sondern ein Zeichen der Schwäche der Produkte. Die Unternehmen haben die Chance, die Probleme an den Kapitalmärkten durch die Überschussbeteiligung auf die Kunden abzuwälzen.“Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten Frank Beer für Handelsblatt

„Die sehr niedrige und zum Teil sogar sinkende Überschussbeteiligungen sind kein Zeichen für eine Schwäche der Unternehmen, sondern ein Zeichen der Schwäche der Produkte. Die Unternehmen haben die Chance, die Probleme an den Kapitalmärkten durch die Überschussbeteiligung auf die Kunden abzuwälzen.“

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten

Herr Kleinlein, unter Versicherern gelten Sie als einer der meistgehassten Menschen der Republik. Wie lebt es sich mit diesem Ruf?
Wie meinen Sie das? Ich glaube nicht, dass ich so gehasst werde.

Sie gelten als schärfster Kritiker der Versicherungsbranche, einer der mächtigsten Industrien des Landes…
Einige Vorstände mögen mir nicht immer gut gesonnen sein. Von der Basis der Versicherungsbranche erhalte ich aber viel Zuspruch. Ich besuche etwa häufiger Veranstaltungen für Vermittler. Die sind dankbar, dass ich ihnen die Produkte erkläre. Wer versteht schon einen zweifach gesicherten Dreifach-Hybrid? Die Gesellschaften lassen den Vertrieb ja bewusst in Unwissenheit.

Wieso?
Damit sie diese Produkte ohne Gewissensbisse verkaufen können. Nicht nur der Kunde ist der Gelackmeierte, auch der Vermittler. Vermittler sollten bessere Produkte einfordern.

Sie kritisieren vor allem die Riester-Rente scharf. Was ist eigentlich so schlimm daran, dass der Staat die private Altersvorsorge fördert?
Die Einführung wurde mit Jubel von allen Seiten begleitet. Mit einigem Abstand müssen wir aber feststellen: Die Riester-Rente ist mittlerweile ineffizient. Anleger können heute ihr Geld in vielen Fällen genauso gut in einen Sparstrumpf legen. Das wäre ähnlich ineffizient. Die Branche bietet keine Produkte an, die es wert wären gefördert zu werden. Das ist ein Problem.

Analyse: Was Versicherer alles falsch machen

Analyse

Was Versicherer alles falsch machen

Die Verbraucherschützer vom Bund der Versicherten machen aktuell mobil gegen die Versicherungsbranche. Handelsblatt Online analysiert was die Verbraucherschützer kritisieren und wie valide die Kritik ist.

Warum?
Jeder Euro, der in die Förderung geht, muss von einem Steuerzahler abgeführt werden. Das Projekt lohnt sich volkswirtschaftlich nicht. Und das Risiko der Altersarmut wächst.

Was kritisieren sie konkret an der Riester-Rente?
Vor allem die Sterbetafeln. Die Versicherer kalkulieren damit, dass ein neugeborenes Mädchen 103 Jahre alt wird. Bei fondsgebundenen Lösungen unterstellen einige Versicherer sogar, dass heute geborene Mädchen durchschnittlich 111 Jahre alt würden. Jenseits dessen kalkulierten einige Anbieter sogar mit Lebenserwartungen von mehr als 130 Jahren.

Werden die Menschen nicht immer älter?
Analysen des Statistischen Bundesamtes sehen die Lebenserwartung viel niedriger. Erwartungen die so deutlich über hundert Jahre liegen sind doch absurd. Die Allianz hat einmal in einer Aktionärszeitung einen Wissenschaftler zitiert, der erklärte, dass wir alle bald 150 Jahre alt werden. Das war nicht als Satire gedacht. Es zeigt aber die Willkür, mit der hier gerechnet wird.

Kommentare (43)

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vandale

27.07.2012, 13:11 Uhr

Die Kritik ist nicht ganz fair. Ein wesentlicher Grund dass diese Produkte keine Verzinsung abwerfen liegt in der Politik. Die Staaten Südeuropas suchen ihre Verschuldung durch negative Realzinsen zu Lasten der Sparer, Pensionskssenberechtigten und Lebensversicherungen abzubauen. Die EZB kommt diesem Wunsch, der ihrem Auftrag de Preisstabiität zu wahren entgegensteht, durch eine intensive Geldschöpfung nach. Fr. Merkel ist den Deutschen Vertretern im EZB Gremium in den Rücken gefallen.

