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30.03.2012

13:10 Uhr

Versicherung gegen Berufsunfähigkeit

Teuer, lückenhaft und undurchsichtig

VonKerstin Leitel

Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit versprechen viel, leisten aber zu wenig, bemängeln Verbraucherschützer. Sie fordern strengere Vorschriften. Worauf Kunden beim Abschluss einer BU-Police achten müssen.

Ein Bauarbeiter auf einer Baustelle in Hamburg. Vor allem körperlich schwer arbeitende Menschen sind oft vor Erreichen des Rentenalters erwerbsunfähig. dpa

Ein Bauarbeiter auf einer Baustelle in Hamburg. Vor allem körperlich schwer arbeitende Menschen sind oft vor Erreichen des Rentenalters erwerbsunfähig.

FrankfurtSelten sind sich Verbraucherschützer und Versicherungen so einig wie in diesem Punkt: „Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den wenigen Versicherungen, deren Abschluss wir empfehlen“, sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung - häufig „BU“ abgekürzt - soll einspringen, wenn die versicherte Person wegen einer Krankheit, einer Verletzung oder eines Kräfteverfalls mindestens sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, ihren Beruf auszuüben.

Doch oft bieten die Versicherer nur Verträge mit viel zu kurzer Laufzeit an. Oder die Police ist so teuer, dass sich die Arbeitnehmer den Schutz nicht leisten können. „Mit solchen Offerten stiehlt sich die Versicherungsbranche aus ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung. Wir fordern sie daher dringend zum Umdenken auf!“, schimpft Kleinlein. Viele Absicherungswillige bekämen den wichtigen Schutz gar nicht. Doch auch wer die Hürde der Gesundheitsprüfung genommen habe, werde oft nur lückenhaft geschützt.

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Für jeden, der auf ein regelmäßiges Arbeitseinkommen angewiesen ist, zählt eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit zu den wichtigsten Schutzmechanismen überhaupt. Welche Tarife angeboten werden und was sie taugen.

Der Bund der Versicherten fordert den Staat daher auf, dafür zu sorgen, dass private Policen ausreichenden Schutz zu bezahlbaren Preisen bieten und transparenter werden. „Es kann nicht sein, dass sich die Versicherer durch immer stärkere Risikoselektion mit BU-Policen eine goldene Nase verdienen, während die echten Risiken weiterhin vom Sozialstaat und der Gemeinschaft der Steuerzahlen geschultert werden müssen", kritisiert Kleinlein. Er fordert eindeutige Kalkulationsgrundlagen und einheitliche Annahmerichtlinien. Außerdem sollte der Gesetzgeber vorschreiben, dass Risikogewinne der Anbieter zu 90 bis 95 Prozent wieder an die Kunden zurückgegeben werden müssen. „Auch damit könnte der derzeitigen Rosinenpickerei am Markt wirkungsvoll Einhalt geboten."

Die fünf gefährdeten Berufe

Gerüstebauer

52 Prozent aller Gerüstbauer werden vor Eintritt ins Rentenalter arbeitsunfähig.

Dachdecker

Auch Dachdecker sind überdurchschnittlich gefährdet - 51 Prozent von ihnen sind vor Rentenbeginn erwerbsunfähig.

Bergleute

Die Hälfte aller Bergleute können nicht bis zum Rentenalter arbeiten.

Pflasterer

Auch der Beruf des Pflasterers bleibt nicht ohne folgen. 42 Prozent sind vor der Rente erwerbsunfähig.

Fleisch- und Wurstwarenhersteller

Fleisch- und Wurstwarenhersteller sind ebenfalls betroffen - 42 Prozent von ihnen werden vor dem Rentenalter erwerbsunfähig.

Experten schätzen, dass jeder fünfte Arbeitnehmer vor Erreichen des Rentenalters dauerhaft erwerbsunfähig wird. Besonders körperlich schwer arbeitende Menschen sind gefährdet. Die Chancen, dass ein Gerüstbauer vorzeitig in den Ruhestand gehen muss, stehen sogar fünfzig zu fünfzig.

Unfälle allerdings sind in nur einem Siebtel aller Fälle Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Mittlerweile müssen die Versicherungen vor allem wegen psychischer Störungen einspringen. Auch orthopädische Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle kommen oft vor.

Kommentare (6)

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Betroffener

30.03.2012, 15:35 Uhr

Als es zum Versicherungsfall kam hatte meine Versicherung erklärt, dass sie den Vertrag irrtümlich abgeschlossen hätte und sie ging zwei Distanzen mit dieser Behauptung mit.

Die Versicherung lies über ihren Anwalt dem Gericht mitteilen, dass eine Kennzeichnung an einer genau dafür vorgesehenen Stelle irrtümlich nicht in die Police übernommen wurde. Das Gericht hat in der Verhandlung durch Befragung der Sachbearbeiterinnen Beweis erhoben. Während die Datenerfasserin laut Gerichtsprotokoll erklärte, dass nichts auf dem Erfassungsbogen stand, was sie hätte erfassen können, erklärte die Sachbearbeiterin, dass sie es vergessen habe hinzuschreiben.

Das Gericht entschied daraufhin in der ersten Instanzm, dass es sich um einen Tippfehler gehandelt habe.

Die Stafanzeige wegen Prozessbetrug liegt seit Januar 2010 bei der Staatsanwaltschaft. Obwohl alle Informationen in den Gerichtsakten vorliegen ist bis heute noch kein Prozess eröffnet worden.

Betroffen sind eine Versicherung, ein Landgericht und eine Staatsanwaltschaft in einer sehr bekannten deutschen Stadt.

Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr wichtig. Noch wichtiger ist, den Vertrag bei einer seriösen Versicherung abzuschließen.

Christoph

05.04.2012, 12:15 Uhr

Das größte Problem bei den derzeitigen Berufsunfähigkeitsversicherung sind zudem auch die Annahmebedingungen. Für viele berufstätige Menschen ist es schlichtweg einfach nicht möglich, sich zu versichern, da sich von den Versicherungen immer abgelehnt werden. Dies bemeängelt unter anderem auch die Öko-Test in ihrem aktuellen BU Test 2012. Nachzulesen unter www.berufsunfaehigkeitsversicherungen-vergleich.com

Mindestversorgung

09.04.2012, 19:54 Uhr

Tja, da die BU-Versicherer nur "gute Risiken" annehmen, sollte der Staat darüber nachdenken, die Berufsunfähigkeit in der gesetzlichen Rente wieder stärker abzusichern.
Als gutes Beispiel könnte die Mindestversorgung für Beamte bei Dienstunfähigkeit dienen...

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