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28.10.2016

11:10 Uhr

Verbraucherschützer zum Vermögensaufbau

„Viele Leute haben an der Börse schlechte Erfahrungen gemacht“

VonJessica Schwarzer

Beim Sparen sind die Deutschen Weltmeister. Doch bei der Geldanlage spielen sie oft in der Kreisklasse – und verzichten auf Rendite. Das reine Sparen zu verdammen, das geht Verbraucherschützer Nauhauser aber zu weit.

Die Deutschen horten ihr Ersparten am liebsten auf Zinskonten. Imago

Anlagetrend

Die Deutschen horten ihr Ersparten am liebsten auf Zinskonten.

Alle Jahre wieder: Pünktlich zum Weltspartag Ende Oktober entflammte die Debatte darüber, ob Sparen überhaupt noch Sinn macht. Schließlich leben wir seit Jahren in der Niedrigzinswelt. Natürlich müssen wir sparen, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es gibt sogar gute Gründe für Tagesgeld und Festgeld, und ebenso gute für Aktien. Doch bevor sich die fleißigen deutschen Sparer an die Börse trauen, müsse sich etwas grundlegend ändern.

Herr Nauhauser, es ist Weltspartag. Klingt das nicht ein bisschen antiquiert?
(lacht) Das ist antiquiert, schließlich ist das eine ziemlich alte Erfindung.

Und ist dieser Tag auch überholt?
Nur weil das Zinsniveau jetzt extrem niedrig ist, heißt das nicht, dass Sparen keinen Sinn mehr macht.

Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Niels Nauhauser

Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Aber es gibt bessere Anlageformen?
Sparen selbst sagt noch nichts darüber aus, welche Anlageform man wählt. Sparen heißt Konsumverzicht. Und in welcher Form man dann das Geld anlegt, ist wieder eine andere Frage.

Die Antwort der Deutschen darauf lautet, dass sie das Geld lieber herumliegen lassen, als es arbeiten zu lassen… „Rumliegen lassen“ im Sinne von Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld.
Diese Kritik basiert oft auf der Analyse der Geldvermögensstatistik. Wenn wir aber in Beratungsgesprächen mit Verbrauchern über die individuelle Situation des Anlegers und seine Bedürfnisse sprechen, dann stellen wir fest, dass es für viele durchaus sinnvoll und bedarfsgerecht ist, das Geld relativ wertschwankungsarm anzulegen.

Wofür sparen Sie?

Handy

Dass die Deutschen ein Sparer-Volk sind, ist unumstritten. Doch wofür genau wird eigentlich gespart? Rund sechs Prozent gaben in einer „Yougov“-Umfrage an, dass sie für ein neues Handy sparen.

Unterhaltungselektronik

PlayStation 4 oder Xbox One? Acht Prozent der Befragten legen ihre Geld für eine neue Konsole zurück.

Computer

Zehn Prozent sparen auf einen neuen Computer.

Wohnungseinrichtung

Für das heimelige Gefühl bedarf es einer entsprechenden Wohnungseinrichtung. Ein Fünftel legen dafür ihr Geld zurück.

Haus oder Eigentumswohnung

An den eigenen Grundbesitz denken 25 Prozent. Sie legen ihr Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung auf die hohe Kante.

Auto

Auch für die fahrbaren Untersatz will gesorgt sein. 27 Prozent sparen auf ein neues Auto.

Alterssicherung

Für über die Hälfte der Befragten steht die eigene Zukunft an erster Stelle. 55 Prozent gaben an, dass sie für die Alterssicherung Geld zurückhalten.

Zum Beispiel, weil…?
Wenn man als junge Familie in absehbarer Zeit eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, muss man das Geld relativ liquide in Tagesgeld oder auf Sparbüchern anlegen und kann nicht mehr viel Geld am Aktienmarkt investieren. Oder denken Sie an ältere Leute, die eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen. Sie haben oftmals nicht das Nervenkostüm, um Kursschwankungen an der Börse auszuhalten. Und sie wollen die Sicherheit haben, dass das Geld jederzeit verfügbar ist, falls sie mal ein Pflegefall werden. In diesen Fällen ist es absolut sinnvoll, das Geld – auch wenn es gar keine Zinsen bringt – kurzfristig verfügbar und relativ sicher anzulegen.

 

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