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12.12.2011

11:18 Uhr

Vergleich

Das Comeback der Hochzins-Sparbücher

VonJens Hagen

ExklusivZu unrecht gilt das Sparbuch als schlechteste Wahl für Geldanleger. Einige Institute locken bereits wieder mit Zinsen von bis zu 2,7 Prozent. Ein Vergleich zeigt, wo Sparer ihr Geld sicher und lukrativ anlegen können.

Sparbuch-Besitzerin: Einige Banken stemmen sich gegen den Trend und bieten ansprechende Zinsen. gms

Sparbuch-Besitzerin: Einige Banken stemmen sich gegen den Trend und bieten ansprechende Zinsen.

Sparbücher sind Opfer ihres schlechten Rufes. Unter Geldanlegern sind sie verpönt, immerhin bieten die meisten von ihnen nur mickrige Zinsen bei unflexiblen Kündigungsfristen. Was viele Kritiker übersehen: Einige Institute locken inzwischen wieder mit attraktiven Zinsen von bis zu 2,7 Prozent. Damit könnten Anleger zumindest ihr Erspartes vor der Inflation schützen. Diese liegt seit Jahresbeginn bei mehr als zwei Prozent und betrug zuletzt im Oktober 2,4 Prozent in Deutschland. Ein Vergleich zeigt, wo Sparer ihr Geld sicher und gut verzinst anlegen können.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Wenn die Inhaber von Sparbüchern Anfang kommenden Jahres ihren Kontoauszug erhalten, dürfte bei vielen die Enttäuschung groß sein. Bei den meisten Sparbüchern bleibt die Verzinsung, die im Schnitt bei 0,6 Prozent liegt, weit hinter der Inflation zurück.

Noch immer mauern die meisten Banken bei dem klassischen Produkt für konservative und treue Kunden. Während der Zins des Euribor auf drei Monate, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, seit Jahresbeginn um rund 40 Basispunkte auf 1,44 Prozent gestiegen ist, hat sich der Zins für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist seitdem nur um knapp einen Basispunkt erhöht.

Treue Kunden werden nicht belohnt

„Da viele Kunden trotz schlechter Konditionen ihrem Sparbuch treu bleiben, müssen die meisten Banken nicht mehr bieten“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. In den vergangenen drei Jahren stiegen die Einlagen um gut 90 Milliarden Euro auf aktuell rund 510 Milliarden Euro.

Das Erfolgsmodell Sparbuch könnte für viele Banken aber bald vorbei sein. So stiegen die Einlagen für Tagesgeld im Vergleichszeitraum um 350 Milliarden Euro auf rund 730 Milliarden Euro. „Vor allem jüngere, gut informierte Kunden meiden häufig Sparbücher und wählen besser verzinste und flexiblere Tagesgeldkonten“, sagt Herbst.

Sparbuch-Vergleich

Zinsvergleich

Einige Banken haben das Sparbuch wieder entdeckt und bieten Zinsen weit über dem Marktschnitt von nur 0,39 Prozent. Bei den Top-Anbietern müssen Kunden allerdings meist auf ein Sparbuch in Papierform verzichten. Das Guthaben wird im Internet oder als lose Blattsammlung angezeigt. Kunden sollten auch auf die Bedingungen achten. Einige Kunden Kunden können etwa im Ausland kostenfrei am Automaten Geld ziehen. Die Angebote sind nach dem Zins gerankt, Stand ist Dezember 2012. Die Daten stammen von der FMH-Finanzberatung.

Platz 1: GEFA Bank

Die Mittelstandsbank bietet die besten Zinsen unter den überregionalen Anbietern. 1,75 Prozent erhalten die Kunden aktuell, im Jahresschnitt waren es 1,91 Prozent. Das Verrechnungskonto ist ein Tagesgeldkonto.

Platz 2: BMW Bank

Das "Online-Sparkonto" der Autobank ist mit 1,60 Prozent verzinst. Die Rendite im Jahr 2012 betrug 2,09 Prozent. Kunden nutzen ein reines Internetprodukt. Den Kontoauszug gibt es halbjährig online. Das Guthaben wird nach Antrag im Internet oder per Telefon-Auftrag auf ein Referenzkonto ausgezahlt. Die Offerte gilt sowohl für Neu- wie auch für Altkunden.

Platz 3: Santander

Immerhin 1,50 Prozent können Kunden beim "Top-Sparbuch" von Santander ergattern. Die Rendite für 2012 lag bei 2,04 Prozent. Die Zinsangaben gelten allerdings nur für Neuanlagen.

