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03.07.2014

19:50 Uhr

Vermittler demonstrieren

„Wir sind ehrbare Kaufleute“  

VonSara Zinnecker

Versicherungsvermittler Deutschlands, vereinigt euch! Der Berufsstand hat zur großen Kundgebung in Berlin gerufen. Allein: Das politische Ziel ist längst erreicht. Aus der Gegendemo wird eine Solidaritätsbekundung.

Hunderte Vermittler am Potsdamer Platz: Eine Solidaritätsbekundung.

Hunderte Vermittler am Potsdamer Platz: Eine Solidaritätsbekundung.

Berlin15.20 Uhr, Donnerstagnachmittag, Berlin. Von Michael Heinz keine Spur. Vor 20 Minuten hätte sie losgehen sollen, die offizielle Kundgebung des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Doch warten Hunderte Makler und Versicherungsvermittler mit ihren Bannern und Schildern bislang vergebens auf ihren Präsidenten. Als er endlich die Bühne erklimmt, erfasst just eine leichte Brise den ansonst sommerlich-sonnigen Potsdamer Platz.

Der Verbandsbanner flattert – und Heinz kann es sich nicht verkneifen: „Es sind windige Zeiten“, steigt er ein, „aber hier gibt es etwas tolles, hier gibt es ehrbare Kaufleute!“ Heinz ist stolz, Heinz ist auch berührt. „113 Jahre musste es dauern, um endlich in die Öffentlichkeit zu gehen und ihr zu sagen, was wir für ein toller Berufsstand sind.“ Die Menge unter ihm blickt zufrieden, es wird geklatscht. Von Aufruhr ist heute nichts zu spüren.

Vorsorge + Versicherung

Download: Der Gesetzentwurf

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Umdruck Nr 3 Kostentransparenz Final

Denn der eigentliche Grund für die Demonstration ist seit spätestens Dienstagabend vom Tisch. Da nämlich war nach Tagen der Heimlichtuerei offiziell geworden, dass es die Lobby geschafft hatte: Der strittige Passus im Gesetz zur Reform der Lebensversicherung (LVRG), nachdem Vermittler künftig ihre Abschlussprovisionen offenlegen sollten, wurde in letzter Minute gestrichen.

Der Gesetzesumdruck liegt bereits vor (siehe Download) – über die geänderte Fassung stimmt an diesem Freitag, 4. Juli, der Bundestag und am kommenden Freitag, 11. Juli, der Bundesrat ab. Die Zustimmung der beiden Kammern scheint nur noch Formsache zu sein.

Was Vermögensverwalter zu Provisionen sagen

Rainer Beckmann, GF ficon Financial Consultants

„Die Offenlegung von Provisionen und Kosten schafft aus unserer Sicht Klarheit und Übersicht gegenüber unseren Mandanten, und damit  absolutes Vertrauen.“

Michael Timm, Vorstand TAM

„Als Mitglied des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter e.V. haben wir uns dem Ehrenkodex dieses Verbandes unterworfen. Zu diesem Ehrenkodex und den Grundsätzen einer seriösen Vermögensverwaltung gehört, nur angemessene und transparente Honorare mit den Mandanten zu vereinbaren. Es ist für uns selbstverständlich und gelebte Praxis, dabei auch sämtliche Provisionen offen zu legen.“

Alexander Daniels, Vorstand Knapp Voith Vermögensverwaltung

„Wir haben uns in unserem VV-Vertrag verpflichtet solche Zahlungen nie anzunehmen. Damit haben wir erreicht, dass unsere Kunden sehr niedrige Gebühren/Ausgabeaufschläge etc. zahlen müssen, was sich letztlich auch in der Performance sehr positiv auswirkt. Daher sind wir nicht nur für eine Provisionsoffenlegung, wir sind dafür, dass der VV nur vom Kunden gezahlt wird. Dann ist auch gesichert, dass der Vermögensverwalter ausschließlich die Interessen des Kunden vertritt und nicht einer Bank oder Investmentfond.“

Jörg Bohn, Vorstand Artus Asset Management

„Retrozessionen (zum Beispiel Bestandsprovisionen für Fonds) sind grundsätzlich offenzulegen. Der Vermögensverwalter kann dann entscheiden, ob er diese an den Kunden weitergibt, oder selber vereinnahmt; letzteres muss dann aber vertraglich festgehalten werden.“

Stephan Albrech, Vorstand Albrech & Cie Vermögensverwaltung

„Im Zuge einer gegenüber unseren Kunden nicht nur mit Worten beschriebenen sondern in der täglichen Praxis gelebten Transparenz ist das Thema Provisionsoffenlegung nichts neues für uns. Unsere Kunden sollen wissen, wer womit und vor allem wieviel an ihnen verdient. Damit wir möglichen Interessenkonflikten den Nährboden von vornherein entziehen, legen wir unseren Kunden gegenüber sämtliche erhaltenen Provisionszahlungen offen und verpflichten uns, diese dem Kunden zu erstatten.“

Uwe Eilers, Vorstand Geneon Vermögensverwaltung

„Als Vermögensverwalter legen wir jegliche Gebühren offen. In Vermögensverwaltungsmandaten gibt es grundsätzlich nur das vereinbarte Honorar (zum Beispiel ein Prozent plus Mehrwertsteuer p.a.). Alle Bestandsprovisionen werden durch die Depotbank dem Kunden automatisch gutgeschrieben. Die Depotbankgebühren (Transaktionskosten, Depotgebühr) haben wir niedrig verhandelt. Daraus gibt es keinerlei Vergütung für uns (auch keinerlei Kick-Backs).“

