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10.11.2015

06:27 Uhr

Vermögensaufbau

Eifrige Sparer ausgebremst

VonJessica Schwarzer

Auch wenn die Deutschen 2015 und 2016 noch mehr sparen als bisher angenommen, wird ihr Vermögen langsamer wachsen als gedacht. Das zeigt eine neue Studie. Schuld sind die niedrigen Zinsen - aber nicht nur.

Die Deutschen richten ihre Geldanlage noch stärker auf Sicherheit aus. dpa

Euro-Münze

Die Deutschen richten ihre Geldanlage noch stärker auf Sicherheit aus.

DüsseldorfIm Frühjahr sah die Welt noch rosig aus: Die Aktienbörsen boomten, der Dax und viele seiner ausländischen Pendants markierten neue Rekorde. Politische Krisen schienen zumindest halbwegs unter Kontrolle, der Konjunkturmotor schnurrte. Doch im Laufe des Jahres hat sich die Stimmung deutlich eingetrübt. Die Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum und die Folgen für die Weltwirtschaft sowie der Abgasskandal von Volkswagen haben die deutschen Standardwerte zwischenzeitlich massiv einbrechen lassen. Trotz einer kräftigen Erholung in den vergangenen Wochen notiert der Dax noch immer deutlich unter seinen Höchstständen.

Auch die Konjunkturaussichten sind nicht mehr ganz so rosig. „Auch wenn für Deutschland weiter mit einer stabilen Wirtschaftsentwicklung gerechnet werden kann, die vor allem vom privaten Konsum getragen wird und vom niedrigen Ölpreis profitiert, dürfte das Wachstum doch ein wenig schwächer ausfallen, als im Frühjahr abzusehen war“, schreibt Michael Stappel, Senior Economist, im aktuellen DZ Bank Wirtschaftsbrief.

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All das hat auch Folgen für jeden Einzelnen und sein Vermögen. Die Genossen haben deshalb ihre Prognose zur Geldvermögensbildung privater Haushalte für 2015/1016 überarbeitet. „Das Wachstum der Geldvermögensbildung schwächt sich auf 6,2 Prozent in diesem und drei Prozent im nächsten Jahr ab“, so Stappel. Auch die Vermögen der Deutschen werden wohl langsamer als zuvor angenommen zulegen. „In diesem Jahr dürfte das Geldvermögen um 3,1 Prozent auf 5,4 Billionen Euro wachsen“, prognostiziert Stappel.

Und dieses Wachstum wird fast ausschließlich von den Ersparnissen der Bürger aus dem laufenden Einkommen getragen. Die DZ Bank schätzt, dass die private Sparquote 2015/2016 bei 9,7 Prozent liegen sollte –und damit etwas höher als bisher.

Welche drei Faktoren sind am wichtigsten beim Vermögensaufbau?

Sicherheit

Hohe Zinsen sind vielen Deutschen wichtig, aber nicht so wichtig wie andere Kriterien. Mit 50 Prozent der Nennungen rangiert die Sicherheit auf Platz eins. Gefragt wurden bundesweit 1900 Menschen.

Quelle: Vermögensbarometer 2015 der Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Flexibilität

Die Flexibilität kommt mit 38 Prozent auf Platz drei.

Verfügbarkeit

Den dritten Platz - und damit klar vor der Rendite - nimmt mit 31 Prozent die Verfügbarkeit des angelegten Geldes ein.

Hohe Rendite

Nur für ein gutes Viertel (27 Prozent) gehört die Rendite zu den drei wichtigsten Kriterien beim Vermögensaufbau.

Steuerliche Aspekte
Vererbbarkeit

Auch das Thema Vererben spielt eine vergleichsweise wichtige Rolle. 19 Prozent wählten dieses Kriterium. Gerade die staatlichen geförderten Vorsorgeverträge sehen aber keine oder allenfalls eingeschränkte Möglichkeiten vor, das angesparte Vermögen zu vererben.

Trotz Niedrigzins wird also weiter eifrig gespart und doch nicht so viel konsumiert, wie oft angenommen. Auch eine aktuelle Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt, dass die Deutschen ihr Geld sehr wohl noch „in den Sparstrumpf stecken“. So legen derzeit 76 Prozent Geld zurück: 40 Prozent jeden Monat, 22 Prozent unregelmäßig, also beispielsweise vom Weihnachts- oder Urlaubsgeld, und 14 Prozent mehrmals im Jahr. Und die Zahl der Sparer steigt wieder. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl derjenigen, die nicht mehr sparen, deutlich zurückgegangen von 16 auf elf Prozent.

