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11.11.2013

06:08 Uhr

Vermögensverwaltung

Wie die Superreichen investieren

VonSara Zinnecker

Deutsche Oppenheim, Harald Quandt Trust, Taurus Investment: Die Verwalter deutscher Familienvermögen investieren das ihnen anvertraute Geld gern in Aktien und Beteiligungskapital. Andernorts geht man bereits weiter.

Statussymbol Privatjet: Bei der Anlage ihres Vermögens ticken die Superreichen weltweit anders als in Deutschland. Getty Images

Statussymbol Privatjet: Bei der Anlage ihres Vermögens ticken die Superreichen weltweit anders als in Deutschland.

DüsseldorfLorenz Reibling kennt viele reiche Leute. Seit 35 Jahren arbeitet er mit ihnen – und ihrem Vermögen. Als Mitgründer der in Boston ansässigen Taurus Investment Holdings sucht er für die sogenannten Ultra High Net Worth Individuals (UHNWIs), also für reiche Familien und Einzelpersonen mit einem liquiden Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar (rund 22,4 Millionen Euro), renditeträchtige Immobilien auf der ganzen Welt.

Taurus hat 150 Mandanten in Deutschland. So weiß Lorenz Reibling nicht nur, wie die deutschen Vermögenden am liebsten ihr Geld anlegen – sondern auch, was sie von den Amerikanern und Asiaten unterscheidet. Und die Unterschiede sind groß:

Glaubt man einer aktuellen Umfrage der amerikanischen Citi Private Bank unter weltweit 50 Vermögensverwaltern besonders reicher Familien – den sogenannten Family Offices – werden im Schnitt 39 Prozent des verwalteten Vermögens in Liquidität geparkt, etwa auf einem einfachen, schlecht bis gar nicht verzinsten Bankkonto. Nur 25 Prozent des Vermögens war in Aktien investiert.

„Die Family Offices haben die Bullen links liegen gelassen“, deutet Steve Weiting, Investmentstratege bei Citi Private, das Ergebnis. Tatsächlich: Seit Monaten ziehen die Aktienmärkte in den USA und Europa an, erreichen einen Höchststand nach dem anderen, während die Zinsen auf Tagesgeld und festverzinsliche Wertpapiere den Leitzinsen folgend extrem niedrig ausfallen. Nur die Vermögenden dieser Welt scheinen den Trend verpasst zu haben.

Fakten zu den Superreichen

So viele Superreiche gibt es auf der Welt

Der aktuelle 'World Ultra Wealth Report' der Schweizer Großbank UBS zählt weltweit 199.235 Superreiche. Ultra High Net Worth Individual (UHNWI) darf sich nennen, wer mehr 30 Millionen Dollar (rund 22,4 Millionen Euro) Vermögen angesammelt hat. In Zukunft wird es, so die Studie, weltweit mehr UHNWIs geben.

So viele Superreiche gibt es in Deutschland

Für Deutschland zählt die UBS 2013 17.820 Superreiche mit einem Vermögen von rund 1,7 Billionen Euro. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik betrug im Jahr 2012 rund 2,645 Billionen Euro.

So viele Milliardäre gibt es

Über eine Milliarde Euro besitzen 2.170 Menschen auf der Welt, insgesamt sitzen sie auf 6.5 Billiarden Dollar (rund 4,8 Billiarden Euro) und damit auf 23 Prozent des Vermögens der Superreichen (UHNWI).

Asien auf dem Vormarsch

In den kommenden fünf Jahren werden die Asiaten Europäer und Amerikaner zusammengenommen in der Superreichen-Statistik überholen, schätzt die UBS. Asien wird 2021 mehr Menschen haben als Europa, und 2032 als die USA. Auch das Gesamtvermögen der Asiaten wird 2017 das der Europäer übersteigen, 2024 das der Amerikaner.

Superreiche Frauen

Die Frauenquote der Superreichen liegt bei niedrigen 12 Prozent. 88 Prozent der Ultra High Net Worth Individuals sind Männer.

Deutschlands superreiche Frauen

Superreiche Frauen in Deutschland halten ein Vermögen von rund 244 Millionen Euro. 1.070 weibliche Ultra High Net Worth Individuals zählt die UBS im Jahr 2013 in Deutschland. Damit machen Frauen etwa sechs Prozent der superreichen Bundesbürger aus.

Klaus Kuder, der bei der Deutschen Oppenheim Family Office mehr als zehn Milliarden Euro betreut, ist darüber erstaunt. Von seinen rund 100 Mandanten in Deutschland weiß er, dass sie die Aktien-Hausse bestmöglich mitgenommen haben. „Diejenigen, die ihre Aktienquote erhöhen dürfen – das sind vor allem die privaten und mittelständisch geprägten Mandanten – haben ihren Anteil um etwa zehn Prozent auf 35 bis 40 Prozent erhöht, manche sogar auf 50 Prozent.“

Der Cash-Anteil im Portfolio seiner Reichen sei dagegen ebenfalls gestiegen, doch nicht annähernd auf das Niveau, das die Citi Bank Umfrage ausgibt: „40 Prozent Cash sind viel“, urteilt er. Für seine Mandanten habe sich der Bestand liquider Mittel um maximal zehn Prozent erhöht.

Kommentare (5)

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Hamster

11.11.2013, 10:54 Uhr

Wie wäre es denn wenn die Superreichen in die anderen Bevölkerungsschichten investieren würden, die kein Leistungsunabhängiges Einkommen erzielen! Dann kommt eine größere Dividente heraus!! Versprochen!

Anu

11.11.2013, 12:07 Uhr

Der Boom ist einfach das High durch das Heroin billigen Geldes. Ich würde shorten, aber ich fürchte, die Märkte können länger irrational bleiben als ich liquide bleiben kann. Aber wir sind die Mutter aller Blasen und das wird die Mutter aller crashes.

Aber ein klares Verkaufssignal ist, wenn die Massenmedien Papiere bewerben, denn das heisst, die institutionellen Investoren wollen den Dreck loswerden.

hallihallo

11.11.2013, 13:44 Uhr

Da haben sie vollkommen recht! Die Märkte sind verrückt geworden, die ganzen Fehlinvestition die jetzt durch das billige Geld getätigt werden, werden sich bitterböse rächen! Die Märkte sind wie Drogensüchtige, und die Zentralbanken können die Versorgung mit billigen Stoff nicht mehr zurückfahren, ohne einen Crash zu verursachen! Wir hatten auch mal die goldenen 20er Jahre und danach kam die Quittung und die größte Kapitalvernichtung (Komplettzerstörung ganzer Städte (Immobilienkapital)) in der Geschichte der Menschheit. Und danach waren die Banken und Versicherungen wieder Happy, den der Vermögensaufbau war dann wieder kinderleicht!

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