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24.10.2014

14:24 Uhr

Vermögensverwalter & Co.

Geld anlegen wie die Reichen

VonKatharina Schneider

Trotz der niedrigen Zinsen hat sich das Anlageverhalten vieler Deutscher nicht geändert. Ein Fehler, den zumindest manche Sparer erkennen. Wie sie günstig von den Strategien der Vermögensverwalter profitieren.

dpa

DüsseldorfEigentlich müsste die Botschaft inzwischen auch bei den überzeugtesten Sparern angekommen sein: Fleißig Geld auf das Sparbuch oder das Tagesgeldkonto zu packen, ist keine Anlagestrategie. Im Gegenteil, es ist eine sichere Methode, um das persönliche Vermögen zu vernichten. Denn wegen der minimalen Zinsen wird es langsam aber sicher von der Inflation aufgefressen.

Doch die große Anlegerrevolution blieb bisher aus. Laut einer Umfrage der Comdirect ignoriert jeder Zweite die geringen Renditen für Sparbuch, Tagesgeld- und Festgeldkonto und hat sein Anlageverhalten nicht verändert. Als Grund dafür nennt Holger Hohrein, Finanzvorstand der Comdirect, „eine Mischung aus Unsicherheit, Unwissenheit und Desinteresse“. Auch das Interesse an Aktien ist nicht gestiegen, stattdessen verzeichnet das Deutsche Aktieninstitut eine rückläufige Aktionärsquote.

Allein bei den Vermögensverwaltern tut sich etwas. Das Institut für Vermögensverwaltung an der Hochschule Aschaffenburg, dessen Gründung von der V-Bank initiiert wurde, hat 124 unabhängige Vermögensverwalter – von deutschlandweit etwa 400 – befragt und stellt fest: Im ersten Halbjahr 2014 haben mehr als 70 Prozent der Befragten Kunden dazu gewonnen. Bei den Kleineren, die bis zu 100 Millionen Euro verwalten, konnten 38 Prozent sogar einen starken Anstieg von mehr als fünf Prozent verzeichnen. Bei den Größeren (mehr als 100 Millionen Euro verwaltetes Vermögen) verbuchten 21 Prozent einen starken Anstieg.


Die meisten Verwalter (62 Prozent der Kleineren und 75 Prozent der Größeren) geben an, dass die Neukunden hauptsächlich von Großbanken zu ihnen gewechselt sind. „Die Unzufriedenheit der Bankkunden ist seit Jahren gewachsen, nun ziehen sie die Konsequenzen“, sagt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV). „Das ist jedoch ein sehr langsamer Prozess.“

Wer einmal einen Vermögensverwalter engagiert hat, hält ihm dann auch lange die Treue. Von einem Kundenrückgang berichten für das vergangene Halbjahr nur sieben Prozent der kleineren und acht Prozent der größeren Verwalter. Im Schnitt bleiben die Kunden laut Umfrage zwölf bis 13 Jahre. Und wenn sie doch mal wechseln? Dann liegt das häufig an ihrer Unzufriedenheit mit der Performance und noch öfter an „sonstigen Gründen“. „Dahinter stecken vor allem der Kauf einer Immobilie, andere teure Anschaffungen oder auch ein Erbfall, in dem die Erben das Geld abziehen, weil sie es anderweitig brauchen“, sagt Grünewald.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Für die meisten Kleinanleger ist es jedoch nicht möglich, einen persönlichen Vermögensverwalter zu engagieren, dem sie bloß die Richtung vorgeben und der sich dann selbstständig um ihre Geldanlage kümmert. Bei kleineren Verwaltern liegt das Mindestanlagevolumen im Durchschnitt bei 65.885 Euro, mit einem Schwerpunkt bei 50.000 Euro. Bei größeren Verwaltern sind es durchschnittlich 154.405 Euro, mit einem Schwerpunkt bei 100.000 Euro.

„Die individuelle Verwaltung kleinerer Beträge lohnt sich unter dem Aspekt des Zeit- und Kostenaufwands weder für Anleger noch für Vermögensverwalter. In diesem Fall sind vermögensverwaltende Fonds eine gute Alternative“, sagt Grünewald. „Im Verhältnis zur Anlagesumme wären die Kosten zu hoch.“

Kommentare (3)

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G. Nampf

24.10.2014, 14:51 Uhr

"..., einen persönlichen Vermögensverwalter zu engagieren, dem sie bloß die Richtung vorgeben und der sich dann selbstständig um ihre Geldanlage kümmert."

Wer sein Vermögen so in die Hände anderer gibt, ist selbst schuld, wenn das Geld weg ist. Am besten kümmert man sich um sein Geld selbst, dann ist auch klar wer für den Verlust verantwortlich ist. Andernfalls macht man nur die Verwalter und - wenn's schiefgeht- noch Juristen reich.

Herr Markus Gerle

24.10.2014, 17:06 Uhr

Also, da ich von Banken eigentlich noch nie kompetente Anlagenberatung erhalten habe, kümmere ich mich selbst um mein Portfolio. Und selbst meine Depots sind auf mehrere Banken verteilt.
Aber vor knapp 2 Jahren bot mir die Direktbank, bei der ich mein Privatkonto habe eine Honorarberatung an. Ich wolle es mal für 6 Monate ausprobieren. Jetzt bin ich immer noch dabei. Denn siehe da: Wenn man sie bezahlt, können sie es. In einem anderen Depot manage ich komplett selber. Und ich muss sagen, mein Direktbank ist besser. Allerdings haben die auch Zeit dafür und beraten mich mehr bei der Asset-Allocation und nicht bzgl. einzelner Finanzprodukte. Da geben sie auf Nachfrage zwar auch Empfehlungen ab, aber der Schwerpunkt liegt auf der Zusammensetzung des Depots. Ach ja, bei Neuanlagen gibt es die Vertriebsprovisionen zurück. Wenn man regelmäßig investiert, ist also die Beratung auch schon fast kostenfrei. Und erstaunlich: Recht oft kommt die Empfehlung, auf gewisse Märkte mit ETFs zu gehen. Bisher auch mit ziemlich gutem Erfolg. Ich bewerte den Erfolg allerdings am liebsten bei fallenden Märkten. Und das hatten wir in den letzten zwei Jahren kaum. Die Verkaufsempfehlung für meine Verhältnisse großer Fondsanteile deutscher und europ. Aktien beim jetzigen Einbruch kam nahezu perfekt.
Nun das Negative: Von dieser Honorarberatung bin ich zwar begeistert. Aber ich glaube kaum, dass sich jemand ohne gewisse Grundkenntnisse mit den Leuten der Anlageberatung effektiv am Telefon unterhalten kann. Daher stimme ich der Aussage im Artikel zu: Ökonomische Grundkenntnisse sind wohl das Wichtigste. Leider ist in unserer Gesellschaft und bei unseren Politikern so was anscheinend verpönt.

Herr Horst Meiller

24.10.2014, 19:29 Uhr

Ca. 70% Immobilien
Ca. 10% Termingeldkonten
Ca. 5% Bargeld
Ca. 10% Gold
Der Rest: Selbst genutzte Fahrzeuge und Frankenwein
Aktien? HaaHa!
Ich vertraue doch mein sauer verdientes Geld nicht fremden Leuten an, deren kaufmännische Fähigkeiten und deren mögliche kriminelle Energie man nicht einschätzen kann!

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