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09.09.2015

14:29 Uhr

Vermögensstudie

Große Erbschaften werden immer fetter

Vererbende prassen zu Lebzeiten mehr als vorherige Generationen. Dennoch: Bis 2024 werden in Deutschland Vermögenswerte in Höhe von 3,1 Billionen Euro an Nachfahren gehen. Die Verteilung ist aber sehr ungleich.

Vor allem wer Immobilien erbt, kann mit einem hohen Vermögenszufluss rechnen. dpa

Prachtsaal eines Schlosses

Vor allem wer Immobilien erbt, kann mit einem hohen Vermögenszufluss rechnen.

BerlinNicht nur das Einkommen zu Lebzeiten, auch die Erbschaften werden immer ungleicher. Denn die Vermögensausstattung derjenigen, die später etwas vererben, werde immer mehr durch regionale Besonderheiten geprägt, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Mit „hohem Erbschaftsvolumen“ können potenzielle Erben demnach vor allem in Regionen mit hoher oder steigender Wohneigentumsquote und zuwanderungsbedingt steigenden Preisen rechnen. Insgesamt werden der Studie zufolge in den zehn Jahren von 2015 bis 2024 rund 3,1 Billionen Euro in Deutschland vererbt.

Gesetzliche Erbfolge: Wer was erben darf

Wer kann erben?

Als gesetzliche Erben kommen die Verwandten des Erblassers und dessen Ehegatte bzw. eingetragener Lebenspartner in Betracht. Nicht erbberechtigt sind hingegen nichteheliche Lebenspartner.

Wer erbt wie viel?

Um das zu regeln, teilt das Gesetz die Verwandtschaft in verschiedene „Ordnungen“ ein. Sind Verwandte der ersten Ordnung vorhanden, so erben nur diese – vorbehaltlich eines Erbrechts des Ehegatten oder Lebenspartners. Es gilt also der Grundsatz, dass Verwandten einer vorrangigen Ordnung die der nachfolgenden Ordnung vom Erbe ausschließen.

Wer gehört zur ersten Ordnung?

In dieser Gruppe befinden sich die Abkömmlinge des Verstorbenen, also dessen Kinder, Enkel, Ur-Enkel, etc. Leibliche und adoptierte Kinder sind ebenso gleichgestellt wie eheliche und nicht eheliche. Erbe ist aber immer nur der Nachfahre, der am nächsten mit dem Erblasser verwandt ist. Solange etwa also noch ein Kind des Erblassers lebt, kann nicht ein Enkel dessen Erbe werden. So lange der Enkel noch lebt, nicht der Urenkel und so weiter.

Wer gehört zur zweiten Ordnung?

In diese Gruppe fallen die Eltern des Verstorbenen und - falls diese nicht mehr leben - deren Abkömmlinge. Mit anderen Worten: die Geschwister des Erblassers sowie deren Abkömmlinge, wie etwa dessen Nichten und Neffen. Angehörige der zweiten Ordnung erben allerdings nur wenn keiner Erben der ersten Ordnung vorhanden sind (oder zum Zug kommen).

Wer gehört zur dritten Ordnung?

Hier sind die Großeltern des Erblassers und deren Nachfahren zu nennen – also seine Tanten und Onkel bzw. die Cousins und Cousinen.

Wer gehört zur vierten Ordnung?

Ur-Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge gehören zur vierten Ordnung. In der vierten Ordnungen erbt jeweils nur derjenige, der mit der Verstorbenen am nächsten verwandt ist. Der Nächstverwandte schließt also die ferner Verwandten aus. Bei mehreren gleich nahen Verwandten bekommt jeder den gleichen Teil.

Was erbt er Ehepartner?

Das hängt davon ab, in welchem Güterstand das Paar gelebt hat und wie viele sonstige Erben vorhanden sind.