Willi Ufer, GF WerteFinder

„Das Argument, die Offenlegung (von Provisionen) gefährde Arbeitsplätze zeigt nur, dass klar ist, dass bei einer Offenlegung dieser hohen Provisionen, die Kunden von diesen Produkten zu Recht Abstand nehmen werden. Der Wohlstand der Deutschen ist deshalb im Vergleich zu den anderen Europäern so niedrig, weil in keinem anderen Land die Sparer so über den Tisch gezogen werden. Eine sinnvolle Altersvorsorge findet in der Regel in Deutschland nicht statt, da der Durchschnittsdeutsche immer noch in Riesterverträge und Lebensversicherungen getrieben werden, die keine positive Rendite mehr erbringen und die Kapital real vernichten.“

Thomas Abel, GF Honoris Treuhand

„Als unabhängiger Vermögensverwalter würden wir die Verpflichtung zur Offenlegung der Provisionen sehr begrüßen. Nur auf diesem Weg kann ein Kunde erkennen, was ihn die Beratung wirklich kostet. Er wird so in die Lage versetzt, Angebote von verschiedenen Marktteilnehmern mit unterschiedlichen Provisions- oder Honorarmodellen untereinander zu vergleichen. Nur ein solcher Vergleich ermöglicht ihm die betriebswirtschaftliche Entscheidung, welches Produkt- und Beratungsangebot für ihn am sinnvollsten ist.“

Peter Brandstaeter, GF Fonds Laden Gesellschaft für Anleger

„Ich kenne keinen Berufszweig, der seine Einnahmenkalkulation und seine Margen offen legen muss. Warum soll ein Finanzdienstleister anders behandelt werden, als die übrigen 'Gewerbetreibenden'. Dieser Drang nach völliger Provisionsoffenlegung, wie auch der Begriff der "Zuwendungen" für verdiente und erarbeitete Provisionen kommt einem Generalverdacht bzw. einer Kriminalisierung einer ganzen Branche sehr nahe.“

Alexander Berger, Vermögensverwalter

„Provisionsoffenlegung ist für die meisten Verwalter seit Jahren Standard. Sie sind damit deutlich weiter als der Bankbereich. Auf längere Sicht wird sich aber aufgrund der Thematik Provisionsoffenlegung die Honorarberatung durchsetzen.“

Kai Heinrich, Vorstand Plutos Vermögensverwaltung

„Dem Kunden muss jederzeit klar sein, dass eine gute Beratung Geld kostet, allerdings sollte er immer transparent nachvollziehen können, für welche Leistung er welchen Betrag bezahlt. Dies ist notwendig damit der Kunde weiß, ob ein anderes Interesse als eine möglichst gute Beratung/Betreuung im Vordergrund der Empfehlung steht. Wichtig ist, dass für den Kunden klar ist, dass er und sein Berater bei der Zusammenarbeit die gleichen Interessen haben.“

Dr. Marc-Oliver Lux, GF Dr. Lux & Präuner

„Provisions-Offenlegung ist eine Selbstverständlichkeit. Der Kunde soll natürlich darüber aufgeklärt werden, was er bezahlen muss. In der Hinsicht war Vermögensverwaltung schon immer transparent. Im Gegensatz zu geschlossenen Fondskonzepten, bei denen interne Verwaltungskosten gern mal im Verkaufsprospekt versteckt wurden, sind in der Vermögensverwaltung Produkt- und Verwaltungskosten und auch eventuelle Drittprovisionen offen kommuniziert worden.“

Dennoch haben die Vermittler ihre Kundgebung nicht etwa abgesagt. Natürlich hatte man ursprünglich gegen die Offenlegung der Provisionen – und damit gegen Transparenz – demonstrieren wollen. Im Interview mit Handelsblatt Online hatte BVK-Präsident Heinz noch kürzlich gesagt, er erwarte kein Verständnis der Bevölkerung dafür. Dort werde lieber eine Neiddebatte geführt.

Kommentare (9)

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Herr J� Jacob

04.07.2014, 08:35 Uhr

Ehrbare Kaufleute, da muss man ja herzlich lachen, das trifft in dieser Branche vielleicht auf 1 % zu und der Rest sind Betrüger und Abzocker.

Nun gut, der Bürger ist selbst schuld wenn er auf die schicken Anzüge reinfällt.

Herr Gerd St

04.07.2014, 08:59 Uhr

Kaufleute vielleicht aber ehrbar ? Ganz gewiss nicht !
Warum hat man solche Angst davor offenzulegen, wohin das Geld der Versicherten wirklich fließt ? Weil dann klar wird, dass viele Beitragserhöhungen simpel nicht notwendig wären, wenn man die gezahlten Beiträgen zweckgebunden verwendet und nicht in Vermittlungshonorare umwandelt.
Noch deutlicher wird, wie diese Leute drauf sind, wenn ein Versicherungsmakler in meiner Nachbarschaft anderen schwer arbeitenden Leuten erklärt, in zwei Stunden habe ich das Verdient, wozu Du eine Woche brauchst !
Der Vorsitzende sollte wirklich keine Begriffe in den Mund nehmen von denen er und seine Bande nichts versteht.

Herr Ylander Ylander

04.07.2014, 09:35 Uhr

Dem abgedroschenen Wort "ehrbar" kann ich nichts Positives abgewinnen, im Gegenteil.

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