Seit 2012 nimmt auch die Zahler derer, die aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nichts zurücklegen können, leicht ab. Waren es 2012 noch 26 Prozent - und damit mehr als jeder Vierte Deutsche, sind es es jetzt nur noch 20 Prozent. Am seltensten sparen die über 60-Jährigen (63 Prozent). Mehr als jeder Vierte von ihnen kann nichts zur Seite legen. Ganz anders sieht es bei den jüngeren Befragten aus: 87 Prozent der 16- bis 29-Jährigen geben an, Rücklagen zu bilden.

Kommentare (7)

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Herr Ingo Tietz

10.11.2015, 09:27 Uhr

Jessica Schwarzer vom HB schreibt heute in ihrem Artikel „Eifrige Sparer ausgebremst“ folgendes:
„Auch wenn DIE DEUTSCHEN“ 2015 und 2016 noch mehr sparen als bisher angenommen, wird ihr Vermögen langsamer wachsen als gedacht.
---
1.) Wer bitte schön sind „DIE Deutschen“? Ich bin auch deutscher Staatsbürger und verfüge über keinerlei Vermögenswerte geschweige denn freie Geldmittel zur Altersvorsorge oder zum Ansparen.
Könnten Sie einfach mal damit aufhören, immer alles zu verallgemeinern, sondern schreiben, wen Sie genau mit DIE DEUTSCHEN meinen, und welche Personengruppen prozentual überhaupt frei verfügbares Kapital zum Ansparen übrig haben? Zudem entziehen sie dem Wirtschaftskreislauf durch ihr Sparverhalten immer weiter die in Umlauf befindliche Geldmenge.

2.) Wie kommen Sie eigentlich zu dem Schluss, dass die Menschen prinzipell nur Kapital ansparen?
Könnte es nicht eher auch sein, dass viele hier im Land sparen, und zwar bei allem Lebensnotwendigen, wie z. Bsp. der Kleidung, Nahrung, Gesundheit usw., weil sie eben über keine zusätzlichen freien Geldmittel mehr verfügen, um z. Bsp. für's Alter oder Krankheit privat vorzusorgen. Wenn man Ihren Artikel liest, stellt man immer wieder fest, wie weit sich große Teile der Medien und der Politik mittlerweile vom realen Leben der Normalmenschen entfernt haben.

Herr Ingo Tietz

10.11.2015, 09:27 Uhr

Egal ob in der Flüchtlingskrise oder jetzt dieser Artikel.
Frau Schwarzer, besuchen Sie doch mal die Tafelläden, reden dort mit den Menschen über das Thema sparen und Altersvorsorge oder schauen Sie in den Jobcentern der Bundessagentur für Arbeit vorbei, sprechen sie mit Rentnern die in Mülltonnen nach Pfandgut suchen und schauen Sie sich deren Gebiss und gesundheitlichen Allgemeinzustand an. Sehen Sie sich den Kleidungszustand vieler Menschen im deutschen Strassenbild an.
Fragen Sie mal bei den Millionen Niedriglöhnern und Arbeitslosen nach, was die so monatlich ansparen können und wie sich deren „Vermögenszuwächse“ zukünftig so entwickeln. Man, wachen Sie endlich mal auf!

Jetzt Kleinsparern Aktien zu empfehlen ist unverantwortlich!
Auch in Anbetracht dessen, dass die meisten keinerlei Ahnung von der Börse und dem Aktienmarkt haben.
Die großen Player zocken dann mit ihren mikrosekundenschnellen Handelsmaschinen auch dieses Spargeld der Kleinsparer ab, welche jetzt den Fehler machen, dort ihr angespartes Geld zu investieren und endgültig zu verbrennen.

Herr Ernst Thoma

10.11.2015, 09:41 Uhr

Verdammter Mist - jetzt war ich ziemlich optimistisch, aus meinen 1000 € bis zum Ende des Jahrhunderts mindestens 2000 € zu machen - und jetzt diese Hiobsbotschaft - es ist einfach zum verzweifeln! Hinweis: Ende der Satire !!

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