Platz 4: Postbank (SparCard direct)

Die "Sparcard direct" ist mit 1,20 Prozent verzinst. Zusätzlich locken gute Konditionen. Zehn Abhebungen pro Jahr sind im Ausland mit der Sparcard und PIN an Automaten mit Visa Kennzeichnung kostenfrei.

Platz 5: Nordfinanz Bank

Immerhin ein Prozent bringt das Sparbuch der Nordfinanzbank. Maximal 100.000 Euro können Kunden zu diesem Zins anlegen, die Rendite 2012 lag bei 1,09 Prozent.

Platz 6: Santander Consumer Bank

Mit diesem Sparkonto erzielen Kunden aktuell ein Prozent.

Platz 7: Umweltbank

Das "Umweltsparbuch" bietet 0,95 Prozent. Das ist immerhin mehr als doppelt soviel, wie der Durchschnittskunde erhält. Sparer erhalten einen Bonus in Höhe von 0,25 Prozent, wenn sie bis Ende des Jahres keine Ein- oder Auszahlungen getätigt haben. Die Auszahlung erfolgt auf ein Referenzkonto. Sparer müssen mindestens 500 Euro einzahlen.

8Platz 8: Targobank

Die ehemaligen City-Banker locken mit Zinsen von 0,75 Prozent, die sich auf 1,50 Prozent steigern können, wenn die Einlagen um mindestens 600 Euro pro Jahr steigen.

Platz 1: PSD Bank Koblenz

Das "PSD Spar Online-Konto" landet im Zinsvergleich bei den regionalen Anbietern mit einem Zins von 1,80 Prozent auf den ersten Platz. Im Jahresschnitt erzielten Kunden aber nur 0,74 Prozent. Die Summe für Neuanlagen ist auf 50.000 Euro begrenzt.

Platz 2: Berliner Sparkasse

Ein Prozent gibt es für das "Sparkassenbuch Gold". Die Kündigungsfrist beträgt allerdings sechs Monate, sonst fällt der Zins auf 0,15 Prozent. Im Schnitt lag die Jahresrendite bei 0,98 Prozent.

Platz 3: PSD Bank Rhein NeckarSaar

Beim "Spardirekt"- Sparbuch lohnen vor allem größere Summen. Ab 5.000 Euro gibt es ein Prozent Zinsen. Kleinere Beträge werden mit 0,75 Prozent verzinst. Im Schnitt erzielten diese Kunden 2012 0,92 Prozent.

Auch deshalb stemmen sich einige Banken gegen diesen Trend – und bieten überraschend gute Konditionen. „Es gibt Sparbuch-Offerten, die bessere Zinsen als Tagesgeld bieten und auch bei den Konditionen vorne liegen“, sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale NRW.

Die Auswahl ist aber entscheidend, der Gang in die erstbeste Sparkasse bringt wenig. Vier Institute bieten aktuell mehr als zwei Prozent fürs Sparbuch. Ganz oben im Zinsvergleich der FMH für das Handelsblatt steht das Online-Sparbuch der BMW Bank. Die Autobank offeriert 2,7 Prozent ab dem ersten Euro. Auf dem Internetkonto können auch kleinere Summen eingezahlt werden, Untergrenzen gibt es ebenso wenig wie Maximalsummen.

Kommentare (19)

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Banksicherheiten_gleich_null

12.12.2011, 11:39 Uhr

Sparer sind keine Kunden, sondern Gläubiger.
Die Bank ist der Schuldner.


Haltet_sie_arm

12.12.2011, 11:45 Uhr

Bei der momentanen Inflationsrate sprechen wir hier höchstens von einem Nullsummen-Spiel. Von "Hochzins" kann nun wirklich keine Rede sein.

KarlNall

12.12.2011, 11:57 Uhr

Die wirkliche Inflation liegt bei 10%. Durch Manipulation wird das heruntergelogen. Wer schlau ist legt das Geld in einem dauerhaften Lebensmittelvorrat an, die Rendite liegt mittlerweile schon weit über 10%. (z.B. Mehl von 25 auf 45 Cent) Auch gut Spirituosen und andere benötigte Dinge des täglichen Lebens die lagerfähig sind.
Wer dann noch Geld übrig hat sollte in Edelmetalle gehen, denn die werden explodieren wenn jeder die haben will.

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