Die Staatshaushalte Europas werden zulasten der Sparer und der Altersversorgung saniert.

Die Versicherer sind wirklich keine Engel, aber der Vorwurf ist an die sozialistischen Politiker zu richten.

Vandale

Hermann.12

27.07.2012, 13:21 Uhr

die Kritik scheint berechtigt, aber die Analyse greift viel zu kurz. Riester und Rürup wurden eingeführt weil man die Erträge der Lebensversicherungen besteuern wollte und besteuert hat. Her Schröder wollte sich zusätzliche Steuereinahmen sichern. Die Versicherungswirtschaft ist damals gegen Riester und Co sturmgelaufen. Zunächst blieben die Verkaufszahlen solcher Verträge deshalb im Keller, bis Vater Staat die Verträge für die Versicherungen lukrativer gemacht hat.
Es ist deshalb eine recht einseitige Sicht, die der Verbraucherschützer hier propagiert.
Natürlich sind die Lebenserwartungen der Kunden deutlich niedriger. Aber die statistische Lebenserwartung wurde als Risikopuffer schon immer höher gerechnet als sie tatschlich ist.
Niedrige Zinsen, die von Verbraucherschützern erzwungene Auflösung stiller Reserven als Langzeitpuffer iden 90-ziger Jahren, die Besteuerug durch die Regierung Schröder machen aber das Leben Geschäft schwankungs- und konjunkturanfälliger.
Ob daher der wirtschaftlich Puffer durch Erhöhung der rechnerischen Lebenserwartung wirtschaftich gerechtfertigt ist, obwohl er bioloisch absurd anmutet, ist nicht dem Artikel zu entnehmen.
Fazit: Verbraucherschützer haben gerade bei Finanzprodukten mangels Kompetenz schon erheblichen Schaden angerichtet. Ob es sich hier wieder um Schaden oder berechtigte Kritik handelt ist dem Artikel nicht zu entnehmen, was für sich allein gesehen schon einen Schaden darstellt.

H.

Mazi

27.07.2012, 13:37 Uhr

Diese Betrachtung der Dinge ist auch nicht ganz fair.

Sie haben Recht, wenn Sie sagen, bei der Null-Zinspolitik durch die EZB werden die Vorsorger des Ertrags beraubt von dem erst die Verwaltungskosten und sonstige Reisen (siehe Ergo) abgezogen werden, bevor der Kunde sein Geld nach Abzug der Inflation real zurück erhält.

Das ist Ihre Argumentation, der nichts hinzufügen ist. Wenn Sie jetzt auch noch behaupten, dass Draghi mit seinen Aktivitäten nicht wie ein Schicksalsschlag hinzunehmen ist und von der Bundesregierung Wiedergutmachung fordern, weil Draghi die privaten Vorsorger quasi enteignet, vorsätzlich schädigt. Sie könnten auch sagen, dass der EZB-Vertrag die Finanzierung von Staaten untersagt und die Bundesregierung dieses widerrechtliche Handeln untätig, billigenden in Kauf nimmt. Auch aus dem Grund könnten Sie Entschädigung verlangen.

Alles verstanden!

Aber Sie müssen auch berücksichtigen, dass Riester-Sparer beispielsweise nie auch nur eine Chance hatten, ihr durch Konsumverzicht erspartes je wieder zu sehen.

Diese ganzen Geschichten waren doch ausschließlich der Hannoveraner Freundschaft geschuldet. Herr Schröder, der damalige sozialdemokratische Bundeskanzler, hatte damals seinem Freund Carsten Maschmeyer, damals AWD, zu ansehnlichem Vermögenszuwachs sowie den Herrn Rürup und Riester auch danach zu reichlich Einnahmen verholfen.

Ich halte es einfach für ethisch und moralisch für unverantwortlich, wenn hier die kleinsten unserer Gesellschaft "beschissen" und beispielsweise spanische Banken mit 100 Milliarden Euros vergoldet oder weiterhin in Griechenland keine Steuern erhoben werden.

Dafür habe ich kein Verständnis. Egal wie die Partei sich nennt.

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