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05.07.2013

16:26 Uhr

Versicherungen

Abschied vom Garantiezins

Niedrigzinsen machen Versicherern zu schaffen. Deshalb bietet die Allianz erstmals auch Lebensversicherungen ohne lebenslangen Garantiezins an. Der Konzern sieht darin einen Fortschritt. Kritiker sind anderer Meinung.

Die neue Produktlinie „Perspektive“ wird seit Freitag verkauft. dpa

Die neue Produktlinie „Perspektive“ wird seit Freitag verkauft.

MünchenDeutschlands größter Versicherer Allianz bietet künftig erstmals eine Lebensversicherung ohne lebenslangen Garantiezins an. Damit reagiert das Unternehmen auf die derzeit niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten.

Der Konzern sieht darin einen Fortschritt: Durch den Verzicht auf die Mindestverzinsung könne man die Beiträge der Kunden flexibler anlegen, erklärte das Unternehmen. Damit erhielten die Kunden die Chance auf höhere Renditen. Das neue Produkt gewährleiste zudem wie klassische Lebensversicherungen den Erhalt der eingezahlten Beiträge bei Tod oder Rentenbeginn sowie die vereinbarte Mindestrente. Kritiker halten das für Produktwerbung und betrachten die neue Versicherung eher als Rückschritt.

„Perspektive“ heißen die Neuschöpfungen, die die Allianz parallel zu den klassischen Lebensversicherung anbietet. Mehr Rendite versprechen sie jenen Kunden, die sich von einem Garantiezins - aktuell nur noch 1,75 Prozent - nicht mehr locken lassen. Das Markenzeichen der deutschen Lebens- und Rentenversicherung, einen lebenslang garantierten Zins, bietet die „Perspektive“ nicht mehr.

„Es gibt gerade in Niedrigzinsphasen die Neigung, mehr Risiko zu nehmen“, sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber am Freitag. Die Allianz erhofft sich für seine neue Produktlinie rasch einen beträchtlichen Anteil am Neugeschäft. „Wir werden sicher irgendwann kopiert, werden aber für ein halbes oder ein Jahr allein damit bleiben“, sagte Faulhaber. Der Rivale Ergo vertreibt seit Anfang des Monats zwar ebenfalls eine Lebensversicherung ohne dauerhafte Zinsgarantie, das Konzept ähnelt jedoch einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Anbieter wie Zurich (Deutscher Herold) sind bereits ganz aus der klassischen Lebensversicherung ausgestiegen.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

In den 1990er Jahren war selbst ein Garantiezins von vier Prozent für die Versicherer eine leicht zu überspringende Hürde - bei Zinsen auf deutsche Staatsanleihen von sieben und mehr Prozent für ihre Anlagen. „Heute sind die Garantien für die Anbieter eine große Herausforderung - und viele Kunden wissen sie nicht mehr recht zu schätzen“, sagt Lars Heermann von der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. „Der Anbieter muss stärker ins Risiko gehen, um die Garantie zu verdienen - aber dieses Risiko muss mit Kapital unterlegt werden.“ Im Schnitt liegt der Garantiezins wegen der vielen Altverträge unter den 90 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland noch immer bei 3,2 Prozent.

Kommentare (11)

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Mazi

05.07.2013, 15:43 Uhr

Gibt es irgend einen Versicherungsnehmer, der in der Lage ist, den Wert seiner Versicherung auf Basis der vom Versicherer mitgeteilten Daten auf die Richtigkeit zu überprüfen?

Es geht dabei nicht darum, einen in Aussicht gestellten Betrag, der nicht einklagbar ist, in irgendwelchen Schriftstücken wiederzufordern. Es geht um die Überprüfbarkeit.

Nach meinem Dafürhalten ist es nicht einmal der Aufsichtsbehörde möglich, einen Auszahlungsbetrg als richtig oder falsch zu erkennen. Es gibt nicht einmal ein Gesetz, dass dank der Lobbyisten dem Versicherungsnehmer diesen Anspruch bestätigt.

Das Verbraucherschutzministerium verlangt von den Bauern, dass die Eier ihrer Legehennen mit einem Wert von ca. 25 €-Cent Gerichtsferien überprüfbar gekennzeichnet werden. Hier in diesem Fall, in dem es um Tausende € geht, findet sich keine Vorschrift.

Kann dann eine Werbung mit einer nicht einklagbaren Werbebotschaft zulässig sein?

Account gelöscht!

05.07.2013, 16:29 Uhr

Hurraaahhhhh,
die Wundertüte ist neu erfunden worden.

Account gelöscht!

05.07.2013, 17:08 Uhr

Wer heute noch eine Lebensversicherung abschießt,muß mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

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