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13.01.2015

15:04 Uhr

Versicherungen für Führungskräfte

Prämien für Manager-Policen von Bankern explodieren

Die Prämien für Haftpflichtpolicen für Top-Manger steigen. Grund sind die zahlreichen Prozesse wegen angeblichen Fehlverhaltens im Amt. Die Versicherungssummen steigen. Warum Policen für Banker besonders teuer sind.

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Gerichtssaal in Essen. dpa

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Gerichtssaal in Essen.

FrankfurtThomas Middelhoff landete vor Gericht. Ebenso wie Christopher Freiherr von Oppenheim oder der HSH-Nordbank-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher. Vorstand ist heutzutage ein riskanter Job. Eine missglückte Übernahme, die Unterschrift unter eine Steuererklärung oder die Verfehlungen eines Untergebenen können ausreichen, um einem später den Prozess zu machen.

Auch Aufsichtsräte, die eine unglückliche Entscheidung abgesegnet haben, können schnell vor Gericht landen. Die Summen, die von den Top-Managern dann bei Zivilprozessen gefordert werden, übersteigen ihr Vermögen meist um ein Vielfaches - eine Milliarden-Strafe der Aufseher kann auch ein gut verdienender Konzern-Chef nicht aus eigener Tasche begleichen.

„Drohte Unternehmensleitern bei Managementfehlern in der Vergangenheit allenfalls die Entlassung, sind heute Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe an der Tagesordnung“, konstatiert der Versicherungs-Makler Marsch. Das Bedürfnis von Managern und Unternehmen, sich abzusichern, ist deshalb massiv gestiegen. Besonders in der Bankenbranche, in der es eine Vielzahl von Prozessen wegen Verfehlungen vor und während der Finanzkrise gab, haben Versicherungen für Directors & Officers (D&O) stark an Bedeutung gewonnen.

Die Geldhäuser, die die Beiträge für die D&O-Versicherung selbst bezahlen, sicherten bei den Assekuranzen immer höhere Schäden ab, sagt Marcel Roeder vom weltgrößten Versicherungs-Makler Aon. „Bei größeren deutschen Geldhäusern sind Deckungssummen von 200 bis 250 Millionen Euro heute keine Seltenheit mehr, vor der Finanzkrise waren es zum Teil lediglich 75 Millionen Euro.“

Die Versicherungen, die keiner braucht

Unsinnige Policen

Ob Brillen, Handy oder Glas - in Deutschland kann man fast alles versichern lassen. Doch von vielen dieser Verträge profitiert nur einer - die Versicherungsgesellschaft. Der Bund der Versicherten hat die überflüssigsten Policen zusammengetragen.

Die Glasbruchversicherung

Eine kaputte Scheibe ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Deshalb mache eine Glasbruchversicherung für die meisten keinen Sinn, so der Bund der Versicherten. Die Beiträge seien für die mögliche Schadenshöhe zu hoch. Ausnahme: Sie haben einen Wintergarten oder teure Spezialglasscheiben im Haus. Oder fußballverrückte Kinder.

Die Brillenversicherung

Kaum einem Brillenträger wurde sie nicht angeboten: Die Brillenversicherung. Dabei glauben viele, dass die Brille bei Bruch oder Beschädigung vollständig ersetzt würde. Doch falsch gedacht. Geht die Brille kaputt, gibt es nur Geld für die Sparvariante zurück. Wer eine hochwertige Fassung und aufwändige Gläser haben möchte, muss auch mit Brillenversicherung zuzahlen. Neue Gläser gibt es übrigens nur bei Beschädigung und bei einer starken Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien). Wer das nicht zu befürchten hat, sollte seine Brille unversichert lassen.

Die Krankenhaustagesgeldversicherung

Die Krankenhaustagesgeldversicherung verspricht eine Zuzahlung für jeden Tag, den man in einer Klinik verbringen muss. Ob sie die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, bezweifelt der BDV allerdings. Der Verein rät, für solche Fälle lieber Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit zu halten.

