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10.07.2015

08:11 Uhr

Versicherung und Vorsorge

So bringt ein Unglück nicht das finanzielle Aus

VonJens Hagen

Bei schwerer Krankheit droht nicht nur das Karriereende, sondern auch der finanzielle Ruin. Warum immer weniger Deutsche eine Police gegen Berufsunfähigkeit abschliessen. Und warum Studenten und Azubis im Vorteil sind.

Wer schon in der Uni oder kurz danach an eine Berufsunfähigkeitsversicherung denkt, kann viel Geld sparen. dpa

Absolventen der Uni Bonn

Wer schon in der Uni oder kurz danach an eine Berufsunfähigkeitsversicherung denkt, kann viel Geld sparen.

Selten war es so angenehm, in Deutschland zu arbeiten. Der Arbeitsmarkt läuft rund. Die Bundesagentur für Arbeit meldete im Juni nur noch 2,711 Millionen Jobsuchende. Das sind so wenig wie im Sommer 1991, dem Jahr nach der Wiedervereinigung. Facharbeiter und Führungskräfte in prosperierenden Branchen freuen sich über Karrierechancen und steigende Boni. Der Mindestlohn und die zuletzt oft sehr auskömmlichen Tarifverträge der Gewerkschaften sorgen auch bei Menschen mit niedrigeren Gehältern für Zuwächse.

Aber es gibt auch eine dunkle Seite des deutschen Jobwunders. Weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt, müssen immer Menschen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das zeigt die aktuellste Statistik der Deutschen Rentenversicherung. Im vergangenen Jahr bezogen 1.755.101 Menschen eine Rente wegen Erwerbsminderung. Das sind gut 40.000 mehr als im Jahr davor und rund 105.000 mehr als noch vor zehn Jahren.

So sparen die Deutschen

Der Durchschnitt

Ich spare regelmäßig: 64 Prozent
gelegentlich: 26 Prozent
gar nicht: 9 Prozent
keine Angabe: 1 Prozent
Quelle: Forsa-Umfrage „Sparerkompass 2015“

Nach Geschlecht

Regelmäßige Sparer:

Männer: 65 Prozent
Frauen: 62 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Männer: 22 Prozent
Frauen: 30 Prozent

Nicht-Sparer:
Männer: 11 Prozent
Frauen: 7 Prozent

Nach Alter

Regelmäßige Sparer:

18-29 Jahre: 63 Prozent
30-39 Jahre: 68 Prozent
40-49 Jahre: 62 Prozent
50-59 Jahre: 62 Prozent
60-69 Jahre: 65 Prozent

Nach Familienstand

Regelmäßige Sparer:
Mit einem Partner lebend: 68 Prozent
Allein lebend: 56 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Mit einem Partner lebend: 24 Prozent
Allein lebend: 31 Prozent

Nicht-Sparer:
Mit einem Partner lebend: 8 Prozent
Allein lebend: 11 Prozent

Nach Erwerbstätigkeit

Regelmäßige Sparer:
Erwerbstätig: 68 Prozent
Arbeiter: 66 Prozent
Angestellte: 71 Prozent
Beamte: 69 Prozent
Selbständig: 74 Prozent
Nicht erwerbstätig: 57 Prozent
Hausfrau: 65 Prozent
Rentner: 73 Prozent
Schüler/Student: 42 Prozent
Arbeitslos: 16 Prozent

Nach Ortsgröße

Regelmäßige Sparer:
Unter 20.000 Einwohner: 67 Prozent
20.000 bis 100.000 Einwohner: 64 Prozent
100.000 bis 500.000 Einwohner: 71 Prozent
500.000 Einwohner und mehr: 50 Prozent

Nach Bundesländern

Regelmäßige Sparer:
Berlin: 45 Prozent
Sachsen: 47 Prozent
Brandenburg: 53 Prozent
Niedersachsen: 53 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern: 56 Prozent
Hamburg: 61 Prozent
Schleswig-Holstein: 61 Prozent
Saarland: 65 Prozent
Sachsen-Anhalt: 66 Prozent
Baden-Württemberg: 66 Prozent
Hessen: 67 Prozent
Thüringen: 67 Prozent
Bremen: 68 Prozent
NRW: 68 Prozent
Rheinland-Pfalz: 68 Prozent
Bayern: 74 Prozent

Nach Summen

So viel spart der Durchschnittsdeutsche pro Monat:
Weniger als 50 Euro: 10 Prozent
50 bis unter 100 Euro: 22 Prozent
100 bis unter 200 Euro: 25 Prozent
200 bis unter 300 Euro: 15 Prozent
300 bis unter 400 Euro: 9 Prozent
400 bis unter 500 Euro: 5 Prozent
500 Euro und mehr: 10 Prozent

Der genaue Blick in die Statistik zeigt die Ursache. Gut 43 Prozent scheiden wegen psychischer Erkrankungen aus. Die Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen. „Das liegt neben einer besseren Diagnostik vor allem an der höheren Arbeitsverdichtung im Joballtag“, erklärt ein Sprecher der Rentenversicherung.

Wenn nichts mehr geht, steht für die meisten Arbeitnehmer die finanzielle Existenz auf dem Spiel. Denn im Schnitt liegen die staatlichen Renten abzüglich Beiträgen zu Kranken- und Pflegeversicherung bei rund 720 Euro. Und bei der privaten Vorsorge hapert es. Den 1,76 Millionen Erwerbsminderungsrenten stehen die gut 250.000 von den privaten Versicherern ausgezahlten Renten gegenüber, die nach Abschluss einer Police gegen Berufsunfähigkeit (BU) an den Kunden ausgezahlt werden. Gut 1,7 Milliarden Euro schütten die Versicherer im Jahr aus.

Die Sorge vor dem privaten Finanzfiasko bei Arbeitsunfähigkeit treibt derzeit die Verbraucherschützer auf die Barrikaden. Es gäbe viel zu wenige Verträge, Vertragslaufzeiten und Rentenhöhen seien begrenzt und einige Berufsgruppen würden von den Versicherern im Stich gelassen, mahnen der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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