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30.12.2014

04:11 Uhr

Verbraucherschützer enttäuscht

Viele Versorger senken Preise für Gas und Strom nicht

2015 gehen erstmals seit 14 Jahren für einige Verbraucher die Strompreise runter. Verbraucherschützer sind aber enttäuscht vom Umfang der Nachlässe. „Von einer wirklichen Entlastung kann keine Rede sein.“

Gas- und Strompreis: Der von den Versorgern selbst beeinflussbare Preisanteil für Einkauf, Vertrieb und Gewinn sei seit 2010 fast gleichgeblieben - trotz der stark gefallenen Börsenpreise. dpa

Gas- und Strompreis: Der von den Versorgern selbst beeinflussbare Preisanteil für Einkauf, Vertrieb und Gewinn sei seit 2010 fast gleichgeblieben - trotz der stark gefallenen Börsenpreise.

Berlin/DüsseldorfDeutschlands Verbraucher sparen im neuen Jahr viel Geld an der Tankstelle, aber so gut wie gar nichts bei Gas und Strom. Die Gas-Endkundenpreise, die früher eng an das Öl gekoppelt waren, liegen nach einer Erhebung des Preisportals Verivox im Januar 2015 trotz des massiven Ölpreisverfalls nur um gut ein Prozent unter dem Vorjahreswert.

Beim Strom gibt es - wie angekündigt - zahlreiche Preissenkungen, die Ersparnis zum Beginn des neuen Jahres beträgt über alle Anbieter gerechnet aber nur 0,4 Prozent oder etwa fünf Euro pro Haushalt und Jahr - weniger als eine Pizza.

„Von einer wirklichen Entlastung kann keine Rede sein“, sagte Jan Lengerke aus der Verivox-Geschäftsführung der Deutschen Presse-Agentur. Mit den Preissenkungen beim Strom zum Jahreswechsel 2015 würden größtenteils nur Preiserhöhungen aus dem Jahresverlauf 2014 ausgeglichen.

„Im Ergebnis ist das quasi ein Nullsummenspiel für die Verbraucher“, sagte Lengerke. „Die Preissenkungen fallen enttäuschend gering aus“, sagte auch Isabel Wendorff vom konkurrierenden Portal Check24. „Nur etwa jeder dritte Grundversorger senkt überhaupt seine Strompreise.“

Nach den Erhebungen von Check24 haben 321 der rund 840 deutschen Strom-Grundversorger für Januar 2015 Preissenkungen von im Schnitt 2,4 Prozent angekündigt. Das entspricht bei einer vierköpfigen Familie 30 bis 35 Euro Ersparnis im Jahr. Verivox hat 327 Versorger mit Preissenkungen um durchschnittlich 2,4 Prozent zum 1. Januar erfasst.

Rund zwei Drittel des Marktes beteiligen sich damit überhaupt nicht - darunter die großen Anbieter Eon, RWE und Vattenfall. RWE will irgendwann 2015 den Strompreis senken, hat aber noch keinen Zeitpunkt genannt. EnBW ist immerhin mit einem Nachlass von 1,4 Prozent dabei. Außerdem sind die Preissenkungen regional stark auf Anbieter in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen konzentriert.

Was Strom in den Bundesländern kostet

Deutschland

Bundesdurchschnitt: 1133 Euro, davon 252 Euro Netzentgelt
Neue Bundesländer: 1173 Euro, davon 301 Euro Netzentgelt
Álte Bundesländer: 1125 Euro, davon 242 Euro Netzentgelt
Hinweis: Preise für einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowatt pro Stunde, alle Angaben in Euro, brutto und gerundet. Quelle: Verivox.

Baden-Württemberg

1114 Euro, davon 231 Euro Netzentgelt

Bayern

1121 Euro, davon 247 Euro Netzentgelt

Berlin

1116 Euro, davon 223 Euro Netzentgelt

Brandenburg

1187 Euro, davon 339 Euro Netzentgelt

Bremen

1092 Euro, davon 203 Euro Netzentgelt

Hamburg

1114 Euro, davon 256 Euro Netzentgelt

Hessen

1141 Euro, davon 250 Euro Netzentgelt

Mecklenburg-Vorpommern

1161 Euro, davon 318 Euro Netzentgelt

Niedersachsen

1115 Euro, davon 252 Euro Netzentgelt

Nordrhein-Westfalen

1126 Euro, davon 235 Euro Netzentgelt

Rheinland-Pfalz

1161 Euro, davon 250 Euro Netzentgelt

Saarland

1126 Euro, davon 256 Euro Netzentgelt

Sachsen

1166 Euro, davon 290 Euro Netzentgelt

Sachsen-Anhalt

1177 Euro, davon 285 Euro Netzentgelt

Schleswig-Holstein

1130 Euro, davon 265 Euro Netzentgelt

Thüringen

1173 Euro, davon 282 Euro Netzentgelt

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist das definitiv zu wenig - unter anderem, weil der Börsenpreis für die Beschaffung des Stroms in den vergangenen zwei Jahren erheblich von mehr als 50 auf nur noch rund 32 Euro pro Megawattstunde gefallen ist und weil 2015 die Ökostrom-Umlage erstmals sinkt. Der Branchenverband BDEW verweist dagegen auf langfristige Vertragsbindungen im Stromeinkauf über mehrere Jahre. Deshalb könnten Börsenpreis-Rückgänge nicht zeitgleich an die Kunden weitergegeben werden.

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