Die Reisegepäckversicherung

Wer sich Geld von einer Reisegepäckversicherung verspricht, muss bestens auf seine Koffer aufpassen. Denn oft zahlen die Versicherer nur anteilig oder gar nicht, wenn sie ihren Kunden grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Und was grob fahrlässig ist, ist Auslegungssache. Wertsachen wie Schmuck, Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert, bemängelt der BDV. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

Die Handyversicherung

Auch eine Handyversicherung bieten Verkäufer gerne und häufig an, meist gleich an der Kasse. Da hört sie sich auch besonders gut an - schließlich kostet ein Smartphone mehrere Hundert Euro. Es zu versichern, lohnt sich trotzdem nicht. Geht das Gerät verloren oder kaputt, ersetzt die Versicherung nur den Zeitwert des Handys und eine Selbstbeteiligung wird fällig. Wer Geld zurück möchte, für den gilt also: Das Handy zeitnah kaputt machen oder im Taxi liegen lassen.

Versicherung gegen „häusliche Notfälle”

Eine ausgefallene Heizung oder ein vergessener Schlüssel - das sind die „häuslichen Notfälle”, gegen die sich Verbraucher versichern können. Doch einmal einen Notdienst zu rufen, treibt einen nicht in den finanziellen Ruin. Eine Versicherung gegen häusliche Notfälle zieht einem dagegen unnötig Geld aus der Tasche. Auch, weil sie nur begrenzt zahlt. Wer zur Miete wohnt, muss sich ohnehin keine Sorgen machen. Mieter müssen nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben, zum Beispiel bei einem Heizungsausfall.

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Eine Police, bei der man seine eingezahlten Beiträge am Ende zurückbekommen soll - das verspricht die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr. Dahinter steckt aber ein Koppelprodukt, nämlich eine Versicherung mit einem schlecht verzinsten Sparvertrag. Als „Milchmädchen-Rechnung“ bezeichnet der BDV solche Policen: Den Betrag, den der Kunde zurück bekommt, hat er vorher zusätzlich eingezahlt. Und auch die Versicherungsleistungen seien oft nicht ausreichend.

Die Insassenunfallversicherung

Die Angst vor Autounfällen ist groß, deshalb schließen viele Deutsche die Insassenhaftpflichtversicherung ab. Unnötigerweise, so der BDV. Verursacht der Fahrer einen Unfall und werden die Fahrgäste verletzt, tritt seine eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Eine Insassenunfallversicherung lohnt sich nur bei Fahrerflucht oder, wenn der Unfall durch einen Fußgänger verursacht wurde, der keine private Haftpflicht besitzt. Doch auch dem kann vorgebeugt werden, etwa durch eine Forderungsausfallabdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung.

Die Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließe, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen, so der BDV. Wer seine Angehörigen entlasten wolle, sollte lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

Assekuranzen zahlen diese Summe in der Regel maximal einmal pro Jahr aus. Am höchsten liegt die Summe hierzulande Finanzkreisen zufolge mit 500 Millionen Euro bei der Deutschen Bank. Deutschlands größtes Geldhaus steht wegen einer Reihe von Skandalen im Visier der Behörden - unter anderem wegen Steuerhinterziehung, der Pleite des Medienkonzerns Kirch und der Manipulation von Referenzzinssätzen.

Wegen solcher Fälle gehen die Beiträge für D&O-Versicherungen durch die Decke. „Bei den Banken sind die Preise seit der Finanzmarktkrise um 20 bis 40 Prozent gestiegen“, sagt Roeder. „Am unteren Ende liegen risikoarme, regionale Institute wie die Sparkassen, am oberen Ende global tätige Investmentbanken.“ Eine mittelgroße Bank mit konservativem Geschäftsmodell und einer Bilanzsumme von 200 Milliarden Euro muss Branchenkreisen zufolge derzeit eine Prämie von ein bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr berappen, um Schäden bis 250 Millionen Euro abzusichern.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.01.2015, 17:43 Uhr

Was man so selbst mit Banken erleben kann - an die sechstausend Euro für Nichts Gebühren im Jahr - ist schon jenseits der Kriminalitätsgrenze, jedenfalls für ein normales Konto ohne wesentliche Bewegungen.

Dort scheinen sich in der Tat mehr Verbrecher zu tummeln als sonstwo.
Die anstehenden Klage stören sie nicht, denn beim Urteil sind sie längst fort - und es trifft wieder mal andere.

Dies Entkoppelung von schadenstiftender Handlung und Haftung muß aufgehoben werden. Sie müssen persönlich haften - auf viel Jahre.

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