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15.02.2013

10:40 Uhr

Versicherungen

Freibrief für Vertreter

VonThomas Schmitt

ExklusivWas darf der Versicherungsvertreter? Muss er Auskunft über seine Vergütung geben? "Nein" sagen die Konservativen im Europaparlament. Die Grünen halten dagegen. Der Streit erreicht die deutschen Wohnzimmer.

Versicherungsvertreter in Deutschland dürfen auf einen Freibrief hoffen. Getty Images

Versicherungsvertreter in Deutschland dürfen auf einen Freibrief hoffen.

DüsseldorfViele Verbraucher sind überfordert. Sie blicken bei ihren Versicherungen nicht durch und fühlen sich oft über den Tisch gezogen. Von den Versicherungen und den Vermittlern werden sie zum Teil mit Informationen überschüttet, doch einordnen können sie den Informationswust nur selten.

Auch im Europaparlament ist das angekommen. Doch die Abgeordneten ziehen daraus ganz unterschiedliche Schlüsse. Während die eine Seite den Verbrauchern mehr Rechte geben will, glaubt die andere Seite, dass dies gar nichts bringt.

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Für die gegensätzlichen Positionen stehen exemplarisch der Abgeordnete der Grünen, Sven Giegold, und der CDU-Politiker Werner Langen, ein alter Hase unter den Europa-Politikern. Seit 1994 ist er im Econ-Ausschuss, der zuständig ist für die europäische Wirtschafts- und Geldpolitik, die Steuer- und Wettbewerbspolitik, den freien Kapitalverkehr sowie die Regulierung von Finanzdienstleistungen.

Aktuell werden dort gerade neue EU-Regeln für Versicherungsvermittler diskutiert. Doch was der Konservative Langen zuletzt vorgeschlagen hat, gefällt dem Grünen Giegold ganz und gar nicht. „Die Änderungen des Berichterstatters Werner Langen in seinem Berichtsentwurf gegenüber dem Kommissionsentwurf erodieren Transparenz und Maßnahmen gegen Interessenskonflikte und damit den Verbraucherschutz in erheblichem Maße“, lautet seine Grundsatzkritik.

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Langen wehrt sich dagegen. Das sei nicht richtig, erklärte er auf Anfrage von Handelsblatt Online. Vielmehr habe er mit seinen Vorschlägen eine Überbürokratisierung abwenden wollen. Außerdem wolle er eine „sinnvolle und notwendige Transparenz“ für Kunden.

Transparenz für Verbraucher, aber wie? Der Grünen-Politiker Giegold versteht darunter etwas völlig anderes als der CDU-Mann. Langen streiche sehr einseitig alle wichtigen Verbraucherschutzvorschriften im Richtlinienentwurf der EU-Kommission, erklärte er.

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen

Rangliste

Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler.

Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen

Platz 10

Sachversicherung
11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung

Platz 9

Sachversicherung   
45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 8

Krankenzusatzversicherung
90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung

Platz 7

Sachversicherung
200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 6

Bausparvertrag
325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro

Platz 5

Fondsanlage
450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro

Platz 4

Lebensversicherung 
1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre

Platz 3

Immobilienfinanzierung
1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro

Platz 2

Krankenversicherung
2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro

Platz 1

Unternehmerische Beteiligungen
3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

Der CDU-Politiker wolle keine Binnenmarktstandards für Kunden. In drei Bereichen verändere er die Gewichte zulasten der Kunden und zugunsten der Versicherer: bei den Auskunftsrechten für Kunden, den Regeln für Kopplungs- und Bündelungsgeschäfte sowie den Regeln für Versicherungsvermittler.

Kommentare (15)

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Dummer-Verbraucher-gesucht

15.02.2013, 11:10 Uhr

Überbürokratisierung - das neue Stichwort für die Interessendurchsetzung von Politikern, die für Lobbyverbände arbeiten.

Ebenso spricht man immer wieder davon, man möchte den Verbraucher nicht überfordern.

Für wie dumm werden wir eigentlich von unseren Politikern gehalten?

Vielmehr ist es doch so, dass Politiker, insbesondere in Brüssel am Tropf der Lobby hängen. Wer nicht in deren Muster paßt, wird schnellstmöglich ausgetauscht. Oder glaubt hier irgendjemand, dass man als Politiker etablierter Parteien ohne das Vitamin B der Lobby ernsthaft ein Ticket nach Brüssel bekommt?

Brüssel ähnelt einem Moloch getrieben durch die Einflussnahme der mächtigen Lobbyverbände. Selbst Journalisten trauen sich kaum darüber offensiv zu berichten. Zu groß ist die Gefahr, dass es mit der Karriere zu Ende ist!

Gast

15.02.2013, 11:10 Uhr

Jedem ist es erlaubt einen Vertrag mit nach Hause zu nehmen, dort durchzuarbeiten, gegebenenfalls zur Verbraucherberatung (Sofern diese hilfreich sind. Ich hatte noch nicht damit zu tun, weiss es also nicht.) oder gar eine Rechtsberatung zu konsultieren. Selbst wenn es ein wenig kosten sollte, dürfte es auf lange Sicht doch nur von Vorteil sein.

Mit anderen Worten: der Verbraucher ist zunächst einmal selbst Verantwortlich.

claus

15.02.2013, 11:27 Uhr

Wer so einen Mist abschließt ist selbst schuld. Vergleicht man dann was die Versicherungen im Leistungsfall zahlen, wie Sie rumtricksen und die Leute über den Tisch ziehen, kann ich immer nur lächeln, dass wieder ein paar Blöde auf die Versprechungen reingefallen sind.

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