Immobilien bestimmen maßgeblich die Erbschaftshöhe: Gehören Häuser und Wohnungen zum Nachlass, dann beträgt dessen Höhe meist mehr als 150.000 Euro, wie es in der Studie heißt. In den westdeutschen Ländern bekommen die Erben in mehr als der Hälfte der Fälle eine Immobilie, im Osten dagegen nur in einem von drei Erbfällen. „Allerdings läuft die Angleichung bereits auf vollen Touren“, erklärte Studienautor Reiner Braun. Vor 15 Jahren seien noch vier von fünf ostdeutschen Erbschaften ohne Immobilie gewesen.

Wie die großen Vermögen konzentrieren sich auch die großen Erbschaften auf wenige Fälle. Die oberen zwei Prozent aller Hinterlassenschaften vereinen etwa ein Drittel des gesamten Volumens auf sich, wie Braun errechnete. In jedem achten Fall hingegen gehen die Erben demnach leer aus.

Europäisches Erbrecht: Brügge sehen und vererben

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Ab sofort soll der Tod eines Angehörigen im Ausland für die Erben weniger bürokratischen Aufwand bedeuten. Eine EU-Verordnung verspricht dies durch eine Vereinheitlichung der Regeln. Dennoch gibt es einige Fallstricke.

Das Geldvermögen, das in den kommenden Jahren vererbt werden wird, ist laut Studie etwa zur Hälfte in festverzinslichen und wenig riskanten Sparguthaben angelegt und zu einem Drittel in Wertpapieren. Lebensversicherungen oder Bausparguthaben spielen nur noch eine geringe Rolle. Studienautor Braun warnt potenzielle Erben, sie müssten sich auf Unsicherheiten gefasst machen: Die Erblasser würden heutzutage „immer länger und konsumfreudiger leben“.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge wird von Unternehmen der Finanzwirtschaft getragen.

Fallstricke

Erbfolge

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. „Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner“, erklärt Thomas Diehn, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer. „Gibt es Kinder – egal, ob ehelich oder unehelich – erben diese ebenfalls.“ Dann bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent zu gleichen Teilen. Bestand beim Erbfall Gütertrennung, hätten die dritte Ehefrau und die beiden Kinder je ein Drittel geerbt. Gibt es weder Ehepartner noch Kinder, erben die Eltern des Verstorbenen. Sie sind übrigens auch Erben, wenn der Verstorbene verheiratet war, aber keine Kinder hatte. „Ohne gültiges Testament kann es dann zu ungewollten Erbengemeinschaften kommen“, so Diehn. „Die Eltern müssen sich dann mit ihrer Schwiegertochter oder ihrem Schwiegersohn einigen – nicht immer eine einfache Konstellation.“ Das lässt sich durch eine intelligente Nachlassplanung vermeiden.

Teurer Erbschein

Liegt ein Testament vor, muss kein Erbschein beim Nachlassgericht erstellt werden. Dieser Erbschein ist übrigens deutlich teurer als ein Testament beim Notar. Wer einen Nachlass über 200.000 Euro regelt, zahlt beim Notar 424 Euro für ein Testament. Der Erbschein kostet mindestens 714 Euro, die mit einer notariellen Urkunde gespart werden können.

Verschwundener letzter Wille

Erben müssen wissen, dass es ein Testament gibt und wo sie es finden. Wer sein Testament beim Notar oder Amtsgericht hinterlegt, kann dies im „zentralen Testamentsregister“ (ZTR) registrieren lassen. Die Registrierung kostet einmalig 15 beziehungsweise 18 Euro. „Es soll vor allem gewährleisten, dass ein Testament im Erbfall auch schnell gefunden wird“, sagt Diehn.

Berliner Testament

Wählen Eheleute ein Berliner Testament, dann setzen sie sich gegenseitig als Alleinerben ein. Sind beide tot, erben die Kinder zu gleichen Teilen. Wichtig: Der überlebende Elternteil kann diese Quote nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine entsprechende Klausel, die dies erlaubt. Auch ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht – das Berliner Testament geht immer vor.

Erbengemeinschaft

In vielen Fällen kommt es zu den so unbeliebten Erbengemeinschaften. Drei Geschwister erben beispielsweise gemeinsam ein Miethaus, das Haus der Eltern und ein Barvermögen. Das lässt sich durch Testamente steuern beziehungsweise intelligent aufteilen.



Von

afp

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